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Luzides Träumen – was bringt’s?

Luzide Träumer*innen, oder auch Klarträumer*innen, können ihre Träume bewusst lenken und Dinge erleben, die sonst im realen Leben nicht möglich sind. Klingt erstmal ziemlich toll. Doch was genau bewirken luzide Träume und wie kann ich sie erleben?

Die Klartraumforschung hat mittlerweile bewiesen, dass es luzide Träume gibt und manche Menschen sie bewusst hervorrufen können. Ein Klartraum ist ein Traum, in dem der*die Träumer*in völlige Klarheit darüber besitzt zu träumen und dabei nach eigenem Entschluss handeln kann. Dabei treten luzide Träume vor allem in der REM-Schlafphase auf. Diese Phase nimmt ungefähr 25 – 30% der Schlafdauer bei Erwachsenen ein. Bei einer guten Portion Schlaf von acht Stunden wären das immerhin bis zu zwei Stunden, in denen vermehrt geträumt wird.

Luzides Träumen – der Nutzen

Für manche Menschen sind Klarträume pures Vergnügen. Ein Bewusstseinszustand, in dem man sich dessen bewusst ist und den man selbst lenken kann? Klingt nach einer positiven und tollen Erfahrung. Es kann aber auch als Mittel zur Selbsterkenntnis dienen, gegen Albträume helfen und findet sogar Anwendung im Profisport.

Spaßfaktor

Viele luzide Träumer*innen empfinden es einfach als Spaß ihre Träume bewusst zu beobachten und  zu schauen, was das eigene Gehirn für absurde Bilder zustande bringt. Andere genießen es bewusst in die Träume einzugreifen und Dinge zu erleben, die sonst in der Realität nicht möglich sind. Wie wäre es beispielsweise mit Fliegen? 

Profi-Sport

Ja, richtig gelesen. Auch im Profi-Sport kommen Klarträume zum Einsatz. Während des Klartraums können bewegliche Abläufe trainiert werden, sodass der Körper auf die tatsächlichen Bewegungen vorbereitet wird. Im realen Leben können die Sportler*innen auf die Traumwiederholungen zurückgreifen und somit die Abläufe verbessern. Theoretisch kann jeder Träumer, jede Träumerin, egal ob Profi-Sportler*in oder nicht, Abläufe im Klartraum trainieren, um sich zu verbessern.

Psychotherapie

In Träumen kommen oft die seelischen Probleme des Träumenden zum Vorschein. Deshalb hat die Traumdeutung schon immer einen hohen Stellenwert in der Behandlung und Erkennung von psychischen Erkrankungen. Im Gegensatz zu normalen Träumen können luzide Träume sogar als therapeutisches Werkzeug verstanden werden. Eine Traumdeutung noch während des Träumens? Im Klartraum soll dies möglich sein. Zum Beispiel, indem man die Traumfiguren nach ihrer Bedeutung oder nach dem Sinn des Traumes fragt. 

Albträume bekämpfen

Über Albträume finden die meisten unerfahrenen Träumer*innen Zugang zu luziden Träumen. Das war auch bei mir der Fall. Ich hatte immer wieder einen sehr ähnlichen düsteren Traum von einer fremden dunklen Gestalt, die an meinem Bett steht. Dabei konnte ich mich weder bewegen, geschweige denn schreien. Die Träume waren so realistisch. In Zusammenhang mit der Schlaflähmung wird dieser Zustand auch Schlafparalyse genannt. Als die Alpträume immer häufiger auftraten, habe ich mir vor dem Einschlafen immer wieder gesagt: Dies ist nur ein Traum. Dir kann nichts passieren. Es ist nur ein Traum. Und tatsächlich konnte ich während des Albtraums mir dessen bewusst werden. Die Angst ließ nach und irgendwann war ich sogar fähig den Alptraum in eine positive Richtung zu lenken.

Erweiterung des eigenen Bewusstseins

Klarträumer*innen erhalten Zugriff auf Teile des Gehirns und auch des Unterbewusstseins, was sonst im Wachzustand nicht möglich ist. So eröffnen sich ganz neue Perspektiven auf die Welt und natürlich auf sich selbst. Zum Schluss das Beste: Jeder Mensch kann luzide Träume erleben. Es gibt ein paar Techniken, die dabei helfen.

