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Inspiration oder einfach Kopie?

Inspiration oder Kopie? Ein (schwieriges) Modethema

Kopie oder Original? Dass die Fast-Fashion-Industrie sich an den Entwürfen exklusiver Modehäuser bedient, ist nichts Neues. Doch werden die Designs immer schneller und häufiger zu Doppelgängern des Originals. Inspiration ja, Kopie nein?  

Erst neulich haben wir euch von unserer neuen Vorliebe für bunte barocke Muster berichtet. Prints, die bereits auf dem ersten Blick mit dem Label Versace in Verbindung gebracht werden. Ein Markenzeichen, dessen Weg von den Boutiquen des italienischen Modeunternehmens in tausende Filialen und Online-Shops diverser Fast-Fashion-Labels führte. Nichts Neues eigentlich, oder? Auch wir selbst sind mittendrin im Kopiergeschäft!

Fast-Faster-Fastest-Fashion

Es ist kein neues Thema, das wir besprechen, aber ein aktuelles. Und zwar so aktuell, dass es uns bei jedem Store-Besuch – egal ob online oder offline – begegnet. Es ist das, wofür die „schnelle Mode“ steht. Modeunternehmen können schneller denn je auf Modetrends und -entwicklungen reagieren. Heute noch auf dem Laufsteg der New York Fashion Week, werden wir eine Kopie des Looks in wenigen Wochen kaufen können. Fast-Fashion-Retailer wie Zara benötigen heute zirka zwei Wochen um auf eine neu entdeckte Trendentwicklung in der Mode zu regieren. Wir alle wissen mittlerweile um die schnelle Reaktion der Modegiganten. Sie analysieren den Modemarkt, beobachten bevorstehende Trends und reagieren. Und wir kaufen. Ja, auch wir. Aber wir haben uns gefragt „ist es in Ordnung, sich von anderen (stark und offensichtlich) inspirieren zu lassen, kopieren jedoch ein absolutes No-Go?“ Eine schwierige Frage, die nicht in allem Umfang beantwortet werden kann. Doch wollten wir das Thema wieder einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Zitronenliebe! Dolce & Gabbana Seidenkleid auf dem Cover der arabischen Harper's Bazaar und Vreni im Kleid von H&M Trend. Bildquellen: Instagram

Zitronenliebe! Dolce & Gabbana Seidenkleid für ca. 2500 € auf dem Cover der arabischen Harper’s Bazaar und Vreni im Kleid von H&M Trend, ca. 50 €. Bildquellen: Instagram

Aus der Feder eines kreativen Kopfes, auf das Papier vieler anderer

Wir haben also ein wenig im „Vreni-Style-Archiv“ gestöbert und schnell ein hervorragendes Beispiel gefunden: Vrenis Sommerkleid-Liebling aus dem letzen Jahr. Ein Kleid, im Original von Dolce & Gabbana für ca. 2500 €. Eine Kollektion als Hommage an Italien, die ihre Inspiration in „den Augen der Touristen“ in den späten 1940er und 50er Jahren fand. Da Domenico und Stefano aber jedoch kein Patent für den Trend hatten, war auch dieses Muster (in leichter Abwandlung) inklusive eines ähnlichen Schnittes bereits für ca. 50 € auch bei H&M Trend zu finden. Zur Freunde von uns – und vor allem Vreni, die ihr neues Lieblingskleid gefunden hatte. In den meisten Fällen wissen Kunden*innen gar nicht, dass das neue Kleidungsstück bereits vor langer oder gar nicht all zu langer Zeit schon einmal auf anderem Papier aus der Feder eines kreativen Kopfes entstanden ist.

