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Nachhaltige Siegel

Wie erkennt man nachhaltige Labels?

Es ist wunderbar zu sehen, dass die Nachfrage für nachhaltige und fair produzierte Kleidung immer weiter steigt. Aber was bedeutet eigentlich fair produziert? Und wie können wir nachhaltige Labels erkennen?

Nachhaltige Kleidung, was bedeutet das überhaupt?

Unterschieden wird in soziale und ökonomische Aspekte. Unternehmen, die faire Löhne an alle im Herstellungsprozess beteiligten Menschen bezahlen, angemessene Arbeitszeiten und ausreichenden Arbeitsschutz sichern, produzieren fair im Sinne von sozialen Aspekten. Dazu zählen ebenso das Verbot von Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Diskriminierung, sowie eine soziale Absicherung für die Arbeiter*innen. Die ökonomischen Faktoren beinhalten den Verzicht auf giftige Chemikalien und einen niedrigen Verbrauch von Ressourcen wie beispielsweise Wasser oder Energie. Ziel ist es, die Umwelt so wenig wie nötig zu belasten. Manche Modelabels verzichten komplett auf tierische Produkte, um dem Leid der Tiere ein Ende zu setzen. Es gibt also einige Möglichkeiten für Firmen, nachhaltig zu produzieren und es kann sehr gut sein, dass nur ein oder zwei der genannten Aspekte umgesetzt werden und die Modelabels trotzdem mit fair produziert werben. Das finde ich nicht verwerflich, denn wichtig ist, dass erste Schritte unternommen werden und diese transparent einzusehen sind.

Womit wir zum eigentlichen Thema kommen, wie erkennt man nachhaltige Labels?

Transparenz ist das Stichwort. Faire und nachhaltige Labels legen den Herstellungsprozess des Kleidungsstücks offen. Meist steht auf deren Website, wie, was und woher das Textil stammt. Natürlich könnten die Unternehmen euch einen vom Pferd erzählen. Damit das nicht passiert, gibt es einige nachhaltige Siegel, die von Firmen, Stiftungen und dem Umweltministerium verliehen werden.

7 nachhaltige Siegel für die Textilindustrie

Nachhaltige Labels

1. Blauer Engel Textilien 

Das Umweltministerium erarbeitet die Kriterien und dient als Geschäftsstelle des Blauen Engels. Vergeben wird das Siegel von der RAL GmbH. Ziel ist es, Textilien auszuzeichnen die ohne gesundheitsgefährdende Chemikalien auskommen und unter Einhaltung hoher Umweltstandards produzieren. Blauer Engel zeichnet übrigens nicht nur Textilien aus, sondern über 12.000 umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen, wie Kinderspielzeuge, Baumaterialien und Elektrogeräte. Bei Kleidung garantiert der Blaue Engel umweltverträgliche Standards für den gesamten Produtktionsweg, insbesondere bei der Rohstoffgewinnung und der Endfertigung. So werden neben den klassischen Umweltanforderungen auch soziale Aspekte bei den Textilien berücksichtigt.

2. GOTS (Global Organic Textile Standard)

Die Global Standard gemeinnützige GmbH ist Siegelinhaber von GOTS, dessen Schwerpunkt es ist, weltweit einen einheitlichen und kontrollierbaren Standard einzuführen, der die gesamte Produktionskette von Textilien umfasst. Das GOTS Siegel zeichnet Textilien aus, die mindestens zu 70% aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. Besteht das Kleidungsstück aus 95% biologisch erzeugten Naturfasern wird der Zusatz organic vergeben. Seit seiner Einführung 2006 beweist das nachhaltige Siegel seine Praxistauglichkeit und wird weltweit als Standard für nachhaltige und fair produzierte Textilien anerkannt.

3. Fairtrade Cotton

Das Fairtrade Cotton Siegel steht für fair produzierte Baumwolle und hat es sich zur Aufgabe gemacht, sozialverträgliche Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Produktion sicherzustellen. Gerade in der Baumwollproduktion kommt es immer wieder zu starken Marktschwankungen, denn Baumwolle ist – ähnlich wie Kaffee – an der Börse vertreten. So kommt es, dass viele Kleinbauern ihre Ernte zu Dumpingpreisen verkaufen müssen. Weitere Herausforderungen sind gentechnisch modifiziertes Saatgut und ausbeuterische Kinderarbeit. 100 Millionen Haushalte in 70 Ländern sind an der Produktion von Baumwolle beteiligt – insbesondere Menschen in West- und Zentralafrika, in Indien, Pakistan und Zentralasien, deren Lebensgrundlage die Baumwollproduktion darstellt. Das Siegel Fairtrade Cotton setzt sich für stabile Mindestpreise und eine zusätzliche Fairtrade-Prämie ein, um die Kosten einer nachhaltigen Produktion zu decken. Kinderarbeit ist strengstens verboten und Umweltstandards müssen eingehalten werden.

