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Namibia Roadtrip – Zwischen Naturschauspiel und Geschichte

Wüstensand kitzelt unter meinen Fußsohlen. Es ist heiß. Von unten wie von oben. Dabei ist es gerade einmal 10 Uhr morgens. Die Sonne brennt bereits rücksichtslos von oben. Und doch bin ich gerade unfassbar glücklich. Ich stehe auf der Spitze der höchsten Düne Namibias – nein, ganz Afrikas. Und ich kann es kaum fassen, dass wir wirklich hier hoch gewandert sind. Noch vor einer Stunde hätte ich das nicht geglaubt.

Namibia versetzt einen immer wieder in dieses Staunen. Sei es die Landschaft, die sich Kilometer für Kilometer immer wieder verändert. Oder die Menschen, die mit ihren diversen Kulturen und Erfahrungen so unfassbar spannend sind, dass es traurig wäre auch nur ein Gespräch auszuschlagen. Doch beginnen wir mal von vorn.

Am Abend als ich im Flugzeug von Frankfurt am Main nach Windhuk sitze, weiß ich noch nicht so recht was mich erwartet. Ich hatte nicht viel Zeit mich auf diese Reise vorzubereiten und bin froh, dass Air Namibia das in Teilen für mich übernimmt. Der Film der Airline fasst schon auf dem Hinflug einiges von dem zusammen, was mich erwarten wird: großes, weites Land, eine Menge Geschichte, Tiere, die die meisten nur aus dem Zoo kennen und eine großzügige Gastfreundschaft eines langsam wachsenden Tourismus.

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Einziger Direktflug aus Deutschland von Frankfurt am Main nach Windhuk

Flugdauer: ca. 10 Stunden – Übernachtflug

Inklusive On-Board-Entertainment

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Die ersten Tage – Windhuk und Umgebung

Nach einem wirklich komfortablen Flug lande ich an dem kleinen Flughafen in Windhuk. Dabei ist einer der größten Vorteile Air Namibias auf jeden Fall die frühe Landung als eine der ersten in den Morgenstunden. Die Einreise dauert keine halbe Stunde. Von anderen erfahren wir, dass das nicht selbstverständlich ist. Ist der Flughafen doch längst zu klein für die Vielzahl der Menschen, die vor allem auch aus Südafrika einreisen. Da kann man dann schon mal zwei Stunden bei der Grenzkontrolle warten.

Unsere Reise beginnt also verheißungsvoll. Und auch die ersten Tage in diesem völlig neuen Land werden uns ähnliches lehren. Schon bei der Fahrt vom Flughafen in die Stadt kann ich es kaum fassen, dass hier wirklich Warzenschweine und Affen am Straßenrand grasen.

Wir beginnen unsere Reise auf einer kleinen Farm außerhalb von Windhuk. Krumhuk ist die einzige Bio-Farm im Land. Da das Land immer weiter von andauernden Dürreperioden betroffen ist, setzen sie nun auch auf Eco-Tourismus, haben wunderschöne Lehmhäuser gebaut, die einfach, aber einladend ausgestattet sind. Der Hof beherbergt ebenso alle Angestellten in einem kleinen Dorf. Die Kinder der Farm-Mitarbeiter*innen können zur Montessori-Schule in Windhuk gehen, bekommen neue Chancen. Solidarische Landwirtschaft in einer ganz anderen Form. Wir genießen die Tage mit kleineren Wanderungen in der Umgebung, Kaffee und Kuchen frisch aus der Hofküche, die Seele baumeln lassen im einladenden Garten und guten Gesprächen mit unserer Gastgeberin. Ein ruhiger Start in unsere Reise, der uns ankommen lässt in einem Land, das uns noch öfter überraschen wird.

In kompletter Montur! Am Anfang kommen wir uns etwas albern in unserem Wüstenoutfit vor, merken aber recht schnell, dass genau diese Kleidung bei den Bedingungen vor Ort essentiell ist.

