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So macht uns Instagram süchtig

Soziale Medien umgeben uns tagtäglich, dabei kann Instagram, ähnliche wie andere Süchte, abhängig machen. Die Sucht nach Instagram ähnelt der Online-Spielsucht und arbeitet mit Mechanismen, die unser Belohnungssystem aktivieren.

Ich poste, also bin ich

Instagram ist längst zu eine der beliebtesten Social Media-Plattformen aufgestiegen. Monatlich nutzen eine Milliarde Menschen die App und produzieren 500 Millionen Storys täglich, so die offiziellen Zahlen von Instagram. In Deutschland sind es knapp 18 Millionen Nutzende. Die Instagrammisierung des Alltags hat stattgefunden, wie die Autorin Laura Ewert auf Welt Online sehr passend beschreibt. Wir sind ständig auf Instagram und posten über den leckeren Cocktail am Freitagabend (Ja, ich habe ein Social Life!), den schönen Wochenendtrip nach Paris (Bonjour, mein Leben ist toll!) oder das Stück Schokoladenkuchen (Ich kann so viel essen wie ich will und bleibe trotzdem schlank!). Jedes Bild hat demnach einen Subtext, der in unsere Gedanken mit einfließt.

Instagram

Dabei kennen wir die meisten Menschen gar nicht, mit deren Bildern wir uns andauernd beschäftigen. Sie sind uns nicht nahe, noch geben sie uns auf andere Weise ein gutes Gefühl. Ist dem wirklich so? Skeptiker*innen würden an dieser Stelle vor lauter Nicken einen steifen Hals bekommen. Optimistischere Menschen sehen derzeit einen klaren Gegen-Trend, oder besser eine Gegenbewegung (sie vergeht hoffentlich nicht wie ein Trend), der sogenannten Sinnfluencer. Einige der Sinnfluencer verweilen noch in ihrer kleinen Instagram-Blase und sind keineswegs im Mainstream angekommen. Trotzdem zeigt die nachhaltige Welle, dass Instagram weit mehr ist als ein Ich poste, also bin ich. Egal, wie ihr zu der App steht, eins ist klar: Unsere Aufmerksamkeit ist kostbar und Zeit ein wertvolles Gut.

Instagram

Ab wann gilt unser Verhalten als Suchtverhalten?

Meine Bildschirmzeit verrät mir, ich nutze durchschnittlich 85 Minuten am Tag Instagram. Zähle ich WhatsApp und Facebook hinzu, dann komme ich auf beachtliche 110 Minuten. Damit liege ich immerhin noch unter dem Durchschnitt, der bei circa drei Stunden täglich liegt. Doch woran erkenne ich eine Abhängigkeit? In den Niederlanden wurden wissenschaftliche Kriterien festgelegt, um die Abhängigkeit von sozialen Medien bei Jugendlichen festzustellen. Werden mindestens fünf von neun Standardfragen mit Ja beantwortet, liegt laut Fragebogen ein Suchtverhalten vor.

100.000 junge Menschen sind abhängig von sozialen Medien

Diese hohe Zahl ermittelten Forscher*innen in einer repräsentativen Studie der DAK Krankenkasse gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ). Außerdem konnte ein Zusammenhang zwischen Depressionen und exzessiver Social-Media-Nutzung festgestellt werden.

Instagram – Push it to the limit

Es kommt nicht von ungefähr, dass wir immer mehr Zeit auf Instagram verbringen. Die Verantwortlichen wollen uns so oft wie möglich zum Smartphone greifen lassen und haben mehrere Tricks um dies zu erreichen.

Push-Nachrichten: Sie blinken und geben Töne von sich – Push-Nachrichten kämpfen um unsere Aufmerksamkeit und bekommen sie. Auch Instagram macht da keine Ausnahme und zeigt uns ständig die Anzahl an neuen Nachrichten an und wem unsere Beiträge gefallen. Spätestens jetzt ist unsere Neugierde geweckt und wir öffnen die App.

Gefällt-mir-Button: Das Herzchen lässt unser Herz höher schlagen, denn unser Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert sich und schüttet das Glückshormon Dopamin aus. Ein ähnlicher Vorgang passiert in unserm Körper beim Glücksspiel, Drogenkonsum und Sex. Klar, dass wir davon immer mehr möchten.

Pull-to-Refresh (Ständig aktualisierende Timeline): Was gibt es neues? Wer hat was gepostet? Der nächste Post ist bestimmt witzig, spannend, skandalös oder einfach nur unterhaltsam. Ein Wisch nach unten und nach einer kurzen Ladezeit erscheinen neue Beiträge. Instagram spielt mit unseren Erwartungen und belohnt uns ab und an, aber niemals vorhersehbar. Dadurch bleiben wir umso länger in der App, es könnte ja der nächste Post sein. Auch hier ist der Vergleich zum Glücksspiel nicht fern.

Videoschleifen (Instagram-Storys): Die Videoschleifen wurden ursprünglich von YouTube eingeführt. Nachdem ein Video vorbei ist, wird automatisch das nächste abgespielt. Instagram bedient sich einer ähnlichen Funktion und zeigt automatisch die nächste Story an, wodurch wir tendenziell länger in der App verweilen.

Tipps & Tricks gegen den Social Media-Wahnsinn

  • Alle Push-Nachrichten ausstellen.
  • Profilen entfolgen, um nicht in sinnloses Scrollen zu verfallen. Viel besser: Folge nur einer Handvoll Profilen, die dich wirklich interessieren. 
  • Das Smartphone zu Hause in andere Räume legen und nicht mehr als Wecker benutzen.
  • Die Instagram App vom Smartphone löschen und nur noch am Desktop nutzen.
  • Feste App-Limits oder gleich Auszeiten auf dem Smartphone einstellen.

Ob Instagram die Likes in Form von Herzchen tatsächlich abschafft, wie es derzeit in einigen Ländern getestet wird, bleibt abzuwarten. Um den Suchtfaktor zu verringern, wäre es sicherlich hilfreich. 

Teaserbild: Georgia de Lotz/ unsplash.com

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.