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Wir sagen JA zur nachhaltigen Hochzeit

Eine nachhaltige Hochzeit planen, geht das überhaupt? Ich habe mich mit Mia von heylilahey getroffen, um über (ihre) Hochzeitsplanung zu sprechen. Da auch ich bald heiraten werde, ist das Interview mehr ein Gespräch zwischen zwei Bräuten, denen Nachhaltigkeit und ein ausschweifenden Fest am Herzen liegen. 

Eva: Das riesige Thema Hochzeiten und dann auch noch nachhaltig. Wo fängt man da bei der Planung an?

Mia: Ich würde empfehlen, egal wie lange es noch hin ist, mit dem Thema Kleidung anzufangen, weil es im nachhaltigen Bereich mega schwer ist, etwas zu finden. Gerade wenn man einen bestimmten Stil oder ein bestimmtes Kleid im Kopf hat. Ich hätte mir im Nachhinein lieber mehr Zeit genommen. 

Eva: Wann hast du denn angefangen nach einem Kleid zu schauen?

Mia: So richtig intensiv damit beschäftigt circa vier bis fünf Monate vor der Hochzeit. Ich fand es nur ein bisschen knapp, weil ich Second Hand nichts gefunden habe und dann wurde es doch ein bisschen eng. Zwei bis drei Monate vorher habe ich mich dann final für ein Kleid entschieden, aber die Lieferzeiten waren recht lang.

Mia von heylilahey

Bloggerin Mia Marjanovic. Bildrechte: heylilahey.com

Eva: Hast du für unsere Leser*innen einen Onlineshop, den du empfehlen kannst?

Mia: Ich habe super viel über Etsy recherchiert und auch Online mein Kleid gekauft. Zwei tolle Labels sind zum Beispiel Wilderness Bride und We Are Reclamation. Beim Onlineshopping darf man aber auch nicht die Lieferzeiten und Zollkosten vergessen.

Eva: Konntest du dann gar keine Anprobe machen?

Mia: Ich musste meine genauen Maße schicken. Das Kleid hat dann auch gepasst, da es ein Stretch-Stoff ist. 

Eva: Ich möchte auch gerne in Fair Fashion heiraten und habe das meinem Verlobten auch so vorgeschlagen und sein erster Impuls war, er heiratet nur einmal und da möchte er anziehen, was er will. Hast du das Gefühl, du hast Abstriche in der Auswahl der Kleidung gemacht?

Mia: In Sachen Bio-Stoffe ist das im Bereich Anzüge meiner Meinung nach schon etwas schwieriger. Mein Verlobter hat sich jetzt einen relativ nachhaltigen Anzug schneidern lassen. Den Anzug behält er aber auch für immer und ich finde Langlebigkeit ist auch ein Bereich der Nachhaltigkeit. 

Hochzeit

Ob Online oder vor Ort im Laden, für die Wahl des richtigen Kleides muss genügend Zeit eingeplant werden. Bildrechte: Stockfoto elgreko / Shutterstock.com

Eva: Faire Kleidung mal ausgenommen, wie könnte man eine Hochzeit noch nachhaltiger gestalten?

Mia: Also der nächste Schritt ist natürlich sich zu überlegen, wo man heiraten möchte. Die Location ist ausschlagend, weil es da viele Möglichkeiten gibt, an die man vorher vielleicht nicht denkt. Zum Beispiel, wenn man sehr weit weg heiratet, dann müssen die Gäste auch sehr weit anreisen. Es kann auch sein, dass die Location gar nicht für Hochzeiten ausgelegt ist, dann muss viel angeschleppt werden. Je größer der Aufwand ist, desto mehr Ressourcen werden verbraucht. Was sich dann immer auf den Nachhaltigkeitsfaktor auswirkt. Oder man kann in einem Bio-Hotel feiern. Dann kann man sich zumindest sicher sein, dass das Hotel schon weiß, was Nachhaltigkeit bedeutet. Die entscheidende Frage ist natürlich auch, wie groß die Hochzeit werden soll. Und nicht verzweifeln, wenn es nicht perfekt wird. Gerade bei großen Events wird es schwierig, auf alle Punkte zu achten, plastikfrei, vegan, ressourcenschonend und so weiter. Wenn es etwas kleiner ist, dann fällt es einem, schätze ich, aber umso leichter.

Eva: Du sprichst auch von nachhaltigerer und nicht von nachhaltiger Hochzeit, richtig?

Mia: Genau, das will ich auch noch mal betonen. Ich versuche den Tag nachhaltigER zu planen, auch weil ich vorher nicht so viele Infos zu dem Thema gefunden habe. Ich musste viel selber recherchieren und bei einer großen Feier, weiß ich jetzt schon, wird das nicht perfekt, aber das ist auch ok so.

Hochzeit

Bildrechte: Stockfoto Shamilini/ Shutterstock.com

Eva: Wie stehst du zum Thema Ringe? Worauf sollte man achten?

Mia: Da würde ich entweder auf zertifiziertes Gold oder Silber achten (da habe ich einen Guide hier), oder auf recycelte Materialien setzen. Bei zertifizierten Edelmetallen weiß man zwar auch nicht, ob diese jetzt hundertprozentig fair und nachhaltig sind. Aber das ist schon mal ein erster Step und wenn man danach fragt, zeigt das auch den Juwelieren, dass die Nachfrage besteht und dass Transparenz gewünscht ist. 