Die Tage danach verbringen wir in Windhuk. Wirklich jede*r schüttelt den Kopf als wir sagen, dass wir fast eine ganze Woche in der Hauptstadt verweilen. Die sei doch nicht wirklich attraktiv und es gebe nichts zu sehen. Für uns wird es zu einem der wichtigsten Teile dieser Reise. Denn hier haben wir die Möglichkeit wirklich in die Geschichte des Landes einzutauchen. Wir gehen in jedes Museum der Stadt, unterhalten uns so oft wie nur möglich mit Menschen. Sei es einfach auf der Straße, im Café, im Taxi oder bei unserer Unterkunft. Wer fragt, bekommt Antworten. Und wir wollen sie hören. Ganz wohl war uns bei dem Gedanken als Deutsche in Namibia zu reisen nämlich ehrlich gesagt nicht. Zu groß die Schuld, die unser Land Namibia gegenüber trägt und wir zu unwissend, um einschätzen zu können, wie sich die Situation vor Ort wirklich verhält.

Um ehrlich zu sein, waren wir überrascht, oft auch erschrocken, wie stark die Trennung zwischen weiß und Schwarz noch immer ausgeprägt ist. Wie gespalten die Gesellschaft ist und wie wenig die Demokratie der letzten 30 Jahre bewirkt hat. Doch eins bleibt: wir haben ausschließlich positive zwischenmenschliche Erfahrungen gemacht und uns immens auf den Roadtrip gefreut, der einige Tage später beginnen sollte.

In Windhuk stöbern wir durch Kunst- und Geschichtsmuseen, entdecken kleine Cafés und die wichtigsten Gebäude der Stadt.

Roadtrip durch Namibia

Wenn du Namibia wirklich erfahren möchtest, ist ein Roadtrip die einzig sinnvolle Reisealternative. Das Land ist so vielschichtig und unterschiedlich, dass es zu schade wäre nur einen kleinen Teil davon zu sehen. Es gibt einige Anbieter in und um Windhuk, die Campervans und 4×4-Fahrzeuge mit Dachzelt verleihen.

Wir haben uns für Zambezi Car Rental entschieden. Ein kleinerer Anbieter direkt zwischen Flughafen und der Hauptstadt Windhuk. Gerade die Größe stellt sich als großer Vorteil im Gegensatz zu anderen Anbieter heraus, da Jacques, der Besitzer, auch bei Fragen zu den irrsinnigsten Uhrzeiten immer direkt zur Stelle war und wir so auch bei Problemen super schnell und unkompliziert Lösungen gefunden haben.

Die Autos sind super ausgestattet. Alles, was man für einen mehrwöchigen Roadtrip durch Namibia benötigt, ist vorhanden. Gleich am ersten Tag haben wir uns total in das Auto und vor allem das Dachzelt verliebt. Können wir je wieder anders campen?

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Leicht vom Flughafen oder von Windhuk aus zu erreichen (20km von Hosea Kutako International Airport)

Selfdrive-Safari mit 4×4 Nissan NP300 Double Cab

Zwei Tanks für längere Strecken

Zwei Batterien für dauerhaft kühle Speisen und Getränke

Zwei Ersatzreifen

Volle Camping-Equipment-Ausstattung, inkl. Tisch und Stühle

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Unser erstes Ziel lautet Erindi-Wildschutzgebiet – ein privater Nationalpark sozusagen. Noch vor wenigen Jahren und Jahrzehnten waren viele private Parks und Farmen Jagdgebiete. Heutzutage steigen immer mehr auf den Schutz der Lebewesen um. In Erindi treffen wir auf passionierte Ranger, die ihren Job genauso lieben wie die Natur, die sie bewahren wollen. Wir erfahren viel über die Flora und Fauna Namibias und bekommen einen tollen Einstieg in dieses aufregende Land. Besonderes Highlight: eine geführte Wanderung durch ein Tal. Ein wirklich faszinierendes Erlebnis. Mit welcher Vorsicht und Behutsamkeit wir uns dort durch die Natur bewegten, bleibt wohl einzigartig. Und doch so nachahmenswert.

