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Trübes Wetter, trübe Laune? Die Herbstdepression

Schien in diesem Jahr die Sonne weit bis in den Oktober hinein, so plötzlich kam das graue und vor allem kalte Regenwetter. Nicht jeder steckt den Jahreszeitenwechsel so einfach weg. Die Herbstdepression wird zum Leid vieler Menschen. neverever.me macht den Selbstcheck!

Wenn plötzlich alles trüb wird

Die Jahreszeiten. Sicherlich liegt man richtig in der Annahme, dass so gut wie jeder den Sommer am liebsten hat. Obwohl es da natürlich diejenigen gibt, die sagen, sie wären absolute Winterkinder – abgesehen von denen, die in einem Wintermonat geboren wurden. Übrig bleiben also jene, denen die Farben des Frühlings und des Herbstes die Schönsten von allen sind. Beides Jahreszeiten, in denen es entweder noch kalt ist und die Sonne langsam zum Vorschein kommt. Oder aber gerade kalt wird und die Sonne sich langsam aber sicher verabschiedet. Und das plötzlich. Wie auch in diesem Jahr.

Der Sommer 2018 hat uns alle verwöhnt. Es war warm, manch einem zu heiß. Aber ihr wisst ja, man kann es nie allen recht machen. Wir finden, er war so lang, dass er doch bitte erst gar nicht gehen soll. Denn jetzt, wo die Tage später hell und früher dunkel werde, da mussten wir, nach dem schwerfallenden Aufstehen aus unserem gemütlichen und kuscheligen Bett, schon bereits in dieser Woche nach der Motivation suchen. Man bedenke dabei, dass wir erst am Anfang dieser dunklen Jahreszeit sind, denn vom Winter wollen wir erst gar nicht anfangen. Zurück zur Motivation: Wir haben sie gefunden, keine Sorge. Aber es fiel uns schwer. Der Grund dafür? Ganz klar, der Herbst!

Bunt und doch so dunkel: der Herbst in Berlin.

Bunt und doch so dunkel: der Herbst in Berlin.

Sommerzeit trotz Herbstbeginn

Vor genau 32 Tagen überquerte die Sonne den Äquator von Nord nach Süd. In diesem Moment begann auf der nördlichen Erdhalbkugel der Herbst. Aus astronomischer Sicht. Aus meteorologischer begann dieser schon am 1. September. An beiden Tagen haben wir noch nicht viel vom Herbst gemerkt. Nach einem kurzen Temperaturfall waren wir der felsenfesten Überzeugung, zu erfrieren und wollten unsere Daunenjacke mit Schal und Mütze aus dem Keller holen. Dann kamen wir wenige Tage später wieder ins Schwitzen und konnten weiterhin in knappen Shorts durch die Straßen laufen. Wir waren verwöhnt, denn wir konnten an diesen sonnig warmen „Spätsommertagen“ unsere Nachmittage immer noch auf den Terrassen unserer liebsten Café und Bars verbringen. Am Samstag endet diese Sommerzeit hochoffiziell und wir stellen unsere Uhren in der Nacht von Samstag auf Sonntag von 3 Uhr auf 2 Uhr zurück. Spätestens jetzt haben die Cafés ihre Stühle für den Winterschlaf in den Keller gestellt. Wie auch wir unsere Sommerkleidung.

Selbstdiagnose Herbstdepression

Seit ein paar Tagen also fällt das Aufstehen schwerer als an jenen Sommertagen, an denen wir vom Licht geweckt wurden. Das Fehlen von Licht trübt unsere Stimmung. Mühsam machen wir uns im trüben Nebel auf den Weg in Büro. Sich zu konzentrieren fällt schwer. Kreative Ergüsse? Fehlanzeige. Stattdessen gibt es einen ständigen Heißhunger auf Herzhaftes und Süßes. Am Ende des Tages fahren wir durch die Dunkelheit zurück nach Hause. Gehen in unser Bett. Fühlen uns in diesen Tagen meist antriebslos.

