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Slow Travel: Mit dem Camper-Van durch Südosteuropa

Massive Bergwände, weite Täler mit türkisschimmernden Flüssen. Grün bewachsene Felshänge, weite Blicke in die Landschaft und abenteuerliche Erlebnisse auf dem Weg. Wer jetzt glaubt, wir sprechen von Kanada täuscht. Die Rede ist von Slowenien.

Warum die Region um Slowenien, Italien und Kroatien mehr als nur eine Reise wert ist und wie ihr sogar noch klimafreundlicher dieses schöne Fleckchen Erde erreicht, erfahrt ihr in diesem Reisebericht.

1. Tag – Slow Travel mit Zug und Camper

Von Berlin und München gibt es Direktflüge nach Ljubljana, die Hauptstadt Sloweniens. Wir empfehlen euch jedoch Slow Travel. Slow was?

Slow Travel bedeutet sich wieder Zeit zu nehmen. Auch für die Anreise. Was in den letzten Jahren immer schneller wurde, soll wieder entschleunigt werden. Der Weg ist das Ziel. In diesem Spruch steckt mehr Wahrheit als man es sonst von platter Kalenderweisheit gewohnt ist.

Von Berlin geht es mit dem Zug in nur vier Stunden nach München. Je früher ihr bucht, desto günstiger der Preis. Von München aus mieten wir einen Camper-Van. Zum Beispiel über Paul Camper, die Vermietplattform für private Anbieter*innen, die ihren Bus bei Nichtnutzung gerne an andere weitergeben möchten. Für unseren kurzen Slowenien-Kroatien-Trip entscheiden wir uns für ein einfaches Modell. Wir brauchen nicht viel für eine entschleunigte Reise. Nur ein wenig Zeit und die nötige Portion Abenteuerlust. Entschleunigt heißt in unserem Fall übrigens nicht unbedingt langsam. Dafür sind wir viel zu neugierig und wollen immer so viel wie möglich sehen.

Tipps für deine Slow Travel Reise

– Sei spontan: Je mehr du planst, desto schwieriger ist es vom Plan abzuweichen. Slow heißt auch sich ab und an mal überraschen zu lassen und mit dem Flow zu gehen.

– Nimm die Geschwindigkeit raus: Mit Zug, Bus oder Auto reist es sich viel langsamer. Dafür aber in der Geschwindigkeit, die wir brauchen, um all die schönen Eindrücke zu verarbeiten.

– Lass dich überraschen: Durchdenke nicht die ganze Reise bevor du überhaupt die ersten Meter zurückgelegt hast. Vieles fügt sich auf dem Weg und so hast du die Chance auch einzigartige Begegnungen und Erlebnisse mitzunehmen.

– Nutze die Nebensaison: Vor allem im Frühjahr und Herbst hast du gute Chancen spontan und slow zu reisen, da viele Unterkünfte direkt vor Ort noch buchbar sind und du durch weniger Reisende auch einfach entspannter vorankommst.

Von München geht es quer durch Österreich nach Slowenien. Unser erster Anlaufpunkt: Der Triglav Nationalpark. Wir haben keinen Campingplatz gebucht und schauen immer spontan auf der Route, wo es uns hin verschlägt. Nach einem kurzen Abzweig Richtung Italien fahren wir über die slowenische Grenze. Als wir die ersten Berge erreichen, verschlägt es uns fast den Atem. Die Schönheit dieser Natur ist wirklich atemberaubend. Ehrfürchtig durchqueren wir die Serpentinen hinunter ins Tal und haben das Gefühl direkt in Kanada gelandet zu sein. Per Google Maps suchen wir uns vor Ort einen Campingplatz. Dabei gehen wir einfach nach Gefühl und Route. Unser erster Stopp: Camp Vili. Ein uriger Campingplatz, der mit dem Nötigsten auskommt. Genau das, was wir gesucht haben. Denn das Schönste am Camping-Trip ist doch wieder zurück zu kommen zu einer Ursprünglichkeit, die uns im Alltag oft verloren geht. Selig kuscheln wir uns in unsere kleine Herberge und können die nächsten Tage kaum erwarten.

2. Tag – Triglav Nationalpark und ein Abstecher nach Italien

Wir befinden uns südlich im Nationalpark. Unsere erste Wanderung führt uns durch eine Klamm in der Region Tolmin, nur wenige Kilometer von unserem Nachtplatz entfernt. Die Wanderwege sind toll ausgebaut und es gibt wirklich für jeden Schwierigkeitsgrad etwas. Sei es nur ein gemütlicher Spaziergang oder eine mehrstündige Wanderung durch felsige Gebiete. Für heute entscheiden wir uns relativ gemächlich zu bleiben.