Unsere erste große Etappe führt uns von Windhuk über eine sehr coole Strecke bis an den Rand des Naukluft Nationalparks. Zugegeben an die Straßen muss man sich erst gewöhnen. Schotterstraßen sind eben auch nicht gleich Schotterstraßen. Diese haben es auf jeden Fall gehörig in sich. Und irgendwann begreifen wir, dass Angst haben auch nicht hilft und machen es den Einheimischen nach: Einfach voll Karacho (natürlich immer in der Geschwindigkeitsbegrenzung!) über die Straßen donnern. Jedes Schlagloch tut mir innerlich weh. Und ich erinnere mich daran, Jacques, unseren Autovermieter, noch gefragt zu haben, wie oft man hier einen Platten bekommt. „Ach“, winkt er ab, „Manche haben zwei Platten in drei Tagen, andere nur einen in drei Wochen.“ Das beruhigt mich nicht wirklich und ich stelle mich mental schon mal drauf ein bei 30 Grad im Schatten zum ersten Mal in meinem Leben einen Reifen wechseln zu müssen.

Als wir also in unserem ersten Camp ankommen, bin ich erleichtert und voller Vorfreude auf die nächsten Tage, die ausschließlich draußen gelebt werden. Natur pur! Leere Wüsten und Steppen soweit das Auge reicht. Es ist jetzt schon herrlich. Camp Gecko erweist sich als wahrer Glücksgriff. Die Besitzer haben sich ein kleines, unabhängiges Paradies fernab der Zivilisation geschaffen. Alles ist selbst gebaut und alte Materialien werden recycelt und in neue, wunderschöne Dinge umgewandelt. Wir haben eines der Zelte im Nichts der Steppe gebucht und genießen eine Nacht unter klarstem Sternenhimmel. Nur die Geräusche der Wildnis umgeben uns und so langsam komme ich an, in diesem Land, das so anders ist als ich es mir je hätte vorstellen können.

Am nächsten Tag machen wir uns auf zu einer Wanderung durch die Wüste. Wir bringen viel zu wenig Wasser mit (klassischer Anfängerfehler!) und lassen danach unsere geschundenen Körper am Naturpool wieder Kraft auftanken. Die Hitze ist wirklich extrem und wir sind für jede kleine Abkühlung dankbar.

Forever in Love mit namibischen Sonnenuntergängen

Weiter Richtung Nationalpark! Der Naukluft Nationalpark ist mit 50.000 Quadratkilometern der größte Nationalpark Afrikas und überrascht mit vielen einzigartigen Naturschauspielen. Einer unserer ersten Stopps ist direkt auch einer der größten Touristenmagneten Namibias: Sossusvlei. Hier befinden sich einige der größten Dünen der Welt, wunderschöne ausgetrocknete Täler und ein Canyon, der zu bestaunen ist. Wir verbringen zwei Nächte auf dem einzigen Campingplatz, der direkt bei Sossusvlei genutzt werden kann (Sesriem Campsite) und erklimmen die Düne 45 und „Big Daddy“. Eine Erfahrung, die ich nie wieder vergessen werde: Bei Sonnenaufgang durch den noch kühlen Wüstensand stapfen. Als eine der ersten im Park die Ruhe der unendlichen Landschaft genießen. Nur die Spuren im Sand verraten, dass am Vortag auch schon Menschen hier gewesen sein müssen. Kleine Skorpione huschen über den Dünenrücken und wir kämpfen uns Meter für Meter höher, um am Ende in der prallen Sonne auf der Spitze der höchsten Düne der Welt zu stehen. Erschöpft, aber unsagbar glücklich. Und auch ein bisschen stolz es wirklich durchgezogen zu haben. Geplant war das nämlich nicht. Viele steigen schon nach dem ersten Teil wieder ab und wagen es nicht bis zur Spitze. Aber wir haben uns durchgerungen. Und es hat sich mehr als gelohnt.