Als sei die Motivation mit dem Licht verschwunden und von der Herbstdepression abgelöst. Keine Seltenheit, so viel können wir vorwegnehmen. Laut einer Statistik waren es vor wenigen Jahren bereits 30 % der Frauen und fast 20% der Männer, die einen Einfluss auf ihre persönlichen Stimmung durch den Wechsel zu Herbst und Winter bemerkten. Experten sagen, dass heute 1-2% der europäischen Erwachsenen unter saisonal bedingten Depressionen, kurz SAD, wie sie in der Fachsprache genannt werden, leiden.

Herbstdepression:Was sehen Sie? Bäume und Himmel im Herbst? Der Herbst im Rorschach-Gewand.

Was siehst du? Bäume und Himmel im Herbst? Der Herbst im psychodiagnostischen Rorschach-Gewand.

Lichtmangel als Auslöser

Bei der saisonalen Herbst- aber auch der Winterdepression liegt, ähnlich wie bei einer Depression, ein Mangel an den zwei Botenstoffen Serotonin und Noradrenalin in unserem Gehirn vor. Was das für unseren Körper heißt? Es schlägt nicht nur auf unsere allgemeine Stimmung, durch eben diesen Mangel fehlt es uns an Antrieb, das Denken fällt uns nicht leicht und das Fühlen ist durcheinander, lässt uns melancholisch werden. Wie lässt es sich erklären, dass wir müde werden, sobald es draußen Dunkel wird? Wo die Produktion von Serotonin und Noradrenalin sich reduziert, wird die des Hormons Melatonin gesteigert und erhöht dauerhaft unser Verlangen nach Schlaf. Ein häufiger Auslöser für eine SAD.

Was wir dagegen machen können? Eigentlich würden gern der Sonne nachreisen und erst mit ihr zurückkommen. Wir bleiben aber stark. Unser Körper wird zwei bis drei Wochen benötigen, um sich an die „geschenkte Stunde“ der Zeitumstellung zu gewöhnen. In dieser Zeit kann die Stimmung weiterhin trüb bleiben. Tageslichtlampen können euch durch die kommenden Wochen helfen, munter stimmen und gegen die Herbstdepression wirken. Sie bringen uns den Sommer zurück – zumindest täuschen sie das unserem Gehirn vor. Auch Sport ist ein Gemütsmotivator. Fällt das Aufraffen zwar schwer (man hört ja immer wieder von diesem berühmt-berüchtigten inneren Schweinehund), werdet ihr die Wirkung bereits nach dem ersten 5km Lauf spüren. Danach ist es Zeit für eine ordentliche Portion Vitamine. Die sind in diesen Monaten wichtiger denn je. Grundsätzlich gilt: Ernährt euch bewusst, Naschkatzen dürfen zugreifen, aber nicht zu viel, denn Zucker trübt die Stimmung. Gönnt euch ein heißes Bad, geht in die Sauna, es ist die perfekte Jahreszeit für Wellness-Tage. Es wird euch gut tun. Schnappt euch eure Freunde, wer weiß, vielleicht geht es ihnen ähnlich. Denn auch die sozialen Kontakte bringen euch Kraft und Licht in das trübe Wetter. So wird auch der Herbst zu einer schönen Jahreszeit.

Museumsbesuch auf Rezept

Seid ihr zufällig in der nächsten Zeit in Montreal? Von Ärzt*innen der kanadischen Stadt gibt es für Patient*innen bald den Besuch im Kunstmuseum auf Rezept. Was zuerst verrückt klingt, macht viel Sinn. Oder eher Serotonin. Wissenschaftliche Belege der Kunsttherapie haben gezeigt, dass das Glückshormon beim Betrachten von Kunst vermehrt ausgeschüttet wird. Ab dem 1. November bekommen die ersten Patient*innen ihren Besuch ärztlich verschrieben. Für alle in Deutschland gebliebenen gibt es das Rezept von neverever.me: Auf ins Museum mit euch! Kunst macht glücklich.

Stefan ist tapferes Schreiberlein, Stylist und Schöngeist. Seine Vorliebe für die Farbe Schwarz reicht von seinem Kater Jasper über Mode bis hin zum Schwerpunkt seines Kunstgeschichtsstudiums. Er sammelt Docs, hat ein Faible für Bundfaltenhosen, trägt jedoch trotz seines Nachnamens nie eine Uhr.