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Greenwashing

Nachhaltigkeit als Trend? – Greenwashing in der Beauty-Branche

Der Trend nachhaltig zu agieren hat auch die Kosmetikbranche erfasst, aber nicht alles was im grünen Glanze erstrahlt, ist auch wirklich nachhaltig produziert. Viele Unternehmen brüsten sich gezielt mit grünen Slogans und ansprechenden Verpackungen, um Verbraucher*innen zu täuschen – das Ganze nennt sich Greenwashing. 

Was genau ist Greenwashing?

Unternehmen, die einzelne Produkte durch Kampagnen und PR-Aktionen in ein „grünes“ Licht stellen, um ganz bewusst den Eindruck entstehen zu lassen, dass sie besonders umweltfreundlich und fair handeln. Das Image, das dadurch entsteht, hat allerdings nichts mit der ökologischen Realität zu tun und wir Verbraucher*innen lassen uns sehr leicht in dem riesigen Angebots-Dschungel täuschen. Eine grüne Verpackung mit einem Blatt und der Aufschrift „100 % natürliche Inhaltsstoffe“ und schon fallen wir auf das vermeintlich nachhaltige Produkt rein. 

Greenwashing

Nicht alles, was grün aussieht, ist auch innen grün. © Artfully Photographer/ unsplash.com

Gibt es positives Greenwashing?

Hier spaltet sich die Meinung. Klar ist, dass große Unternehmen mit nachhaltigen Kampagnen und PR-Aktionen ein Bewusstsein innerhalb der Gesellschaft für dieses Thema schaffen. Das kann erstmal positiv vermerkt werden. Allerdings kommt es hier auf den Umgang mit Informationen an. Stellt sich das Unternehmen als die fairste und nachhaltigste Brand da und versucht so Konsument*innen bewusst zu täuschen? Oder ist die Brand-Kommunikation so transparent, dass wir als Verbraucher*innen erkennen können, dass hier ein erster wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit getätigt wurde, aber noch längst nicht alle Produktionsschritte und Produkte des Unternehmens fair und nachhaltig produziert werden. 

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Was steckt wirklich drin? © Dusan Petkovic

In den Drogerien reihen sich Hunderte von Cremes, Lotionen und anderen Kosmetikartikeln aneinander, die alle mit fairen Slogan und manchmal auch Siegeln beschriftet sind. Der Frage, wie wir echte Naturkosmetik erkennen können, wenn alle Unternehmen vermeintlich auf den Trend der Nachhaltigkeit aufspringen, sind wir vor einigen Tagen auch bei einem Paneltalk der Naturkosmetikfirma i+m nachgegangen. Und haben einige Antworten bekommen.

Gutes Tun und darüber sprechen

Der Mythos des*der aufgeklärten Endverbraucher*in ist nichts weiter als eine Illusion. Denn die Mehrheit der Käufer*innen schauen lediglich auf die Verpackung. Weitere Recherche über das Produkt findet meist nicht statt. Dadurch haben es nachhaltige und fair agierende Unternehmen immer schwerer sichtbar zu sein. Ihr USP (Unique Selling Point = das entscheidende Etwas, wodurch sich ein Produkt von anderen abhebt), nachhaltig und fair zu produzieren, geht in dem Meer von Werbemaßnahmen der großen Kosmetikfirmen unter, die ihren Produkten einen grünen Anstrich verleihen.

Wie kann also die Information über ein Produkt an die Endverbraucher*innen herangetragen werden? Zum einen müssen nachhaltige Kosmetikfirmen eine PR-Offensive starten, in der sie darüber sprechen, was sie für die Umwelt leisten und warum ihr Produkt einen Unterschied in der Konsumwelt darstellt. Zum anderen müssen wir Endverbraucher*innen uns an die eigene gepuderte Nase packen und endlich anfangen bewusst zu konsumieren. Wie viele Kosmetikartikel hast du in deinem Bad stehen, die du eigentlich nicht brauchst? Wenn wir weniger einkaufen, dann ist es auch viel leichter bei jedem Produkt genau hinzuschauen.

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Wie viele Beautyprodukte benötigen wir wirklich? © Africa Studio/ unsplah.com

Ganz oder gar nicht?

Immer wieder stehen Naturkosmetik-Unternehmen in der Kritik, denn oft sind nicht alle Produktionsschritte durchweg nachhaltig. Wie seht ihr das? Muss ein Unternehmen zu 100 Prozent nachhaltig agieren, um sich so zu nennen? Ist es überhaupt möglich komplett nachhaltig zu produzieren? Sollte es nicht viel mehr ressourcen- und umweltschonend heißen, denn letztendlich wird durch die Herstellung eines Produktes die Umwelt belastet. Die Frage ist, gibt es Möglichkeiten diesen Einfluss so gering wie möglich zu halten und unternimmt das Unternehmen etwas, um dies zu erreichen. Manche Firmen pflanzen beispielsweise Bäume, um so ihre CO2-Bilanz zu verbessern. Andere produzieren lokal, damit die Transportwege so kurz wie möglich sind und die Produktion bestmöglich überwacht werden kann. Es ist absolut richtig, dass die Unternehmen mit ihren Vorzügen werben und trotzdem sollte die Transparenz gegeben sein, sodass wir als Verbraucher*innen erkennen können, warum jenes Produkt fair und nachhaltig ist und woran es im Moment vielleicht noch hadert. 

Oh Siegel, was bedeutest du?

Es gibt einige Siegel für Naturkosmetik, die von unterschiedlichen Stellen initiiert sind. Mal sind es NGOs, mal sind es die Hersteller selbst, die sie vergeben. Dazu kommt, dass viele Verpackungen zwar kein zertifiziertes Siegel aufweisen, aber dafür ein sehr ähnliches Layout besitzen. Was wir brauchen ist ein einheitliches System und nicht Tausende Siegel, die man kaum durchschauen kann. Dann fiele es Unternehmen auch viel schwerer mit Greenwashing ihr vermeintlich nachhaltiges Produkt als solches zu vermarkten. Außerdem kosten diese Siegel oft viel Geld, wodurch kleinere Unternehmen und Start-ups benachteiligt werden, weil sei dafür kein Budget haben. Was wir trotzdem tun können: Siegel, die uns immer wieder beim Einkaufen begegnen, einfach online nachschauen. Wofür steht das Siegel? Welche Kriterien müssen Unternehmen erfüllen, um es zu erhalten? Dann fällt es uns die Auswahl beim nächsten Einkauf schon viel leichter.

Nach welchen Kriterien kauft ihr Beautyprodukte ein?

Teaserbild: © Kostsov/ Unsplash.com

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.