Der Abstieg dauert dann nur ein paar Minuten: Einfach die Wand der Düne hinunterrennen und im Deadvlei – das Tal der toten Bäume ankommen. Jetzt brennt die Sonne schon unerbittlich und es wird Zeit für uns zurück ins Camp zu fahren, um die Mittagshitze unter einem Baum geschützt abzuwarten und die Anstrengungen der Wanderung im Pool loszuwerden. Tage in der Wüste sind lang und unerbittlich. Hier bedarf es auf jeden Fall ein wenig Vorbereitung und Durchhaltevermögen.

WAS BRAUCHE ICH IN DER WÜSTE?

Immer ausreichend Wasser – IMMER! (mindestens 4 Liter am Tag)

Lange, luftige Kleidung, um dich vor der Sonne zu schützen

Sonnencreme

Unbedingt eine Kopfbedeckung

Für technischeS Equipment entsprechende Taschen, um sie vor Wüstensand zu schützen

Badekleidung, falls Wasser irgendwo anzutreffen ist

Für das Camp: ein Sonnensegel, einen Baum oder ähnliches

Wichtig: Schattenplätze suchen, ausreichend trinken, Kopfbedeckung und ab und an eine kleine Abkühlung. Die meisten Campsites haben Swimming Pools oder einen Naturpool.

Nach den Anstrengungen in der Wüste geht es weiter Richtung Küste. Unser nächster Halt ist Walvis Bay – ein Küstenort neben dem bekannten Swakopmund und einer von zwei Häfen in ganz Namibia. Auch die Küste ist alles andere als das, was wir uns vorgestellt haben. Hier zeigt sich ein ungewöhnliches Naturschauspiel: die angrenzende Namibwüste des Naukluft Nationalparks mündet direkt ins Meer. So etwas gibt es nur noch ein weiteres Mal auf der ganzen Welt. Und nicht nur das, mit 20mm Niederschlag pro Jahr ist sie auch die trockenste Wüste der Welt. Nicht umsonst wird die Küste hier Skeleton Coast genannt. Unter anderem auch deswegen weil früher Schiffbrüchige, die die wilde See vor der Küste zum Kentern brachte, hier das rettende Land erwarteten. Doch statt Rettung empfing sie nur die gnadenlose Wüste, sodass viele Schiffbrüchige zwar nicht ertranken, aber an Land verdursteten. Beim Abfahren der Küste lassen sich auch heute noch einige Schiffswracks entdecken.

Wir nutzten die Zeit in Walvis Bay, um einen kurzen Camping-Stopp einzulegen und stattdessen ausgiebig Zeit in einer Ferienwohnung zu verbringen. Einmal alles sortieren, gut duschen und auftanken. Walvis Bay und Swakopmund sind merkwürdige Städte. Überall verbergen sich die Zeichen der Kolonialzeit. Sei es der deutsche Friseur, das Gasthaus oder die Tatsache, dass reiche Weiße in der ersten Reihe an der Lagune von Walvis Bay leben während Schwarze ihre Vorgärten bewässern und ansonsten noch immer am Stadtrand in Townships leben. Bilder, die uns im Gedächtnis bleiben, die uns nachdenklich machen und viele Fragen aufwerfen. Doch wir lernen auch unglaublich nette Menschen kennen, wie die Frau, die in Nähe der Touristinformation in Walvis Bay versucht einen kleinen Laden für lokale Produkte aufrechtzuerhalten. Leicht sei das nicht, erzählt sie uns. Bio-Lebensmittel sind nicht unbedingt gefragt und doch steht sie mit voller Leidenschaft dahinter. Genauso wie die zahlreichen Naturkosmetikanbieter, die mit den regionalen Besonderheiten Cremes und Seifen entwickeln.