4. Fair Wear Foundation (FWF)

Dieses Siegel befasst sich mit der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie. Vergeben wird es von der niederländischen Stiftung Fair Wear Foundation (FWF). Die gemeinnützige Organisation versucht gemeinsam mit Partnern wie Gewerkschaften, NGOs, Fabriken und Unternehmensverbänden eine langfristige Verbesserung der Bedingungen zu ermöglichen. Dazu zählen Kontrollen in den Produktionsstätten vor Ort und auch Interviews mit Arbeiter*innen. Die Zeit hat in einem Artikel zwar angemerkt, dass Fair Wear kein Gütesiegel ist, jedoch können bei Unternehmen, die der FWF beitreten, Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen festgestellt werden. So erklärt die Kommunikationsbeauftragte der FWF, Sophie Koers: „Wer FWF-Mitglied wird, verpflichtet sich offiziell dazu, nach unseren Zielvorgaben schrittweise auf die geforderten Standards hinzuarbeiten und die Fortschritte regelmäßig verifizieren zu lassen.“

Fair Wear Foundation (FWF)

Quelle: © Anand Parmar

5. OEKO-TEX Made in Green

Vergeben wird das Oeko-Tex-Siegel von der internationalen Oeko-Tex® Gemeinschaft, ein Zusammenschluss von Textilforschungs- und Prüfinstituten. Das unabhängige Textilsiegel kennzeichnet Textilien, die aus schadstoffgeprüften Materialien mit Hilfe umweltfreundlicher Prozesse und sowohl unter sicheren als auch sozial verantwortlichen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden. Das Label wird für die Dauer eines Jahres vergeben, danach muss es neu ausgestellt werden. Durch Kontrollprüfungen an im Handel erhältlichen Artikeln sowie Stichprobenkontrollen im Rahmen unangemeldeter Firmenbesuche, wird die Einhaltung der Kriterien überprüft. Darüber hinaus können alle Artikel mit einem Made in Green Label anhand eines QR-Codes zurückverfolgt werden. Informationen wie das Land der Produktionsstätte, welcher Produktionsstufe die beteiligte Fabrik zugehört und in welchem Land die Fertigstellung erfolgte, können so von Endkonsument*innen eingesehen werden.

6. Naturtextil IVN zertifiziert BEST

Der IVN besteht aus über 100 Unternehmen aus allen Bereichen der Leder- und Textilwirtschaft, welche gemeinsam für ökologische und sozialverantwortliche Wirtschaftsweisen eintreten. Ökologie, Soziale Verantwortung und Gesundheit – mit diesen drei Schwerpunkten setzt sich das Siegel für eine ökologische und natürliche Rohstofferzeugung ein. Gerade in der Herstellung von Textilien und Leder werden oft Chemikalien eingesetzt, die sehr stark die Natur verschmutzen. Die soziale Verantwortung bezieht sich auf eine gerechte Entlohnung, Achtung der Menschenrechte und Arbeitssicherheit. Als drittes setzt sich das Siegel für die Gesundheit der Verbraucher*innen ein, indem die verifizierten Produkte nicht gesundheitsschädigend sind, was vor allem den Einsatz von gesundheitsverträglichen Chemikalien voraussetzt. Es gilt als eines der strengstens ökologischen Siegel und reguliert die gesamte textile Kette.

Nachhaltige Siegel

Quelle: IVN – disana GmbH & Co.KG

7. Cradle to Cradle

Ein Wirtschaftssystem ohne Abfall, dass klingt fast zu schön um wahr zu sein. Das Cradle to Cradle Zertifikat zeichnet Textilien aus, die schon beim Design an die spätere Verwertung denken. C2C-Produkte lassen sich im besten Fall komplett in den Produktionskreislauf zurückführen. Um zu schauen, ob das wirklich klappt, hat Vreni bereits im letzten Herbst kompostierbare Mode, die mit dem C2C-Zertifikat ausgezeichnet war, im Garten ihrer Eltern verbuddelt. Das Ergebnis: Eins der beiden Shirts (von Calida) war komplett zersetzt und nicht wieder auffindbar, das andere überprüfen wir an Ostern wieder.

Nachhaltige Siegel

Die beiden Shirts hat Vreni vergraben.

Es gibt natürlich noch einige weitere nachhaltige Siegel für Textilien. Auf Siegelklarheit.de bekommt ihr einen guten Überblick über alle gängigen Siegel.

Ihr fragt euch jetzt gewiss, welche Labels nun wirklich fair produzieren. Keine Sorge es sind einige und es werden immer mehr! Bei den Fashion Changers beispielsweise findet ihr tolle nachhaltige Labels aufgelistet.

Frohes nachhaltiges und bewusstes Konsumieren!

Teaserbild: © Didier Gentilhomme  

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.