Da wir uns quasi an einem Dreiländereck befinden und das Meer somit fast um die Ecke ist, beschließen wir ganz spontan nicht nur Slowenien zu erkunden, sondern auch einen Abstecher nach Italien und Kroatien zu machen. Wie gesagt, langsam reisen, heißt nicht zwangsläufig nur an einem Ort zu bleiben.

Also machen wir uns auf Richtung italienische Grenze. Mittags ein kleiner Stopp an einem wunderschönen Fluss, der tief türkis die Landschaft durchbricht. Der perfekte Platz für eine ausgiebige Mittagspause. Gerade, wenn man länger im Auto sitzt, sind solche Pausen goldwert und lassen die Energiereserven ordentlich nach oben schnellen.

Weiter geht es nach Trieste. Noch nicht einmal 100 Kilometer vom Nationalpark Triglav entfernt. Wir haben so Lust auf italienisches Eis, eine originale Pizza und ein bisschen Meeresrauschen, dass wir uns diesen Stopp nicht entgehen lassen wollen.

In Trieste ist es erst einmal wahnsinnig schwer einen Parkplatz zu finden. Mit dem Auto in die Stadt zu fahren, ist deshalb nicht wirklich zu empfehlen. Wir parken etwas oberhalb der Stadt in einem Wohngebiet und erkunden somit Trieste außerhalb des Stadtkerns, was uns wiederum freut, da wir so einfach mehr entdecken können. Als wir am Wasser ankommen, lässt uns die Meeresbrise vollends im Urlaub ankommen. Auch wenn wir schnell spüren, dass Stadt nicht wirklich das ist, was wir uns von unserer kleinen Reise erhofft haben, deswegen geht es nach einem ausgiebigen Stadtrundgang und einer Kugel Eis auch direkt weiter. Einen Campingplatz finden wir für diese Nacht bei Muggia. Wirklich zu empfehlen ist die Region jedoch nicht. Die Campingplätze sind sehr touristisch und eher auf Entertainment ausgelegt. Schöne Meereszugänge gibt es auch nicht und wir hoffen bald wieder richtig in der Natur zu landen.

3. und 4. Tag – Ab auf die Insel

Früh am Morgen verlassen wir den Campingplatz, denn die Stimmung ist wirklich nicht toll. Slow Travel bedeutet eben auch immer wieder spontan zu sein. Deswegen wird das Frühstück kurzerhand am kleinen Fischerhafen errichtet. Hier ist man für sich. Nur ein paar Einheimische begrüßen uns herzlich und erfreuen sich an der ungewöhnlichen Frühstückssituation.

Da Italien nicht das erhoffte Meeresklima mit sich bringt, beschließen wir kurzerhand noch den Abstecher nach Kroatien zu machen. Mit der Fähre geht es rüber auf die Insel Cres. Nebensaison sei dank, sind wir neben einigen wenigen Urlauber*innen relativ allein auf weiter Flur. Mithilfe von Google Maps wird der schönste Platz der Insel herausgesucht und siehe da, plötzlich stehen wir mitten in der Natur, am Meer, ganz für uns. Wir atmen einmal tief durch und sofort macht sich eine tiefe Entspannung in uns breit.

Hier heißt es die nächsten beiden Tage nur: Yoga, lesen, baden, Eis schlecken, Aperol trinken und die Seele baumeln lassen.

Ort: Nähe Osor auf der Insel Cres

5. Tag – Zurück in die Wildnis

Von der Insel Cres entscheiden wir wiederum spontan noch einen weiteren Abstecher zu machen. Hinüber auf die Insel Krk. Hier suchen wir das leckerste Eis in Silo und gönnen uns eine ausgiebige Mittagspause mit Pizza am Wasser.

Für die letzten Tage wollen wir unbedingt zurück nach Slowenien. Denn so schön der Abstecher nach Kroatien war, so viel Zeit hat er uns natürlich auch gekostet. Bei einem Kurztrip nicht unbedingt für alle empfehlenswert.

Es geht zurück Richtung Soča – ein reißender Fluss inmitten der Natur, für uns der beeindruckendste Teil des Triglav Nationalparks. Hier findet man wirklich alles, was das Outdoor-Herz begehrt. Wilde Flüsse, riesige Berge, weite Täler und jede Menge Aktivitäten drum herum. Wir steuern einen naturnahen Eco-Campingplatz bei Bovec an. Auf drei verschiedenen Höhen kann man sich hier den schönsten Platz aussuchen. Und wir sind mal wieder relativ alleine.

