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Christianna

“Die Klamotten sind arschgeil.“

Die Stylistin für nachhaltige Mode Christianna Quack arbeitet tagtäglich mit fair produzierten Produkten. Wir wollen von der Wahlberlinerin wissen, worauf es beim nachhaltigen Kleiderschrank ankommt.

Christianna hat eine Ausbildung zur Modedesignerin absolviert, als Kostümbildnerin beim Film und Fernsehen gearbeitet, und schließlich ihr eigenes Business als vegane Stylistin und Lifestyle Editorin in Berlin aufgebaut.

nachhaltige Mode

Ich treffe Christianna, wie soll es auch anders sein, im veganen Café in Kreuzberg. Wir haben vor ein paar Jahren bei derselben Produktionsfirma gearbeitet. Umso mehr freue ich mich sie wiederzusehen und mehr über nachhaltige Mode zu erfahren.

Eva: Hi, lass uns doch direkt ins Thema einsteigen. Was bedeutet Nachhaltigkeit in Bezug auf Mode für dich?

Christianna: Nachhaltigkeit bedeutet für mich ein Gesamtpaket, wo jeder was von hat. Also sei es die Umwelt, dass keine Chemikalien bei der Produktion eingesetzt werden. Sei es der Mensch, der fair bezahlt wird und sei es eben das Tier, was nicht ausgenutzt wird.

E: War nachhaltige Mode für dich schon immer ein wichtiges Thema?

C: Nein (lacht). Also man lernt im Leben ja dazu. Am Anfang nimmt man vieles als gegeben hin, wie früher die Shopping-Touren mit Freundinnen, wo jeder für 100€ so viele Teile wie möglich gekauft hat. Ne, es hat schon eine Weile gebraucht bis ich es verstanden habe. Ich lebe jetzt seit acht Jahren vegan und war davor auch ein krasser Fleischesser und habe Bratwurst gefeiert. Man kommt dann irgendwann an einen Punkt, wo sich Sachen ändern. Und da hat sich dann Schritt für Schritt mein ganzen Bewusstsein geändert. Sei es jetzt Essen oder eben Mode.

E: Siehst du einen Unterschied zwischen einem minimalistischen und einem nachhaltigen Kleiderschrank?

C: Das ist eine gute Frage. Ich würde schon sagen, das geht Hand in Hand. Klar, weil je mehr man konsumiert, desto weniger nachhaltig ist es. Ich meine, es gibt ja mittlerweile auch schon kritische Stimmen, die SecondHand nicht so gut heißen, weil das eben auch zu mehr Konsum führt. Man kauft Fast Fashion ein und verkauft es dann auf dem Flohmarkt. Das ist mittlerweile schon ein eigenes Business, was nicht so ganz gesund ist für die Welt. Wenn man die Entscheidung für einen nachhaltigen Kleiderschrank trifft, hat man in dem Moment wahrscheinlich ganz viele Sachen und reduziert diese automatisch über die Jahre hinweg. Man lernt worauf es ankommt im eigenen Kleiderschrank. Man kennt den eigenen Stil besser.

nachhaltige Mode

E: Worauf achtest du bei deinem Kleiderschrank, wenn du einkaufst?

C: Ich mache keine Impulskäufe mehr. Wenn ich merke, ich möchte was ganz arg gern haben, dann setze ich mir eine Grenze von ein, zwei Tagen und wenn ich dann immer noch dran denke, dann kaufe ich mir das. Am Anfang fand ich das total abtörnend, weil Mode Spaß machen soll und impulsmäßig ist, aber es klappt echt.

E: Ziehst du alle Sachen an, die du im Kleiderschrank hast?

C: Ja.

E: Wie würdest du denn anfangen, wenn du aussortieren müsstest?

C: Es gibt da eine Methode, man sortiert die Sachen nach Häufigkeit, wie oft man sie trägt. Du machst verschiedene Stapel, was du wöchentlich trägst und einen Stapel mit Klamotten, die du nur alle paar Monate trägst. Dann schaust du, ob das auch eintritt und wenn nicht kommt der Monats-Stapel weg.

E: Ich glaube, ich habe sogar Sachen im Kleiderschrank, die hatte ich zwei Jahre nicht an. (lacht)

C: Ja ja, das Problem dabei ist, dass man manchmal auch nach drei Jahren ein Teil findet und dann trägt man es die ganze Zeit. Es ist nicht leicht, ich glaube, da muss jeder seinen eigenen Weg finden.

E: Man muss sich dann auch einfach von Sachen lösen.

C: Es ist nicht dein Bein oder dein Arm, sondern es ist nur ein Kleidungsstück.

E: Was verstehst du unter Fast Fashion?

