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Filterblasen

Welche Macht haben Filterblasen?

In unserer Gesellschaft ist das Internet allgegenwärtig und Medienkompetenz ein absolutes Muss. Doch hilft Medienkompetenz wirklich, um selbstbestimmt im Netz zu agieren oder sind wir sowieso von Filterblasen fremdbestimmt?

Eine stabile und schnelle Internetverbindung sollte mittlerweile in jedem noch so kleinem Dorf vorhanden sein. Auch wenn das nicht unbedingt der Fall ist, ändert dies nichts an der Tatsache, dass wir alle täglich das Internet nutzen, um uns zu informieren, uns unterhalten zu lassen und natürlich mit anderen Menschen zu kommunizieren. Somit bewegen wir uns in einer digitalen Welt, die wir jedoch oft selbst nicht ganz durchschauen.

Filterblasen

Wir alle sind jeden Tag online. © unsplash.de

Was ist ein Algorithmus?

Die meisten Menschen denken bei Algorithmen automatisch an Facebook, Instagram und Co. Vor allem durch den Datenskandal der Firma Cambridge Analytica bringen wir Begriffe wie Algorithmen, Filterblase und Soziale Medien in einen Zusammenhang. Algorithmen finden sich allerdings in fast allen Prozessen mit größerer Datenmengen und können in einer Ampelschaltung genauso zum Einsatz kommen, wie bei medizinischen Geräten oder eben dem Internet.

Filterblase

Vieles in der analogen Welt wird von digitalen Algorithmen gesteuert. © Billion Photos/ shutterstock.com

Step by Step

Es gibt maschinelle und menschliche Algorithmen. So ermöglichte zum Beispiel die Entwicklung der Sprache Verhaltenskodexe, Regeln und Verbote aufzustellen. Auch das sind einfachste Algorithmen. Heute verorten wir Algorithmen vor allem in der Informatik als Grundlage der Programmiersprache. Damit Maschinen Aufgaben erledigen, benötigen sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung inklusive Reihenfolge der Schritte. Diese aufeinanderfolgenden definierten Anweisungen heißen Algorithmen. Im Internet gilt das selbe Prinzip, denn auch dort sind Algorithmen Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Wer sich beispielsweise online eine Reithose kauft, dem werden, basierend auf dem Kauf, Werbeanzeigen für Reithelme eingeblendet. Oder wenn ihr auf Amazon Prime Star Wars schaut, dann zeigt euch der VoD-Dienst (= Video on Demand) alle Episoden der Weltraum-Saga an. Algorithmen helfen somit euer mögliches Interesse für bestimmte Themen zu definieren und euch darauf aufbauend neue Empfehlungen auszusprechen.

Filterblase

Leben wir auf Social Media in Filterblasen? © Brian A. Jackson/ shutterstock.com

Was hat das alles mit Filterblasen zu tun?

Filterblasen haben in den Medien einen äußerst schlechten Ruf. Geraden in den Sozialen Medien würden Filterblasen jeden Einzelnen in seiner eigenen homogenen Wirklichkeit abschotten, sodass niemand mehr über den eigenen Tellerrand schaut und lediglich seine eigenen Thesen und Vermutungen durch Gleichgesinnte in der selben Blase bestätigt sieht. Die Algorithmen seien Schuld an dem Dilemma, so der Konsens vieler öffentlicher Netzdiskussionen. Die Idee dahinter ist logisch, denn wenn der Feed von Algorithmen bereits vorausgewählt wurde, kann man nichts dafür, wenn man in der eigenen Online-Bubble verweilt.

Es gibt jedoch auch andere Erkenntnisse, welche die Macht der Algorithmen bezweifeln. So seien nicht die automatisierten Prozesse des Algorithmus verantwortlich für die Abgrenzung Einzelner in ihrer Meinungswelt, sondern der Mensch selbst der Auslöser dafür. Denn es liege in der Natur des Menschen, sich mit Dingen zu umgeben, die in den eigenen Wertekonsens passen. Wenn du also total auf Beyoncé stehst, wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf Links, Accounts oder Videos klicken, die mit dem Thema zu tun haben. Natürlich verstärken die personalisierten Algorithmen dieses Handeln. Doch die Filterblase erschafft sich jeder Mensch selbst, indem man bewusst auf Links klickt, die einen interessieren. Und das sind nun mal Dinge, mit denen man sich gerne beschäftigt und eher selten andere kontroverse Meinungen, die vielleicht am eigenen Standpunkt rütteln.

Vermutlich bewegen wir uns alle in unser eigenen personalisierten Online-Welt, aber es wäre fatal, den Algorithmen eine so große Macht zuzusprechen, dass sie es schaffen, Filterblasen zu kreieren und vor allem aufrecht zu erhalten. Damit sprechen wir uns Menschen die Mündigkeit ab, eigene Entscheidungen zu treffen. Jeder Link im Netz stellt die Möglichkeit dar, sich über die eigene Komfortzone hinaus mit Themen zu beschäftigen und die selbstkreierte Blase zum Platzen zu bringen. Wir müssen nur drauf klicken.

 

Teaserbild: © keport/ shutterstock.com

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.