TOP

„Wolle ist einfach das geilste Material.“

Tim Labenda beeindruckt nicht nur durch seine wunderschönen Kreationen, sondern auch durch sein liebenswertes Wesen. Endlich durfte ich den Designer persönlich zum Interview treffen.

Vreni: Tim, wir machen es kurz und knackig. Wie bist du zu der Zusammenarbeit mit AEG gekommen?

Tim: Ich habe für Deutschland den internationalen Woolmark Preis gewonnen. AEG arbeitet eng mit Woolmark zusammen, was Waschmaschinen und Trockner angeht und fragte mich, ob wir nicht kooperieren wollen. Erst war ich skeptisch, aber als sie mir das Care Label Project vorgestellt hatten, fand ich die Idee super. Auch ich bin dafür, wenig zu waschen und seine Klamotten liebevoll zu behandeln.

V: Deine Sachen sind oft sehr aufwändig designt.

T: Stimmt, meine Mode ist oft schwer zu pflegen. Aber wenn der Konsument hier gut aufgeklärt wird, dann hat er jahrelang Freude an unseren Sachen.

V: Dein Steckenpferd ist Wolle. Was fasziniert dich daran?

T: Wolle ist einfach das geilste Material. Du kannst damit alles machen. Es reguliert deine Körpertemperatur, egal ob es draußen heiß oder kalt ist. Außerdem sind mir Schafe sehr sympathisch.

V: Die meisten wissen gar nicht, was man mit Wolle alles anstellen kann.

T: Richtig. Wolle ist so flexibel einsetzbar und manipulierbar. Du bekommst die Stoffe in glatt, in transparent, in shiny, in aufgeraut, haarig, glänzend und und und. Am Ende hast du eine komplette Kollektion aus Wolle, die nicht nach Wolle aussieht.

V: Bei dir funktioniert Wolle auch im Sommer!

T: Ja, das ist fantastisch. Wir haben mit zwei Firmen in Italien einen fast transparenten Wollstoff entwickelt. Dieses Material reguliert dein Körperklima. Wolle besitzt nämlich auch einen kühlenden Effekt, vor allem, wenn sie ganz eng gewebt ist. Das funktioniert so ähnlich wie bei Leinen, nur dass die Temperatur noch besser geregelt und das Material noch langlebiger ist.

V: Wie würdest du den Stil von Tim Labenda beschreiben?

T: Ich finde es ist schwierig, den genauen Stil zu beschreiben. Für mich steht das Handwerk immer an erster Stelle. Sophisticated, independent Womenswear. Besondere Teile, die gleichzeitig zeitlos und auch klassisch sind.

V: Was ist ein No-Go Material?

T: Ach, das gibt’s eigentlich nicht. Viele verteufeln die Chemiefasern. Aber wenn du zum Beispiel Mohair verarbeitest, dann ist es immer gut, wenn Polyamid mit dabei ist. Das macht den Stoff stabiler, flexibler und damit langlebiger. Und heutzutage kleben diese Fasern ja nicht mehr auf der Haut und riechen auch nicht mehr so unangenehm. Ich finde, man darf nichts so richtig verteufeln. Und ich glaube, jeder muss sich selbst überlegen, welchen Look er mag. Also ich persönlich mag die ganzen technischen Fasern nicht so gern, weil man damit immer schnell futuristisch aussieht.

V: Was für einen Style wird man bei Tim Labenda nie sehen?

T: Sportswear.

V: Und was würdest du gerne mal machen?

T: Was ich tatsächlich gerne mal machen würde, wäre eine richtige Couture Kollektion. Aber dafür brauchst du eben auch wahnsinnig viel Geld und Know-how. Also Leute, die besondere Dinge besonders gut können. Es hat schon seinen Grund, warum es nur Couture Häuser machen. Wir versuchen diesen Couture Aspekt immer ein bisschen durch unsere Handwerkskunst mit einzubringen.

V: Nochmal zum Care Label Project: Wie gut pflegst du deine Kleidung?

T:  Sehr gut. Am wichtigsten ist: ganz wenig waschen. Die ganzen Tricks anwenden, zum Beispiel Jeans ins Gefrierfach legen – für eine Woche, so dass die Bakterien absterben. Nur so viel waschen, wie nötig und immer auf niedrigen Temperaturen. Das hängt natürlich auch alles von der Waschmaschine ab. Und ja, ich trage auch selbst Sachen, die sehr teuer sind. Und da ist es mir natürlich wichtig, dass die lange halten. Meine Waschmaschine hat auch ein Steam-Programm für Wolle. Das ist natürlich sehr praktisch.

V: Oh, das hätte ich auch gern. Hab ich leider nicht. Was ist noch zu sagen?

T: Ich finde es einfach wichtig, diese Botschaft mit auf den Weg zu geben: Buy less, choose well. So wie Vivienne Westwood es auch immer gesagt hat. Sich Gedanken darüber zu machen, was ich wirklich brauche.

V: Aber als Designer lebst du ja vom Konsum.

T: Wenn ich nur an mich denken würde, würde ich natürlich sagen, wir müssen alle wahnsinnig viel kaufen. Aber wenn man sich den ökologischen Fußabdruck ansieht, verbraucht ein Kleidungsstück beim Endkonsumenten einfach unglaublich viel Energie und erzeugt Müll. Waschen und Trocknen kosten so viel Energie und Co2. Deswegen muss man als Konsument anfangen, bewusster zu kaufen, weniger zu kaufen und gut auf seine Sachen aufzupassen. Es schafft ein Bewusstsein für Wertigkeit, wenn du dich um Sachen kümmerst und diese pflegst. Das macht sogar richtig Spaß.

 

MerkenMerkenMerkenMerken

MerkenMerken

Vreni ist Maître d'Internet, Sinnfluencer und trägt ihr Herz auf der Zunge. Seit fast einem Jahrzehnt bloggt sie sich durchs WWW und widmet sich mit Herzblut auch kritischen Themen in ihrer Branche.