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METAMOHRPHOSE

von gastautorin jessica:

Knapp eine Woche nach der Fashion Week ist mein Kopf nun wieder aufnahmefähig und bereit, die wichtigsten Ereignisse Revue passieren zu lassen. Denn eigentlich ist es ja genau das, was sich Marken und deren Designer doch wünschen: Welcher Event, welche Show schafft es bei der Überbelastung der Synapsen des Kurzzeitgedächnisses auch nach dem Fashion-Marathon noch im Gehirn zu bleiben? Und vor allem: Wer schafft es, die perfekte Brücke zwischen Kommerz und Konsum zu schlagen?

Meine liebe Freundin Vreni treibt dieses Jahr wieder Synapsen-Überlastungs-Dauersport und hat mir aus Zeitmangel daher ihre Einladung für die Patrick Mohr Show überlassen. Et voilà, hier ein Resumée!

Das Lieblings „enfant terrible“ der Fashion Week lud dieses Jahr einige Kilometer entfernt des Fashion Week Zeltes ins Babylon Kino in der Rosa-Luxemburg-Straße. Nach drei erfolgreichen Jahren im Zelt mit wunderbaren Kollektionen war es wohl an der Zeit, wieder etwas anders zu sein als alle anderen und somit von sich Reden zu machen. Mode kann der Mohr, keine Frage. Umso mehr war ich gespannt, was mich im Kino nun erwarten würde. Der Name der Kollektion scheint mir zunächst mehr als fraglich –Metamorphose.

Vor dem Kino das altbewährte Bild. Bizarre Gestalten der Berliner Mitte Szene taumeln sich zwischen Bloggern und einigen wichtigen Menschen, die ihren Sonntagsanzug ausgepackt haben. Als sich die Türen dann öffnen und die Masse in den Saal stürmt, ist es relativ dunkel. Alle Scheinwerfer zeigen auf die Models, die brav aufgereiht vor der Leinwand stehen. Ich bekomme einen ersten Eindruck von der Kollektion. Überraschend viele Farben im Vergleich zu den letzten Jahren. Mint fließt in sattes Pink, Apricot und Blau harmonieren auf einer weißen Grundierung. Hierzu – natürlich – Dreieckprint, Dreieckprint, Dreieckprint! Und auch der Neontrend findet sich wieder. Vor allem in den Haaren von Bonnie Strange, die als Model auf den Laufstegen der diesjährigen Fashion Week nicht fehlen darf.

Patrick Mohrs Show ist ein Modefilm, produziert unter der Regie von Hakan Can, 26, Berufsbild: Cinematographic Poetry. Düster und etwas unzugänglich griff der Film die katholische Thematik von Schuld und Sühne auf. Ein Zusammenhang zu den vorher gesehenen Pastellfarben erschließt sich mir nicht. Ein Protagonist durchläuft mit einer roten Maske verschiedene Etappen, die ihn alle auf eine Art mitnehmen, interessieren, beeinflussen. Nach satten zehn Minuten mit wenig Mode, dafür viel Haut endet der maskierte Mann in Selbstreflexion des Durchlebten, dargestellt durch Mohrs Entwürfe für Spring/Summer 2013.

Nach dem Film stehen die Models wieder vor der Leinwand. Patrick Mohr zeigt sich hager und schüchtern, bleibt dennoch länger als gewohnt zum Showdown stehen. Auf Drängen der Fotografen lässt er sich sogar einen mysteriösen Blick in die Kameras entlocken. Mehr als ein Zwicken an den Kurzzeit-Gedächnis-Synapsen war es dieses Jahr nicht, dennoch hat Monsieur Mohr seinen Berliner Groupies das gegeben was sie wollten: Eine Orgie zwischen Exzentrik und Kommerz! Wir sind gespannt was uns nächstes Jahr erwartet.

Vreni ist Maître d'Internet, Sinnfluencer und trägt ihr Herz auf der Zunge. Seit fast einem Jahrzehnt bloggt sie sich durchs WWW und widmet sich mit Herzblut auch kritischen Themen in ihrer Branche.