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Instagram Bots – Betrug oder legal?

Tricksereien auf Instagram bespreche ich nun schon eine ganze Weile. Wie ist ein Instagram Bot aber rechtlich anzusehen? Ich habe mit einem Anwalt für Medienrecht gesprochen.

In der renommierten Kanzlei SchertzBergmann Rechtsanwälte auf dem Berliner Ku’damm empfängt mich Dr. Sebastian Gorski und steht Rede und Antwort. Die Kanzlei hat ihren Schwerpunkt auf den Gebieten des Presse-, Urheber- und Medienrechts sowie des gewerblichen Rechtsschutzes. Sie betreut unter anderem Personen des öffentlichen Lebens, wie Künstler, Unternehmer, Sportler und Politiker in sämtlichen medienrechtlichen Angelegenheiten. Die Kanzlei berät auch im gesamten Bereich des so genannten EntertainmentLaw. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Expertise im Wettbewerbs- und Markenrecht und Sportrecht.

Instagram Bot

Ich lasse mich im Interview über rechtliche Fragen zu einem Instagram Bot aufklären

 

Vreni: Ist Follower kaufen Betrug oder Täuschung?

Gorski: Das ist schon die 1-Million-Euro Frage. Es kommt darauf an, was Sie erstens für eine Vereinbarung mit ihrem Werbekunden haben und zweitens, was Sie wiederum für technische Mittel ergreifen.

V: Das bedeutet?

G: Wenn ich meine Followeranzahl per Instagram Bot künstlich erhöhe, bleibt unter Umständen meine eigentliche Reichweite dieselbe, weil Spam Accounts nicht liken oder kommentieren. Das kann dazu führen, dass der Algorithmus mich als nicht relevant einstuft.

V: Richtig, damit habe ich mir so einiges versaut, was ich jetzt mühsam wieder aufbaue.

G: Follower kaufen führt dazu, dass dem Werbekunden eine höhere Reichweite vorgegaukelt wird, als eigentlich existiert. Es spricht vieles dafür, dass hier der Werbekunde getäuscht wird – und zwar in Bezug auf den Kernvertragsbestandteil „Geld für eine Kommunikation mit einer bestimmten Anzahl von Followern“.

V: Finde ich auch. Und weiter?

G: Wenn Sie Social Bots nutzen, die nicht nur Fake Profile generieren, sondern die auch liken und kommentieren, dann ist der Fall technisch und gegebenenfalls auch rechtlich ein anderer: Dann wird dem Werbekunden eine höhere Quote von aktiven Nutzern vorgetäuscht. Grundsätzlich gibt es hier verschiedene Ebenen: Was ist mit dem Werbekunden vereinbart? Was wird tatsächlich geliefert?
Wenn im Vertrag die Anzahl der aktuellen Follower des Influencers aufgeführt wird und diese Zahl durch Social Bots künstlich nach oben getrieben wurde, dann dürfte darin eine arglistige Täuschung liegen, die zur Anfechtbarkeit des Vertrages führt. Mit der Anfechtung kann der ganze Vertrag nichtig werden. Dann muss das Honorar zurückgezahlt werden und auch weitere Schadensersatzansprüche sind denkbar. Selbst wenn die Anzahl der Follower nicht vereinbart ist, dürfte die Anzahl der (echten) Follower eine sogenannte Geschäftsgrundlage sein. Wenn die sich als falsch herausstellt, kann der Werbekunde ebenfalls Anpassung des Vertrages verlangen oder ganz davon zurücktreten.

V: Aber die Leistung, also das Posten des Bildes, hat ja stattgefunden.

G: Die Frage ist, ob das Posten wirklich die Leistung darstellt. Gibt es eine teilbare Restleistung? Das muss im Einzelnen geprüft werden.

V: Sprechen wir von Haftung. Ich finde ja, dass jeder Werbetreibende sich die Accounts, mit denen er zusammenarbeitet, genau ansehen sollte.

G: Richtig. Spannend ist auch, wer eigentlich in welchem Umfang verantwortlich ist. Wenn nämlich der Followerkauf tatsächlich so offensichtlich ist, dann kann man sicherlich auch argumentieren, dass der Werbetreibende gar nicht erfolgreich getäuscht wurde bzw. ihm eine Teilschuld zuzurechnen ist. .

V: Ihr Fazit?

G: Grundsätzlich glaube ich schon, dass es in Betracht kommt, einen strafrechtlichen Betrugsvorwurf bei Follower-, Like- oder Kommentarkauf zu prüfen, weil der Influencer durch sein Verhalten einen Irrtum beim Vertragspartner hervorruft. Und wenn der Werbekunde aufgrund dieses bewusst hervorgerufenen Irrtums dem Influencer Geld zahlt, dann kann das ein Betrug und damit eine Straftat sein.

Also Freunde. Lasst es sein mit eurem Instagram Bot. Ihr versaut euch den ganzen Account. Amen.

Vreni ist Maître d'Internet, Sinnfluencer und trägt ihr Herz auf der Zunge. Seit fast einem Jahrzehnt bloggt sie sich durchs WWW und widmet sich mit Herzblut auch kritischen Themen in ihrer Branche.