Abends lässt es sich hier wunderbar am Camper kochen, selbst ein Lagerfeuer ist noch drin. Der Reisetag hat uns müde gemacht, aber wir können es kaum erwarten am nächsten Tag die Natur zu entdecken.

6.Tag – Der Ruf der Berge

Am nächsten Morgen strahlt uns die Sonne entgegen und wir nehmen erst richtig wahr, wo wir überhaupt sind. Umgeben von massiven Bergen, den Geräuschen des Waldes und einem nahen, reißenden Fluss werden wir langsam wach. Zum Frühstück fahren wir auf das oberste Plateau des Campingplatzes. Wir sind ganz für uns allein und genießen die majestätische Ruhe der Natur.

In der Nähe von Bovec finden wir einen Wanderweg, der genau unseren Bedürfnissen entspricht. Nicht zu lang, aber mit einem ordentlichen Aufstieg, hoch zu einem Wasserfall, der sich weit über dem Soča-Tal ins gefühlte Nichts ergießt. Der Ausblick ist gigantisch und eine Höhenwanderung ist hier absolutes Muss. Klar, die Täler sind toll, aber von dieser Perspektive aus ergibt sich noch ein viel gewaltigeres Bild der Gegend.

Die Mittagspause verbringen wir direkt an der Soča. In den Stromschnellen vor uns versuchen sich Kajaker*innen und Rafting-Neulinge. Beim nächsten Mal würden wir eine solche Tour auf jeden Fall auch mitmachen. Für heute erfreuen wir uns einfach nur am Anblick der anderen.

Gegen Abend begeben wir uns schon Richtung Rückreise. Wir beschließen noch einen Stopp in Österreich zu machen, um nicht allzu lange Strecken fahren zu müssen. Unser Weg führt uns nach Altenmarkt im Pongau, wo wir ein Wellness- und Erlebnisbad herausgesucht haben und die letzten Stunden des Tages unsere müden Wanderbeine in der Sauna erholen. Ein empfehlenswerter Tagesausklang.

Zuflucht für die Nacht finden wir auf einem kleinen Hof, der seinen Außenbereich für Camping-Gäste zur Verfügung stellt. Solche Unterkünfte gibt es, vor allem in Österreich, häufiger. Und sie sind für Zwischenstopps perfekt geeignet.

7. Tag – Zurück in den Alltag

Vor der Abgabe des Campers in München machen wir noch Halt an einem der vielen schönen Seen in Bayern. Ein perfekter Ausklang für einen kurzen, aber intensiven und wahnsinnig entspannenden Camper-Trip, der perfekt auch noch langsamer so zu machen ist.

Tipps für eine Reise mit Camper-Van
  • Versuche so minimalistisch wie möglich zu reisen. Handgepäcksgröße sollte für 6 – 14 Tage auf jeden Fall easy reichen.
  • Sei spontan: Wenn dir etwas auf dem Weg gefällt, zögere nicht, es auch anzusteuern. Sollte sich das Ziel als nicht so schön, wie vermutet, herausstellen, kannst du immer einfach weiterfahren.
  • Überlege dir vorher, was du gerne in der freien Zeit machen möchtest. Spielst du gerne Kartenspiele? Dann darf das Deck nicht fehlen. Bist du eher eine Leseratte? Dann packe dafür genug Material ein.
  • Koche simpel: Meistens hat man nur ein oder zwei Kochplatten. Je aufwändiger du also kochst, desto komplizierter wird es. Und simpel muss nicht heißen unoriginell. Hole dir auf dem Weg so oft es geht frische Zutaten und verfeinere deine Gerichte mit regionalen Gewürzen und Besonderheiten.
  • Nimm dir Zeit für dich. Nur weil man gemeinsam zu Zweit oder gar zu dritt oder viert reist, heißt das nicht, dass man ständig zusammen hocken muss. Ein kleiner Spaziergang alleine oder das Zurückziehen am Morgen für Yoga oder eine Leseeinheit kommt der ganzen Gruppe zugute.
  • Sorge für ausreichend Fahrt-Unterhaltung: Ein Van-Roadtrip bedeutet viele Kilometer im Auto. Wenn die Themen einmal leer gequatscht sind, freut ihr euch über die vorher heruntergeladene Sommer-Playlist oder einen Podcast-Marathon.