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Ich bin HPV positiv

Alle Jahre wieder kommt der Krebsabstrich beim Frauenarzt. Reine Routine. War immer allet jut. Bis jetzt – die Zellen sind auffällig. Habe ich jetzt Krebs? Ich muss zur Spezialsprechstunde. Diagnose: HPV positiv.

Was ist eine Dysplasie?

Seit über einem Jahr sind die Zellen in meinem Gebärmutterhals auffällig. Meistens heißt das nichts. Das sind Veränderungen, die sich oftmals mit der Zeit zurückbilden. Nicht so bei mir. Ich bekomme eine Überweisung zur Dysplasiesprechstunde. Das ruft erst einmal ziemlich gemischte Gefühle in mir hervor. Was, wenn hierbei wirklich Krebs diagnostiziert wird?

Als Dysplasie wird eine Fehlbildung bezeichnet, allerdings sind das noch rückbildungsfähige Veränderungen von Zellen, Geweben und Organen. Dysplasie kann in einigen Fällen eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs sein. Das Gute: Diese Vorstufen sind zu 100% heilbar und können sich zum Teil sogar von selbst zurückbilden. Weitere schwerwiegende Vorstufen können sich zu Krebs entwickeln, sie müssen therapiert werden. Normalerweise braucht es Jahre, bis sich eine Krebsvorstufe entwickelt. In den meisten Fällen bleibt also genug Zeit, um Dysplasien zu erkennen und zu therapieren. Deshalb schon hier der Aufruf: Lasst euch regelmäßig checken.

Die Dysplasiesprechstunde

Die Dysplasiesprechstunde führt nicht meine Gynäkologin durch, dafür muss ich in eine spezielle Praxis. Hier wird eine Kolposkopie durchgeführt, sprich, die betroffenen Bereiche werden unter der Lupe untersucht und Gewebeproben entnommen. Mit geht der Arsch, Verzeihung, der Uterus, richtig auf Grundeis. Allein bei der Vorstellung, dass jemand mit einem Schneidewerkzeug in meiner Vagina rumfuchtelt, möchte ich schreiend wegrennen.

Die Ärztin ist in meinem Alter, supernett und verständnisvoll. Ich bekomme eine 3D-Brille und sehe meinen Gebärmutterhals in Überlebensgröße auf dem Bildschirm vor mir. Es gibt schönere Anblicke… Für die Kolposkopie wird der Muttermund mit einer Essigsäurelösung betupft, das kann zu leichtem Brennen führen. Durch die Säure werden Zellveränderungen sichtbar. Ich sehe weißliche Punkte, also Auffälligkeiten, die nun diagnostisch gesichert werden müssen. Mit einer kleine Zange wird in einer so genannten Knipsbiopsie Gewebe entnommen.

Schwierig, sich zu entspannen, wenn so ein Ding in einem drin steckt. Aber was soll ich sagen: Die Untersuchung war komplett schmerzfrei. Es hat nicht einmal gebrannt. Was ich auch erst jetzt weiß: Der Gebärmutterhals ist nahezu schmerzunempfindlich. Ab jetzt heißt es: zwei Tage lang nicht baden und kein Sex – schaff ich. Kleine Schmierblutungen können vorkommen, sind aber vollkommen ungefährlich.

Jetzt werden die Proben untersucht und ich bekomme in wenigen Tagen Bescheid.

hpv virus

Wonder Wombman von Wenceslao Almazan

Was ist HPV?

Bis wir uns mit der finalen Diagnose befassen, kommen wir doch einmal zu HPV. Eine Ansteckung mit Humanen Papillomaviren (HPV) ist gerade bei jungen Frauen besonders häufig. Das Hautzellenvirus kommt so oft vor wie eine gewöhnliche Erkältung. Es wird über Schleimhautkontakt übertragen und kann in einigen Fällen, nämlich bei einer Infektion mit einem so genannten Hochrisiko-Virus, zu Dysplasien führen. Wenn eine solche Infektion lange im Körper bestehen bleibt, ist die Entwicklung einer Krebsvorstufe möglich. Als Betroffene merke ich die Infektion nicht. In über 70% der Fälle heilt die Infektion auch innerhalb eines Jahres komplett aus. Acht von zehn Frauen im Alter von 50 Jahren hatten einmal im Leben eine HPV-Infektion.

Nahezu jede*r, der Sex hat oder hatte, kann mit dem Virus infiziert werden, selbst wenn es nur mit einem Partner war, der vorher einen anderen Partner hatte. Das gilt für sämtliche Geschlechtervorlieben, ob schwul, lesbisch, bi. Wir Frauen kennen alle den Pap-Test beim Frauenarzt, der Veränderungen feststellen soll. Viele wissen jedoch nicht, dass HPV die Ursache für diese Veränderungen ist.

Bei Männern besteht ein geringeres Risiko der Entwicklung abnormaler Zellen. Das liegt an der äußeren Genitalhaut, die nicht so anfällig ist wie der weibliche Gebärmutterhals, selbst wenn HPV über längere Zeit dort besteht. In einer Beziehung besteht nicht das Risiko, dass ihr euch gegenseitig das Virus immer wieder zuspielt. Es geht bei der Entwicklung von abnormen Zellen mehr darum, ob das Virus weggeht oder über längere Zeit verbleibt.

Wie geht es weiter?

Meine Ergebnisse sind da. Es wird die Diagnose einer „CIN“ (= zervikale intraepitheliale Neoplasie) gestellt.

  • CIN 1 steht für noch frühe, aber kontrollbedürfte Befunde
  • Bei CIN 2 sind noch spontane Heilungen ohne Behandlung möglich, wenn auch seltener
  • CIN 3 sind fortgeschrittene Krebsvorstufen: Der betroffene Bereich sollte chirurgisch entfernt werden

Ich bin CIN 2 und der nächste Frauenarzttermin ist gemacht. Wir warten mit einer Operation noch ab. Sollte das Gewebe herausgeschnitten werden, bietet sich danach eine Impfung gegen HPV an. Ich hoffe immernoch, dass eine spontane Heilung eintritt. Man darf gespannt sein.

 

Vreni ist Maître d'Internet, Sinnfluencer und trägt ihr Herz auf der Zunge. Seit fast einem Jahrzehnt bloggt sie sich durchs WWW und widmet sich mit Herzblut auch kritischen Themen in ihrer Branche.