Zeichen vergangener Zeiten

Etwas außerhalb von Swakopmund treffen wir auf die Moon Landscape. Und der Name hält, was er verspricht. Eine wunderschöne, außergewöhnliche Landschaft tut sich vor uns auf, die uns gedanklich direkt auf einen anderen Planeten katapultiert. Wir wandern ein wenig durch das interessante Gestein, genießen ein weiteres Mal die Weite, die Einsamkeit bis wir uns weiter auf den Weg wieder Richtung Inland machen.

Uns erwartet einer der schönsten Plätze unserer Reise: die Campsite Ameib, die mitten im Erongo Gebirge liegt. Nicht nur, dass der naturbelassene Campingplatz wirklich sehr, sehr schön ist, nein, es verbirgt sich auch hier ganz in der Nähe wieder ein seltenes Schauspiel. Die Bull’s Party und der Elephant Head bringen uns abermals zum Staunen als wir bei Sonnenaufgang um die Ecke des schmalen Weges biegen. Außer uns ist hier wirklich niemand. Wir sind ganz allein bei diesen unfassbar kuriosen und so wunderschön anmutenden Steinen, genießen die langsam aufgehende Sonne und können unser Glück kaum fassen solch einzigartige Natur erleben zu dürfen.

Der Elephant Head und die Bull’s Party sind wirklich beeindruckend und unbedingt eine Wanderung wert.

Wir sind fast ein wenig wehmütig als wir Ameib verlassen, um wieder in die etwas touristischeren Region zu kommen. Ein weiteres Highlight eines jeden Namibiareisenden: Spitzkoppe. Nur knapp anderthalb Stunden von Ameib entfernt, erwartet uns das „Matterhorn Namibias“. Mit 1728 Metern zwar nicht der höchste Berg des Landes, dafür aber sicher einer der besondersten. Die Gegend ist wunderschön. Wir entscheiden uns für das Spitzkoppe Community Restcamp, das von der lokalen Gemeinschaft selbst verwaltet und gepflegt wird. Im Vergleich zu Bull’s Party sind wir zwar erstmal überrumpelt von der Masse an Tourist*innen (wenn auch sicherlich kaum vergleichbar mit anderen touristischen Orten dieser Welt), aber wir finden uns schnell ein und freuen uns über einen Stellplatz direkt an der berühmten Bridge – ein Stein, der wie eine Brücke zwei Felsen miteinander verbindet.

Auf dem Weg nach Spitzkoppe

Der Sonnenauf- und untergang bei Spitzkoppe ist atemberaubend schön und wir können verstehen, warum viele, so wie wir, diesen Ort sehen möchten. Am nächsten Morgen beschließen wir noch direkt an die Spitzkoppe heranzufahren. Nur mal gucken, sagen wir uns. Schon aus der Ferne sehen wir im Morgengrauen die ersten Kletterer die Wände der kleinen Spitzkoppe erklimmen. Es ist zu Recht eine äußerst beliebte Kletter- und Boulderregion. Am Fuße des Berges angekommen beschließen wir ein paar Meter hinauf zu wandern. Was zunächst als kleiner Morgenspaziergang gedacht war, entpuppt sich schnell als ausgewachsene Kletterwanderung (für die wir nur so semi ausgerüstet sind). Aber je näher wir der Spitze kommen, desto ehrgeiziger werden wir. Bei jedem Stopp überlegen wir kurz, ob wir umdrehen soll, möchten dann aber doch wissen, was sich hinter den nächsten Felsen verbirgt. Die letzten Meter sind nur noch mit Klettern machbar und einige Male bekomme ich kurz ein wenig Herzrasen und schwitzige Finger, nur um dann doch wieder weiter zu wollen. Als wir auf dem Plateau vor dem Aufstieg zum Gipfel ankommen, können wir unser Glück kaum fassen. Dieser Ausblick ist wirklich einmalig, so befriedigend und so lohnend. Überschwänglich fallen wir uns in die Arme und genießen für ein paar Minuten unser Sein. Einfach nur sein, nichts sagen, nur fühlen. Ein Moment, der konserviert gehört.