C: Fast Fashion ist so schnell wie unsere Gesellschaft mit Trends. Heute ist es ein Trend, Morgen ist es out. Genauso schnell muss es auch produziert werden. Es ist ja teilweise so, dass große Modeketten innerhalb von drei Wochen die Laufsteg-Trends der großen Modehäuser kopieren und in die Läden bringen. Und so schnell wie es da ist, ist es dann auch wieder weg. Diese Geschwindigkeit aufrechtzuerhalten, das ist für die Umwelt, für die Menschen und für die Tiere nicht gut. Es wird sehr viel produziert, was dann nur zwei bis dreimal angezogen wird. Das ist Fast Fashion.

E: Ich glaube, dass vielen dieses Konsumverhalten aufstößt und mehr Menschen bewusster einkaufen möchten und dadurch einen Zugang zu nachhaltiger Mode finden. Hast du das bei dir im Freundeskreis auch feststellen können?

C: Ja, auf jeden Fall. Es trudeln immer regelmäßig Anfragen auf WhatsApp ein: „Ich suche einen nachhaltigen Wintermantel?“ oder „Ich brauche einen nachhaltigen Bikini?“. Ich helfe gerne, das macht auch Spaß und die Awareness. Ich habe das Gefühl, es gibt in der Gesellschaft zwei Strömungen, die eine strömt so ins Verderben und die andere schwimmt gegen den Strom. Im Moment passiert da sehr viel. Wahrscheinlich liegt das auch an den Sozialen Medien, dass einfach viel Austausch stattfindet, dass viele Bilder in die Welt gehen, wo man einfach nicht mehr sagen kann, das habe ich jetzt nicht gesehen, als würde es das nicht geben.

nachhaltige Mode

E: Nachhaltiger Mode hängt so ein bisschen das Klischee an, dass es sehr „öko“ aussieht. Findest du das auch?

C: Ja, teilweise schon. Als ich vor vier Jahren auf der Ethical Fashion Show war, war ich sehr ernüchtert.

E: Wie war es dieses Jahr auf der Berlin Fashion Week?

C:  Saugeil! Es war diesmal im Kraftwerk. Eine Berliner Location, schön rough, auf mehreren Etagen. Es gab Panel Talks und es war echt richtig, richtig geil. Es kamen auch wirklich viele Leute hin.

E: Und die nachhaltige Mode hatte sich auch weiterentwickelt?

C: Ey, die Mode war so cool! Also wirklich, ich habe viele neue Sachen entdeckt. Es gibt diese Girls, die Fashion Changers, hast du von denen schon mal gehört?

E: Ne, ich glaub nicht.

C: Das ist eine Gruppe von Frauen, die sich für nachhaltige Mode einsetzen. Die haben von allen Labels auf der Ethical die geilsten Stücke rausgesucht und dann konnte man als Blogger, in einem extra Bereich, die Sachen anprobieren und Fotos damit machen. Das war so cool!

E: Kann man das bei dir im Instagram-Feed noch sehen?

C: Ja.

E: Sehr schön. Ok, wir sind ein wenig vom Thema abgekommen (lacht). Also wenn jetzt eine Leserin von uns sagt, sie ist total inspiriert und will jetzt auch nachhaltiger Leben, wie wäre dann die Herangehensweise?

C: Wissen ist Macht! Man muss sich ins Thema einlesen. Informiert euch! Es gibt tolle Blogs, es gibt tolle YouTube Beiträge um erstmal zu wissen, womit habe ich es überhaupt zu tun. Wir haben auch gerade über den Begriff Fast Fashion gesprochen, dass man sich überhaupt anschaut, wie etwas produziert wurde.

E: Gibt es ein Siegel, wie man das erkennen kann?

C: Es gibt verschiedene, wenn man nur auf die ökologischen Aspekt schaut, gibt es das Ökotext-Siegel für Stoffe. Es gibt die Fairway Foundation, die sich für gerechte Gehälter und Arbeitsbedingungen einsetzt. Wer sich jetzt explizit für vegane Sachen interessiert, es gibt auch von Peta einen ganz tollen Einkaufsguide, der das alles noch mal erklärt.

E: Und das wäre auch deine Botschaft an die Leserinnen?

C: Ja, informiert euch! Information ist der Anfang von jedem Wandel. So bin ich auch vegan geworden, weil ich irgendwann angefangen habe mich wirklich zu informieren und dafür zu interessieren, was ich eigentlich den ganzen Tag in mich reinstopfe. (lacht)

E: Vielen Dank für das tolle Gespräch!

Mehr Infos über Christianna findet ihr auf ihrem Instagram-Account oder ihrer Website.

nachhaltige Mode

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.