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Konsum

Kauf nix! Ein Aufruf zu weniger Konsum

Cyber-Monday, Black-Friday, eine Woche voller Angebote entfacht in uns das Verlangen nach dem ganz großen Spar-Deal! Wer will noch mal, wer hat noch nicht geshoppt?! Das Konsum-Karussell dreht eine Extrarunde. Bitte nicht einsteigen! Ein Aufruf, unser Kaufverhalten zu überdenken.

Seit ein paar Jahren feiert der Einzelhandel den Black-Friday. Weil ein Tag aber nicht ausreicht um alle Angebote auszukosten, kam der Cyber-Monday dazu. Immer noch nicht genug Konsum? Machen wir doch eine Woche draus, die Cyber-Woche. Der Online-Handel wittert das große Vorweihnachtsgeschäft.

Verstärkter Konsum mit gutem Marketing

Aber warten wir wirklich so gespannt auf das Shopping-Erlebnis mit den vermeintlich großen Deals? Laut einer Konsument*innen-befragung zum Black-Friday und Cyber-Monday 2018, sehen 25% der befragten Deutschen in beiden eine gute Möglichkeit, um ihre Einkäufe für die Feiertage zu erledigen. 26% empfinden sie als überbewertet und für ganze (stolze) 43% sind sie bloße Marketingstrategien, damit Leute mehr kaufen als sie brauchen. Mit solch ausgeklügelten Köpfchen in unserem Land, sollte es dem Markt an diesen Tagen doch eher schwer fallen, neue Rekordumsätze zu verbuchen, oder?

„Ihr Warenkorb ist zu voll“

Mehr kaufen als wir brauchen. Da kommt die Frage auf, wie viel von all dem, was wir unseren Besitz nennen, wir wirklich benötigen? Nicht nur an den kommenden Spar-Tagen werden wir von allen Seiten überschüttet mit Werbung. Während die privaten Konsumausgaben für Bekleidung und Schuhe im Jahr 1970 in Deutschland bei 18,58 Milliarden Euro lagen, hatten sie sich bis zum Jahr 1980 bereits mehr als verdoppelt und betrugen im letzten Jahr schockierende 74,87 Milliarden Euro. Das Internet eröffnete eine neue Dimension des Konsums und wurde zum neuen, gesellschaftlichen Freizeitsport. Hat man früher noch auf die Rotstift-Reduzierungen des Sommer- oder Winterschlussverkaufes gewartet, kommt heute eine Sale-Mail nach der nächsten in unseren Posteingang: „Bis zu 70% Rabatt – schlagen Sie jetzt zu!“ Zuschlagen?! Eine Ohrfeige wäre an dieser Stelle vielleicht genau das richtige. Wie oft habt ihr euch selbst dabei erwischt, dass der Warenkorb keine halbe Stunde später voll war? Voll mit Dingen, an die ihr kurze Zeit zuvor keinen einzigen Gedanken mehr verschwendet habt? Kennen wir zu gut. Darum bleibt unser Warenkorb heute leer.

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Unser Einkaufskorb bleibt vorerst leer! (Bildquellen: „Sale“ von Justin Lim & silberner Einkaufswagen von Kai Oberhäuser via unsplash.com

Klima-Killer Nr.1

Online-Shopping gehört mittlerweile für viele zu ihrem alltäglichen Leben. Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass auch eben dieses Konsumverhalten den Klimawandel antreibt. Wieso? Wer nicht mehr offline im Kaufhaus shoppt, sondern in den Weiten des World Wide Web bestellt, kann dies auf der ganzen Welt. Früher war solch ein Paket Wochen auf Reisen, heute kommt es per Express-Delivery innerhalb weniger Tage zu euch nach Hause. Auf dem Weg haben wir noch einmal tiefer in unseren ökologischen Fussabdruck gestampft. Die Kosten dafür tragen wir nämlich alle. Am meisten aber unser Klima. Lösen kann dieses Problem nur die Veränderung unseres Konsums. Ein durchaus wichtiger und nicht zu unterschätzender Faktor im Kampf gegen den Klimawandel, der Grund genug sein sollte, den Warenkorb weiterhin leer zu lassen.

Kauf-Nix-Tag 2018

Passend zum heutigen internationaler Kauf-Nix-Tag. Jährlich am letzten Freitag im November, zeitgleich mit dem Black-Friday, der sich seit Jahren von einem amerikanischen zu einem globalen Phänomen entwickelt. Ein konsumkritischer Aktionstag, der mit mehr als 60 teilnehmenden Ländern ein gemeinsames Ziel verfolgt: nachhaltiges Kaufverhalten!

So leer wie heute haben wir unseren Warenkorb vielleicht lange nicht mehr gesehen. Aber fehlt uns etwas? Abgesehen von dem DHL Boten, auf den wir sowieso immer nur vergeblich warten, weil er die Pakete immer in der Filiale abgibt? Nein, uns fehlt überhaupt nichts. Der Kleiderschrank ist voll, auch ohne den zwanzigsten Mantel, die vierunddreißigste Hose und von den Schuhen wollen wir erst lieber gar nicht anfangen. Nichtsdestotrotz könnte sich eine Leere in euch auftun. Wo bleiben die Shopping-Glücksgefühle? Gibt es auch auf andere Weise, heißen dann aber anders: Verkaufs-Glücksgefühle. Auf zum Kleiderschrank, es ist Zeit auszumisten. Alles was seit einem Jahr nicht mehr den Kleiderschrank verlassen hat, wird sowieso nicht mehr herauskommen. Wieso also nicht jemanden mit den Schätzen glücklich machen? Wer will kann auch Tauschen statt verkaufen. Das gesparte und verdiente Geld kann dann in den nächsten Urlaub investiert werden. Erinnerungen sind nämlich viel mehr Wert als jeder materielle Konsum.

Stefan ist tapferes Schreiberlein, Stylist und Schöngeist. Seine Vorliebe für die Farbe Schwarz reicht von seinem Kater Jasper über Mode bis hin zum Schwerpunkt seines Kunstgeschichtsstudiums. Er sammelt Docs, hat ein Faible für Bundfaltenhosen, trägt jedoch trotz seines Nachnamens nie eine Uhr.