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Skurriles Schönheitsideal: der Snapchat-Filter

Strahlender Teint, glatt, gesund und rein – das Selfie-Filter-Gesicht. Dieses soll nicht mehr nur Filter bleiben, denn ein neuer skurriler Trend hält weltweit Einzug in die Schönheitschirurgie: der Snapchat-Filter als neues Ideal. 

Jeder kennt ihn, den Selfie-Filter. Jeder hat ihn mit größter Wahrscheinlichkeit nicht nur einmal auf das eigene Selfie gelegt. Doch habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, diesen Filter im realen Leben auf eurem Gesicht zu tragen?

Snapchat Selfies in Perfektion – nun auch im wahren Leben

War es früher nur Profis und wenigen versierten Amateuren möglich, Fotos mit Programmen wie Photoshop nachträglich zu verändern, so steht im Zeitalter der sozialen Medien und Smartphones die digitale Bildbearbeitung jedem zur Verfügung. Makelloses Aussehen war Models in Werbung und Magazinen oder Stars auf dem roten Teppich vorbehalten. Im Jahr 2011 war es Schauspielerin Emma Stone, die in „Crazy Stupid Love“ schockiert vor ihrem Filmpartner Ryan Gosling stand und glaubte, sein perfekt durchtrainierter Körper wäre gephotoshoppt. Damals noch der Witz einer Filmszene, kann heute jedes noch so spontan entstandene Selfie zur (symbolischen) Perfektion von Schönheit werden. Mit Instagram und Snapchat sind mit ein paar Klicks nicht nur die müdesten Augen munter. Der Markt für Apps, die innerhalb weniger Minuten Augenringe kaschieren, Nasen schmälern, die Stirn straffen, die Zähne weißen und das komplette Make-Up auflegen, wächst täglich.

snapchat filter

In einer neuen Studie „Selfies – Living in the Era of Filtered Photographs“ des dermatologischen Instituts der Universität Boston, widmen sich Wissenschaftler der medizinischen Hochschule genau dieser Trendentwicklung. Die schnelle Bildoptimierung wirke als ein auslösender Impuls auf unsere Selbstwahrnehmung, der im äußersten Fall zur sogenannten Snapchat-Dysmorphophobie führen könne – einer gestörten Wahrnehmung des eigenen Körpers. Eine Wahrnehmung, die mit dem einfachen Blick in den Spiegel beginnt, die Beobachtung des Selbst auf Fotos kontrolliert, zur Manipulation des eigenen Ichs in digitaler Fotografie führt und in der totalen Ablehnung des eigenen Körpers enden kann.„Nebenwirkungen“ der Dysmorphophobie sind der Rückzug aus dem sozialen Umfeld, dem realen sozialen Umfeld.

snapchat filter

Gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers als Folge sozialer Medien

Brachten Patienten*innen damals Fotos von Stars mit zu Beratungsgesprächen, sind es heute die eigenen Fotos – mit Filter. Die häufigsten Anfragen für operative Eingriffe beziehen sich auf Merkmale der Snapchat-Filter: Schmalere Nase, vollere Lippen und größere Augen. Dr. Gabriel Chiu, Oberarzt einer Klinik für Plastische Chirurgie in Beverly Hills, berichtet bei CNBC Television über Patienten*innen, die seine Praxis aufsuchen und nach einer Vergrößerung ihrer Augen fragen, um die sogenannten „Bunny-Eyes“ des Snapchat-Filters zu bekommen. Ob er den Wunsch nach einem neuen Äußeren seiner Patienten*innen hinterfragt, beantwortet der Chirurg ganz klar mit einem Ja. Als Arzt sei es seine Aufgabe, den Grund für das Verlangen nach einem veränderten Aussehen herauszufinden. Nicht selten raten Ärzte zu psychologischer Hilfe. Der Grund sollte jedoch klar sein: Immer mehr Menschen wollen aussehen wir ihre Selfies. Wollen sich genau so schnell modifizieren, wie sie – suchtartig – ihre Bilder bearbeiten. Ein gefährlicher Trend, denn die verlangten Eingriffe entziehen sich nicht nur der Realität sondern auch den Möglichkeiten der Plastischen Chirurgie – noch.

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Nicht nur ein amerikanisches Phänomen, denn auch die „British Association of Aesthetic Plastic Surgeons“ berichtet von einem 13-prozentigen Anstieg an Operationen, für die Fotobearbeitung-Apps und Filter Sozialer Medien verantwortlich sind. Von 50 Personen ist heute bereits mindestens 1 Person von Dysmorphophobie betroffen – 2,4% der Bevölkerung.

Die Sozialen Medien haben unser Schönheitsbewusstsein und damit einhergehend unser Schönheitsideal verändert, vielleicht manipuliert? Filter haben unsere Wahrnehmung zur Makellosigkeit verändert. Lasst euch nicht manipulieren, bleibt euch treu, bleibt echt und wenn doch das ein oder andere Mal an den Schrauben der Bildbearbeitung gedreht wird, seid euch darüber bewusst, dass es die digitale Welt ist. Morgens haben alle müde Augen.

Deshalb hier unser Tipp: Wenn ihr je zum Schönheits-Doc geht, dann nehmt doch bitte Vrenis Bild hier als Vorlage – ein Traum.

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Stefan ist tapferes Schreiberlein, Stylist und Schöngeist. Seine Vorliebe für die Farbe Schwarz reicht von seinem Kater Jasper über Mode bis hin zum Schwerpunkt seines Kunstgeschichtsstudiums. Er sammelt Docs, hat ein Faible für Bundfaltenhosen, trägt jedoch trotz seines Nachnamens nie eine Uhr.