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Zeit zum Umdenken: Alternative Textilien

Wenn wir alles so machen, wie wir es immer machen, bleibt alles so, wie es ist. In Bezug auf unseren Klamottenkonsum bedeutet das an vielen Stellen nichts Gutes. Höchste Zeit für Alternativen.

Wir leben in einer Zeit, die von Fast Fashion bestimmt ist. Modelabels produzieren bis zu zwölf Kollektionen pro Jahr. T-Shirts kosten gerade mal 2€. Das belastet die Umwelt und die Arbeitnehmer in der Textilbranche, vor allem im nichteuropäischen Ausland. Die Produktion von synthetischen Fasern hinterlässt eine Menge Abwässer, flüchtige organische Verbindungen und sie benötigt einen hohen Energiebedarf. Aber auch die Produktion von Baumwolle ist tatsächlich nicht umweltfreundlich und gefährdet die Gesundheit von Menschen. Der Einsatz von Pestiziden ist enorm und obwohl Baumwolle nur ca. 3% der landwirtschaftlichen Flächen weltweit ausmacht, werden hier 25% der gesamten Pestizide eingesetzt. Zudem werden unmengen an Wasser für die Baumwollherstellung benötigt – bis zu 10.000 Liter für ein Kilogramm.

Damit nicht genug: Der Einsatz von Chemikalien, besipielsweise für das Färben, ist eine absolute Umweltsünde. Nach der Erdöl- und Edelsteinindustrie ist die Textilindustrie der drittgrößte industrielle Umweltverschmutzer. Eine weitere Entwicklung, die der Umwelt schadet, ist die Tendenz zu kurzen Lebensdauern von Kleidung und Quantität statt Qualität. Es wird mehr Müll produziert und der Bedarf an Materialien wächst. Wie ihr seht, findet die Aufzählung der Schattenseiten gar kein Ende – wenn das nicht Lust auf Alternativen macht!

Wir stellen euch sechs alternative Textilien im Überblick vor:
1. Bio-Baumwolle

Nicht besonders innovativ, aber wirksam: Wer Baumwolle in seinem Stoff-Repertoire nicht missen möchte, kann darauf achten, diese in Bio-Qualität zu kaufen. Es gewährt das Fortbestehen von dauerhaft fruchtbaren Böden und einer artenreichen Umwelt. Baumwolle wird nur alle drei Jahre auf dem gleichen Feld angebaut und dazwischen werden andere Produkte angepflanzt. Anstatt von schädlichen Pestiziden werden biologische Hilfsmittel eingesetzt. Gentechnik ist ebenfalls tabu. Der Wasserverbrauch ist geringer als bei genmanipulierter Baumwolle. Bei dem Kauf von Bio-Baumwolle sollte man auf Siegel wie kbA, GOTS und Fairtrade achten. Ziel von diesen Siegeln ist es, einen einheitlichen und kontrollierbaren ökologischen Standard zu leisten. Dieser beinhaltet die gesamte Produktionskette von Textilien und die sozialen Rahmenbedingungen für Arbeiter. Stylische Artikel aus Bio-Baumwolle bekommt ihr beispielsweise bei Armedangels.

2. Seacell aus Algen

Zugegeben, in der ersten Vorstellung ein ziemlich ungewöhnlicher Rohstoff, um daraus Mode zu machen. Verwendet werden getrocknete Braunalgen – diese sind reich an Aminosäuren, Mineralsalzen und Jod. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente werden durch die natürliche Hautfeuchtigkeit freigesetzt und von der Haut aufgenommen. Sie sind nicht nur sehr gut verträglich sondern schützen die Haut sogar und wirken entzündungshemmend. Teilweise wird Seacell sogar ein Anti-Aging Effekt nachgesagt. Das Material findet man zum Beispiel in Unterwäsche: Da Algen Sauerstoff speichern, schwitzt man weniger. In der Produktion gibt es außerdem den Vorteil, dass keine Pestizide verwendet werden müssen, kein hoher Wasserverbrauch erforderlich ist oder gar Ackerfläche. Da Algen kompostierfähig sind, vermeiden sie zudem Müll. Die fertigen Kleidungsstücke lassen sich sehen, sind robust und langlebig. Funktionschnitt bietet beispielsweise Oberteile mit Seacell-Technologie an.

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3. Pinatex – Leder aus Ananasblättern

In der Produktion von Leder gibt es viele Nachteile. Da es meistens in asiatischen Billigländern produziert wird, sind soziale Standards sowie Tierhaltung und der Einsatz von Chemikalien oft problematisch. Vegetarier und Veganer werden sich in den meisten Fällen ohnehin dagegen sträuben, Leder als ein „Qualitätsprodukt“ zu bezeichnen. Immerhin handelt es sich hierbei um Tierhaut, für die Tiere sterben müssen. Die spanische Designerin Carmen Hijosa und das Royal College of Art haben sich eine nachhaltige Alternative überlegt: Fruchtleder, das aus Fasern von Ananas-Blättern hergestellt wird. Der große Vorteil daran ist, dass diese bei der Ernte sowieso als Abfall übrig bleiben. Daher ist Pinatex eine gute Grundlage für nachhaltige Accessoires und Kleidungsstücke, die kostengünstig angeboten werden können. Eine ganze Pinatex Kollektion gibt es bei bboheme.

