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Nein sagen – Warum fällt mir das so schwer?

Wenn mich jemand um etwas bittet, sage ich oft Ja, obwohl ich eigentlich Nein meine. Und damit bin ich nicht allein. Im Gegenteil, es ergeht vielen Menschen so. Wieso ist das Ja sagen so viel einfacher und wie kann man das Nein sagen lernen?

Oft sage ich Ja, weil ich gerne als hilfsbereite Person wahrgenommen werden möchte. Aber nur weil ich mal Nein zu etwas sage, bin ich nicht direkt die totale Egoistin. Ein gesunder Egoismus ist doch nichts anderes als Selbstliebe. Also nicht per se etwas Schlechtes. Vielmehr ist es absolut sinnvoll in bestimmten Situationen die eigenen Prioritäten höher anzusetzen, dadurch schafft man sich Raum und Zeit um die eigenen Bedürfnisse zu stillen. Und am besten kann wohl jede*r selbst einschätzen, ob man zu egoistisch ist. Wieso sage ich also trotzdem viel zu oft Ja?

Allgemein gibt es verschiedene Gründe, warum Menschen die Bitten anderer Menschen so schlecht ausschlagen können. Die Angst vor Ablehnung, jemanden vor den Kopf zu stoßen und damit einen Konflikt zu provozieren. Aber auch das Gefühl gebraucht zu werden und sich durch das Ja sagen die Bestätigung einzuholen, ist ein Grund für die vielen Ja-Sager in unserer Gesellschaft. Oft manifestiert sich das Ja sagen schon im Kindesalter. Erfahren Kinder durch Nein sagen Liebesentzug oder Ablehnung, lernen sie, dass ein Ja unkomplizierter und angenehmer ist. 

nein sagen

Es ist okay, auch mal Nein zu sagen. Bildquelle: unsplash.com/ Jon Tyson

Dabei ist ein Nein doch überhaupt nichts Verwerfliches. Nein-Sager sind selbstbewusste Menschen, die keine Angst davor haben, wenn das Gegenüber durch die vermeintliche Ablehnung weniger Anerkennung für sie übrig haben. Mit dem klaren Nein setzen diese Menschen eine Grenze und üben gleichzeitig Macht aus, denn sie allein verfügen über ihre Energie und Zeit und niemand anderes. Zudem wird das Selbstwertgefühl gehoben, denn mit jedem Nein steht man für sich selbst ein.

Es ist wichtig die eigenen Grenzen abstecken, um nicht durch Überforderung und zu viele Aufgaben im Dauerstress zu versinken – egal ob beruflich oder privat. Um das zu schaffen, muss man ab und zu ein Nein über die Lippen bringen.

Nein sagen for Beginners

  • Für überrumpelnde Anfragen einfach antworten, dass ihr darüber nachdenkt und später Bescheid gebt. So habt ihr genug Bedenkzeit, um zu überlegen, ob ihr das möchtet oder eben nicht.
  • Schuldgefühle sind fies. Sie schleichen sich meistens ein, wenn wir etwas absagen und wollen uns dann doch noch ein Ja herauslocken. Hier heißt es standhaft bleiben. Ihr würdet es doch auch niemanden krumm nehmen, wenn der- oder diejenige mal etwas absagt.
  • Wie viel Zeit kostet mich das Ja sagen? Wenn ihr euch bewusst macht, wie viel eurer kostbaren Zeit für ein Ja verfliegt, überlegt ihr es euch gewiss zweimal.
  • Ein Nein muss nicht immer ein endgültiges Nein sein. Manchmal reicht es auch zu sagen, dass ihr im Moment leider nicht könnt.
  • Kommt es tatsächlich zum Kontaktabbruch, weil man öfter Nein gesagt hat, war es die Beziehung vielleicht nicht wert. Das ist dann bitter, aber definitiv gesünder.

 

Nein sagen – ich werde es in Zukunft öfter mal ausprobieren. Denn über meine Zeit verfüge nur ich.

Teaserbild: © ©Allef Vinicius/unsplash.com

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.