Der Aufstieg gestaltet sich mühselig, lohnt sich dafür aber umso mehr.

Nach dem rutschigen und herausfordernden Abstieg und einer kleinen Frühstückspause machen wir uns auf zu unserem nächsten Stopp. Das Madisa Camp in der TwyfelfonteinRegion. Hier sollen teilweise Elefanten nachts einfach durchs Camp laufen – haben wir zumindest gehört. Gespannt machen wir uns auf den Weg, der zum ersten Mal von Wegweisern zu „Living Museums“ gesäumt ist. Eine Art Freilichtmuseum, mit dem gravierenden Unterschied, dass hier tatsächlich echte Menschen leben, die quasi ihre Tradition und Kultur für die Tourist*innen zur Schau stellen. Wir hatten bereits vorher dazu einiges gelesen und uns gefragt, wie es wohl sein würde, wenn wir da sind. Und eins steht fest: Wir haben alles andere als ein gutes Gefühl. Schon die Wegweiser und die Aufmachungen am Straßenrand sehen viel zu sehr nach Attraktion als nach echtem Interesse aus. Als dann auch noch die ersten dicken Reisebusse an uns vorbeifahren, um in ein solches Dorf zu fahren, ist uns klar, das hat nicht viel mit kultureller Begegnung zu tun, sondern mutet eher ausbeuterisch an. Zumal vermutlich eher die Reiseveranstalter das Geld der Touris einsacken als das Dorf und die darin Lebenden selbst. Ein komisches Gefühl macht sich bei uns breit. Und dieses Gefühl ist eines, was wir des Öfteren auf dieser Reise hatten.

Angekommen im Camp sind wir ein weiteres Mal happy über unsere Wahl. Die Lehmhütten an jeder Campsite sind mit einer einfachen Dusche und Toilette ausgestattet. Alles ist selbst gebaut und wieder wurden viele Upcycling-Materialien verwendet. Eine Campsite, bei der wir nach den anstrengenden Wanderungen getrost die Seele etwas baumeln lassen können. Wir fühlen uns sehr wohl und sind wieder einmal traurig, nur eine Nacht hier zu verbringen.

Doch so eine Traurigkeit ist in Namibia nicht von langer Dauer, denn an wirklich jeder Ecke erwartet einen eine neue Naturgewalt oder so überraschende Landschaft, dass man schnell vergisst, warum man überhaupt traurig war. Unser Weg führt uns weiter zum Vingerklip und den Ugab Terrassen. Es wird deutlich grüner. Die Felsen sehen wahnsinnig faszinierend aus und der Vingerklip ist, vor allem von Weitem betrachtet, ein wirkliches Naturwunder. Für uns ein toller Abschluss bevor es am nächsten Tag in den Etosha Nationalpark gehen wird.

Dieser ist wohl die Touristenattraktion Namibias schlechthin und ich habe vorher wirklich ein wenig Bedenken, ob wir nach der vielen menschenleeren Zeit das überhaupt genießen können. Aber die Sorge ist unberechtigt. Der Etosha Nationalpark ist nicht übervölkert von Tourist*innen. Auch hier kann man Kilometerlang allein sein. Ein Umstand, über den wir uns sehr freuen, haben wir doch gerade von Südafrika-Touren schon ganz anderes gehört. Wir entscheiden uns drei Tage allein durch den Park zu fahren. Es gibt einige Campingplätze, auf denen man auch über Nacht bleiben kann. Autofahren ist zum Schutz der Tiere vor und nach Sonnenuntergang streng verboten.

Die Nationalparks Namibias sind wirklich unfassbar schön.