1.MILD (Mnemonic Induced Lucid Dreams) – Gedächtnishilfen, induzierte luzide Träume

Für gewöhnlich wird diese Technik mit anderen Luzidtraumtechniken kombiniert. Als Grundlage dienen Gedächtnishilfen, die dein Unterbewusstsein darauf programmieren, sich auf einen luziden Traum vorzubereiten. Du sagst dir also immer wieder vor dem Schlafengehen, dass du diese Nacht merken wirst, wenn du träumst. Übrigens helfen solche Gedankenstützen auch bei der Erinnerung an Träume. Ich habe mir angewöhnt, mich morgens als erstes an meine Träume zu erinnern und sie aufzuschreiben, indem ich mir immer wieder vor dem Einschlafen gesagt habe, dass ich mich am Morgen an die Träume erinnern werde. Es hilft wirklich!

2. DILD (Dream Initiated Lucid Dreams) – Trauminduziertes luzides Träumen

Wenn ihr euch im Wachzustand immer wieder fragt, ob dies gerade echt ist oder nur ein Traum, dann trainiert ihr euch eine generell kritische Haltung an. Während des Träumens kann diese Haltung helfen einen Traum als solchen zu identifizieren. Das Klar-Werden erfolgt somit im Verlauf des Träumens. Unbewusst habe ich eine ähnliche Technik angewandt, um meine Albträume los zu werden und dadurch erste Erfahrungen im luziden Träumen gemacht. Dazu hilft es, generell eine ausreichende Traumerinnerung zu haben. Wenn ihr euch nur selten an Träume erinnern könnt, dann versucht erstmal euren Traumfokus zu erhöhen (s. MILD).

3. WILD (Wake-Initiated Lucid Dream) – Luzides Träumen aus dem Wachzustand

Für Anfänger*innen ist diese Technik sehr schwierig umzusetzen, bei erfahrenen luziden Träumer*innen führt WILD jedoch oft zum Erfolg. Dabei wird versucht während des Einschlafprozesses im Wachzustand zu verbleiben und an nichts anderes als an den bewussten Traum zu denken. Man startet also mit einem hohen Klarheitszustand direkt in den luziden Traum.

Übrigens, eine Studie von Stumbrys et al.(2015) hat einen Zusammenhang zwischen Meditation und der Häufigkeit von luziden Träumen feststellen können. Kein Wunder also, dass luzides Träumen auch im Buddhismus seit Jahrhunderten zum Einsatz kommen.

Luzides Träumen

Was hilft? Traumtagebuch führen. © unsplash.com/ Angelina Litivn

Traumtagebuch führen

Seit mehreren Wochen führe ich ein Traumtagebuch. Mal mehr, mal weniger sorgsam. Dafür bin ich am Morgen oft zu chaotisch. Allerdings konnte ich über den Zeitraum eine Veränderung wahrnehmen: Ich erinnere mich viel häufiger an meine Träume. Wenn ich aufwache und mich an keinen Traum erinnern kann, dann ist das schon komisch. Folgende Fragen beantworte ich in meinem Tagebuch: 

  • Wo hat die Traumhandlung stattgefunden?
  • Wer kam im Traum vor?
  • Was ist passiert? (nur kurze Notizen)
  • Wie habe ich mich dabei gefühlt?
  • Traumtitel

Um die Fähigkeit der Traumerinnerung zu erhöhen, hilft es nach dem Aufwachen für einen Moment mit geschlossenen Augen liegen zu bleiben. Außerdem sollte das Schreibzeug neben eurem Bett liegen, damit ihr direkt loslegen könnt. Mein nächster Schritt ist das Tagebuch über einen längeren Zeitraum ganz konsequent zu führen. Dadurch lassen sich Muster und Traumsymbole erkennen und unterbewusste, psychologische Prozesse verstehen.

Teaserbild: © Bruce Christianson/unsplash.com

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.