Eva: Es gibt Online sehr viele Vintage-Ringe zu kaufen. Wäre das auch eine Alternative für dich?

Mia: Auf jeden Fall! Bei meinem Verlobungsring sind die Steine zum Beispiel Vintage von der Großmutter meines Verlobten. Das war für mich auch die einzige Option, Edelsteine zu tragen.

Eva: Ich habe bei dir auf dem Blog gelesen, dass du Paperless Post verwendest. Ich finde die Idee richtig toll, keine physischen Einladungen zu verschicken.

Mia: Ja, für uns war das sehr praktisch. Insbesondere, wenn fast alle Gäste internetaffin und online aktiv sind, dann wissen die auch, wie man sich da durchklickt. Für die paar Gäste, die keine E-Mail-Adresse haben, habe ich eine Ausnahme gemacht. Aber ich habe jetzt keine Karten mit Golddruck gestempelt, oder besonders verpackt, sondern einfach die Einladungen selber auf festem Öko-Papier ausgedruckt und versendet. 

Eva: Eine wirklich schöne und nachhaltige Idee. Ich finde auch, wenn ich an Nachhaltigkeit denke, also ich komme aus dem Gastronomiebereich, dann ist Essen und Getränke für mich sehr wichtig. Ich lade meine ganze Familie nach Berlin ein und möchte regional, saisonal und vegan speisen. Gar nicht mal so einfach…

Mia: Wenn die Gruppe kleiner ist, dann kann man das besondere Menü bestimmt besser erklären, aber wenn die Gruppe riesig ist, das ist jetzt meine Einschätzung, dann ist das schwieriger. Auch die Uhrzeit spielt eine Rolle. Zum Brunch oder zum Mittagessen fällt es einem leichter die Gesellschaft von einem veganen Menü zu überzeugen, als bei einem Dinner. 

Hochzeit

Bildrechte: Stockfoto IVASHstudio / Shutterstock.com

Eva: Zum Thema Dekoration. Gibt es für dich ein absolutes No-Go an Dekoration?

Mia: Wir haben einen Wedding Planer und der habe ich sofort gesagt, keine Ballons, kein Plastik, keine Sachen, die man nur einmal verwendet, außer vielleicht Blumen. Und bei Blumen auch nur lokale, saisonale Blumen und weniger als sonst vielleicht andere Bräute verlangen. Zur Dekoration gehören für viele auch Gastgeschenke, die meistens auf dem Tisch stehen. Da darf ich jetzt noch nicht verraten, was wir machen, sonst wäre es keine Überraschung mehr (lacht). Aber so viel vorweg, da haben wir uns auch was Praktisches überlegt und nichts, das danach wieder weggeworfen wird. Wenn mir nichts eingefallen wäre, hätte es nichts gegeben, ehrlich gesagt. Denn eigentlich braucht man auch gar keine Gastgeschenke. Man denkt immer dies und jenes gehört zu einer Hochzeitsfeier, dabei wird am Ende nicht über Geschenke, sondern über das gute Essen, die Location, die Stimmung und Musik und vielleicht noch über den guten Ablauf gesprochen.

Eva: Eigentlich muss man sich davon freimachen, dass man die Hochzeit nach bestimmten Maßstäben plant. Letztendlich ist es die eigene Feier…

Mia: Ich habe nach anderen Hochzeiten auch nie über die Einladungskarten oder Gastgeschenke gesprochen, sondern eher von der coolen Musik oder Stimmung geschwärmt.

Eva: Was ich immer schade finde, also ich war schon auf Hochzeiten, auf denen abends das Buffet immer wieder voll beladen wurde und am Ende ist super viel Essen in der Mülltonne gelandet. 

Mia: Also in Serbien bringt es Unglück, wenn nach der Hochzeit das Essen weggeschmissen wird. Es wird entweder gespendet oder mitgenommen. Bei uns gibt es dann nachhaltige To-Go-Boxen aus Öko-Papier..

Eva: Und dann haben sie auch ein kleines Hochzeitsgeschenk. (lacht)

Mia: Eben. 

Eva: Und zu guter Letzt, welche Tipps hast du für Frischverlobte, die jetzt anfangen zu planen?

Mia: Meinen Freunden, die nächstes Jahr heiraten, würde ich keinen dringenden, ultimativen Ratschlag geben. Die sollen nach ihren Wünschen und Vorstellungen planen. Das Einzige, was ich wirklich empfehle, ist wirklich rechtzeitig mit dem Thema Kleidung anzufangen. Früher als man vielleicht denkt. Ich habe das Drama nie verstanden, wenn ich zum Beispiel in Fernsehshows gesehen habe, wie lange im Voraus die Kleider gesucht und reserviert werden. Aber jetzt verstehe ich warum. Manchmal dauert es einfach, insbesondere wenn man genaue Vorstellungen hat, gerade was das Thema Nachhaltigkeit angeht.

Eva: Liebe Mia, vielen dank für das tolle Gespräch.

Teaserbild: Bildrechte A StockStudio / Shutterstock.com

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.