Nach einem kurzen Stopp in Outjo, bei dem wir unsere Vorräte für die letzten Tage auffüllen, verbringen wir die erste Nacht auf der Okaukuejo Campsite. An jeder Campsite im Park ist auch ein Wasserloch, an dem man quasi 24/7 Tiere beobachten kann. Und es ist wirklich ein Spektakel. Beim Anblick des ersten Elefanten in freier Natur fange ich direkt an zu weinen, bin fasziniert von der Schönheit dieser Tiere. Es ist wichtig, dass es diese Orte gibt. Orte, an denen die Tiere in Ruhe leben können. An denen sie nicht gejagt oder ausgebeutet werden. Wo es Menschen gibt, die sie schützen. Wir lernen, dass gerade bei der aktuellen Dürre Namibias der Mensch maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass die meisten Tiere weiterhin Wasser finden. Ohne die künstlich aufrechterhaltenen Wasserlöcher würden es viele gar nicht schaffen.

Wasserloch-Romantik

Nach einem kleinen, aber intensiven Zwischenfall, der uns leider auch ins örtliche Krankenhaus (100 Kilometer zurück nach Outjo!) geführt hat, verbringen wir die zweite Nacht in Etosha auf der Halali Campsite. Die Campsites im Park sind von der Attraktivität, der Ruhe und Einsamkeit kaum zu vergleichen mit denen, die wir bisher erlebt haben, aber sie sind die einzige Möglichkeit nicht immer raus und rein zu fahren. Der Etosha Nationalpark ist fast 23.000 Quadratkilometer groß. Da ist man eine Weile unterwegs. Doch das Fahren durch den Park, das Beobachten von Tieren an einsamen (und manchmal auch nicht ganz so einsamen) Wasserlöchern, das Wissen direkt in einem Nationalpark neben unglaublich faszinierenden Tieren zu schlafen, ist einmalig. Wir hätten Stunden an den Wasserlöchern verbringen können. Oder taten dies auch. Mit ein paar Snacks, einem Fernglas und einem „Die Säugetiere Namibias“-Buch gar kein Problem. Ein schönes Erlebnis, was wir nicht hätten missen wollen.

Nachdem wir das volle Tier-Wildlife erlebt haben, beschließen wir die letzte Nacht vor der Fahrt zurück nach Windhuk am Waterberg zu verbringen. Knapp 300 Kilometer entfernt erwartet uns der beeindruckende Tafelberg, der ebenfalls als Nationalpark geschützt ist. Wir verbringen die Nacht auf der wunderschönen Waterberg Plateau Campsite und beschließen, sollten wir je zurückkommen, die Gegend nochmals ausgiebiger zu erkunden, da es fantastische Wanderrouten gibt. Wir müssen uns fürs Erste zurück in die Stadt begeben und sind unheimlich dankbar für die Erfahrungen der letzten Tage.

Was Namibia uns lehrt

Wir haben Menschen getroffen, von denen wir unfassbar viel gelernt haben. Wir haben viel über uns selbst erfahren, haben die deutsche Geschichte mehr als kritisch betrachtet. Wir durften erleben, was es heißt noch echte, unberührte Natur zu erfahren. Wir konnten naturnah leben, einfach und mehr als dankbar für das, was wir haben. Wir haben ein Land kennengelernt, was unheimlich interessant, intensiv und lebendig ist. Auch wenn diese Lebendigkeit erst entdeckt werden muss, um sie wirklich zu erfahren. Wir haben lernen dürfen, was es heißt Verantwortung zu übernehmen und wir sind dankbar für jeden einzelnen Meter, den wir auf unserer Reise hier zurücklegen durften. Und das alles ganz ohne Platten!

What to do in Windhoek

Besuch der Nationalgalerie

Kaffee trinken bei Slowtown Coffee Roasters

Film gucken in der Maerua Mall

Essen gehen bei Bonsai Bistro

Besuch des Independence Museums (wenn gleich es einem intensiven Blick bedarf, um die teils propagandistisch dargestellte Geschichte ausreichend objektiv zu deuten)

Besuch des Frauenprojekts Penduka

Persönliche Highlights des Roadtrips
Geführte Wanderung im Erindi-Wildschutzgebiet

Campsite Ameib und Madisa

Wanderung auf Spitzkoppe

Letztes Wasserloch vor Namutoni, an dem wir einen Leoparden entdecken