Wenn die Kopie zum Statement wird

Wir gehen gedanklich zurück in eine Zeit, in der man aus dem Sommerurlaub mit der Familie wieder nach Hause kam und das ein oder andere neue T-Shirt mitbrachte. Kopien bekannter Marken, günstig gekauft.  Gilt es bis heute als verpönt eben diese Plagiate auf Märkten zu kaufen, die vortäuschen ein Original zu sein, wächst in den letzten Jahren der Trend einer ganz besonderen Art der Kopie. Waren zu Beginn der 2000er Jahre sichtbar große Markennamen von unserer Kleidung verschwunden, sind diese heute wieder da und das größer als zuvor. Vielmehr wurde das Bedrucken von Kleidung mit dem Namen eines Labels zu einer Art Kunstprodukt. Wie das nachträgliche bearbeiten eines Werkes berühmter Künstler*innen zu einem neuen Kunstwerk wird. Es war der russische Designer Gosha Rubchinskiy, der damit Bekanntheit erlangte, die Namen weltweit bekannter Sportmarken auf seine eigenen Designs zu Printen.

Nur Inspiration oder schon Kopie? V.l.n.r.: Empathy Zeitgeist T-Shirt von Weekday, Jacke von Balenciaga & Baklava T-Shirt von Stuck und Bratwurst. Bildquellen: Instagram

Nur Inspiration oder schon Kopie? V.l.n.r.: Empathy Zeitgeist T-Shirt von Weekday, Jacke von Balenciaga & Baklava T-Shirt von Sucuk und Bratwurst. Bildquellen: Instagram

Und der zu einem Schneeball wurde, der eine Lawine der Label-Mania auslöste. Demna Gvasalia, Designer des Modehauses Balenciaga, setzte ebenfalls auf den Markennamen. Es ließ nicht lange auf sich warten, da waren die ersten T-Shirts anderer Labels auf dem Markt. Nun aber „nur“ das Design übernommen, den Namen ersetzt. Zum Beispiel durch eine arabische Süßspeise: Baklava! Ein T-Shirt, das einen Hype in den Sozialen Medien auslöste. Zuletzt war es Weekday, die in ihrer Zeitgeist-Kollektion, für ein politisches Statement, das Design Balenciagas abgewandelt mit „Empathy“ auf ihre T-Shirts brachten. Status: Sold Out!

Instagram als neuer Mode-Kopier-Detektiv

Nur wer im Bereich der Mode arbeitet oder sich aus persönlichem Interesse viel mit ihr auseinandersetzt, erkennt ein Plagiat meist sofort. Alle anderen haben schon seit einiger Zeit auch die Chance, der Kopie auf die Schliche zu kommen. Wo? Auf Instagram. Diet Prada ist der Sherlock Holmes der Modeindustrie und zeigt euch, wer bei wem abgeguckt hat.

Diet Prada zeigt wer bei wem Inspiration fand, oder gar komplett kopiert hat. Bildquellen: Instagram

Diet Prada zeigt wer bei wem Inspiration fand, oder gar komplett kopiert hat. Bildquellen: Instagram

Einige werden entsetzt sein, andere inspiriert, andere werden sich amüsieren. Denn trotz aller Plagiate, sollte der Spaß an der Mode nicht zu kurz kommen – das weiß auch Diet Prada und beweist auf dem Account trotz all der kritischen Beobachtung auch viel Humor, wenn es darum geht, die Inspirationsquelle einiger Designer*innen aufzuzeigen.

Wir finden: Nach wie vor ein schwieriges Thema, das von vielen Seiten betrachtet werden kann und auch sollte. Von Designer*innen, Künstler*innen, kleinen Marken, großen Marken und der konsumierenden Masse. Ein Thema, das immer wieder für Aufruhr sorgen wird, immer ein Part des großen Moderummels sein wird. Am Ende bleibt nur ein: was und vor allem wo wir kaufen – ob Original oder Kopie – das entscheidet jeder für sich selbst.

Wenn Cartoons inspirieren. Diet Prada beobachtet nicht nur kritisch sondern beweist auch Humor.

Wenn Cartoons inspirieren. Diet Prada beobachtet nicht nur kritisch sondern beweist auch Humor.

Stefan ist tapferes Schreiberlein, Stylist und Schöngeist. Seine Vorliebe für die Farbe Schwarz reicht von seinem Kater Jasper über Mode bis hin zum Schwerpunkt seines Kunstgeschichtsstudiums. Er sammelt Docs, hat ein Faible für Bundfaltenhosen, trägt jedoch trotz seines Nachnamens nie eine Uhr.