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4. Tencel (Lyocell)

Tencel ist eine Cellulosefaser, die aus Holz gewonnen wird. Materialien aus Tencel haben die Eigenschaft, dass sie sich sehr sanft anfühlen, Feuchtigkeit aufnehmen und leicht kühlend wirken – ähnlich wie Seide. Tencel wird aus Eukalyptusholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen. Eukalyptus hat den Vorteil, dass er keiner künstlichen Bewässerung bedarf und keine Pestizide braucht. Der Herstellungsprozess von Tencel findet in einem bis zu 99,7% geschlossenen Produktionskreislauf statt. Der Stoff ist geeignet für die 60-grad-Wäsche und ideal für Allergiker. Bei der Herstellung von Tencel werden kleine Holzschnipsel eingeweicht, um den Zellstoff zu lösen. Der Zellstoff wird mit dem Lösemittel NMMO und Wasser vermischt. Diese Masse wird unter einem Vakuum erhitzt und so wird ihr Wasser entzogen. Dadurch löst sich die Zellulose und es bildet sich eine Spinnlösung. Diese wird gefiltert und durch Spinndrüsen gepresst. So formen sich Filamente, die ausgefällt als Faserkabel zusammengefasst werden. Kleidung aus Tencel findet ihr bei Armedangels.

5. rPET – Polyester aus Plastikflaschen 

rPET bedeutet recyceltes Polyethylene Terephthalate (PET). Dieses wird aus alten Plastikflaschen hergestellt und gehört zur Familie der Polyester. Getreu dem Motto aus Alt mach Neu gehören rPET-Fasern somit natürlich auch zu den nachhaltigen Textilien. Andernfalls bräuchte dieses Plastik bis zu 250 Jahre, um sich zu zersetzen und es gibt einfach viel zu viel davon. Wie wir alle wissen, ist Plastikmüll weltweit ein großen Problem. Gut zu wissen, dass unsere Plastikflaschen also nicht nur zu neuen Plastikflaschen umfunktioniert werden können, sondern auch zu Kleidung. Das recycelte Polyester ist ökologisch gesehen ungefähr so ergiebig wie biologisch angebaute Baumwolle, vor allem in puncto Wasserverbrauch. Es hat einen weitaus geringeren CO₂-Fußabdruck als neues Polyester. Produkte aus recycelten Materialien könnt ihr bei Ecoalf shoppen.

6. Leder aus Kork

Neben Leder aus Ananasblättern gibt es auch Leder aus der Korkeichenrinde. Kork bietet den Vorteil, dass es sehr strapazierfähig ist und wärmedämmend wirkt. Es ist dabei atmungsaktiv und leicht. Da Korkleder nur aus der Rinde der Korkeiche hergestellt wird, müssen keine Bäume gefällt werden. Korkbiotope sind außerdem ein wichtiges Territorium für viele Pflanzen- und Tierarten. Von der Haptik her ist Korkleder ähnlich wie Wildleder und fühlt sich sehr weich an. Es lässt sich sowohl zu verschieden Kleidungsstücken als auch zu Accessoires verarbeiten. Bei der Produktion von Korkleder werden keine giftigen Farbstoffe benötigt und es erfolgt auch keine chemische Verschmutzung des Grundwassers. Außerdem gibt es noch einen weiteren großen Vorteil: Kork ist geruchsneutral und stinkt nicht. Also weg mit den Kunstlederhandtaschen alias Chemiekeulen – zu Kork greifen lohnt sich (z.B. bei Bleed).

Auch wenn es natürlich viel leichter ist, konventionelle Produkte zu kaufen, fällen wir nichtsdestotrotz mit jedem Kauf eine Entscheidung. Wenn wir anfangen, unseren eigenen Konsum zu hinterfragen und mehr Qualität statt Quantität konsumieren, bekommen wir das auch zurück. Wer möchte nicht Kleidung tragen, die lange hält und gut verarbeitet ist? Gegen Kleidung mit Anti-Aging Effekt hat wahrscheinlich auch kaum jemand etwas auszusetzen. Was hingegen niemand in seiner Kleidung haben möchte, sind giftige Chemikalien oder die Handarbeit von Kindern. Daher ist es für jeden von uns an der Zeit, darüber nachzudenken, an welchen Stellen wir etwas Gutes für die Umwelt und am Ende für uns selbst tun können.

Es geht nicht darum, dass du sofort deinen ganzen Kleiderschrank auswechselst. Aber wenn du in Zukunft vor jedem Kauf etwas mehr nachdenkst, ist der erste Schritt getan.

Happy Shopping.

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