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Die Hundetrainerin für den Problemkater

Willi nervt – aber so richtig. Bengalen sind einfach wahnsinnig laut und sobald Kater Willi vor einer geschlossenen Türe steht, muss er seinem Ärger in extremer Lautstärke Luft machen. Meine Freundin Sandra arbeitet als Hundetrainerin – hat sie auch für Willi eine Idee? Lest selbst…

Ein entspannter und fairer Umgang zwischen Vier- und Zweibeinern ist Sandra Schöneich besonders wichtig. In ihrem Hundehafen sollen sich alle wohl fühlen. Sandra ist Diplom-Biologin, Verhaltensberaterin sowie zertifizierte (Aggressions-) Hundetrainerin. Ihr Spezialgebiet ist innerartliches Sozialverhalten, aber auch Erziehung, Auslastung und Betreuung.

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Die 12-jährige Hündin Kessi fühlt sich pudelwohl neben Flips Lieblingsspielzeug…

Die Hundetrainerin als Katzenexpertin

Für Sandra und mich war es besonders spannend, unsere Vierbeiner einmal zusammenzuführen. American Staffordshire Terrier Kessi ist wahnsinnig lieb und entspannt. Mein Kater Willi ist beim Züchter mit Hunden groß geworden und sollte eigentlich cool reagieren – tat er auch. Kessi war das jedoch zu cool und sie quittierte seinen ersten, schnellen Annäherungsversuch mit Knurren und Bellen. Danach waren die Fronten geklärt und Willi hat entspannt seinen Lebensraum besetzt – einer muss es ja machen. Apropos, wo steckt eigentlich Flip? Der ward für Stunden nicht gesehen, kaum hatte Kessi die Wohnung betreten. Begegnung? Fehlanzeige. Sonst reißt er ja grundsätzlich seine Schnute laut auf, aber wir wissen ja alle, was da oftmals dahintersteckt…

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Zurück zum Eingemachten, wir saßen ja nicht (nur) zum Spaß zusammen. Willi raubt mir tatsächlich den Schlaf, weil es ein Zimmer gibt, in das er nicht darf. Es handelt sich dabei um unser Gästezimmer, das aus Respekt vor Freunden, die allergisch sind, katzenhaarfrei bleiben soll. Willi sieht das aber so gar nicht ein und schreit diese Türe täglich an, springt an die Türklinke (ja, er kann Türen öffnen) und macht Randale. Jeden. Einzelnen. Tag.

Wir haben alles versucht: Schimpfen, Loben bei Ruhe, Wasser, schrille Töne und und und. Der Kater hört nicht auf. Von Sandra lerne ich, dass ich zu inkonsequent bin – klares Ergebnis meiner Faulheit.

Der Kater nervt – was tun?

Willi liebt Klickertraining, das ist eine Konditionierung auf ein Geräusch in Verbindung mit einer Aktion. Willi macht Sitz, Platz, High-Five, Low-Five, dreht sich im Kreis und springt durch einen Reifen. Laut Hundetrainerin Sandra ist er eine Intelligenzbestie – das habe ich auch schon oft festgestellt. Wichtig beim Klickertraining ist, dass der Kater nicht die Lust verliert, deshalb sollten die Einheiten kurz sein.

Klappt die Konditionierung auch mit der Türe? Wie hört Willi auf zu Schreien? Sandra sagt ganz klar, dass ein Hund oder eine Katze mit einem unerwünschten Verhalten nicht zum Erfolg kommen darf. Die Türe aufzumachen wäre also komplett falsch. Es ist wichtig, zu verstehen, dass das Tier nicht weiß, dass sein Verhalten unerwünscht ist. Willi schreit also nicht, um mich zu nerven, sondern weil er weiß, dass sein Verhalten schon einmal zum Erfolg geführt hat – warum also es nicht weiter versuchen?

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Wenn Willi vor der Türe sitzt und miaut, darf ich nicht nachgeben und ihn doch mal ins Zimmer linsen lassen. Willi hat die Erinnerung, dass früher mit ihm intensiv in diesem Zimmer gespielt wurde, das könnte auch eine Verknüpfung sein – es wäre ja möglich, dass da drinnen heimlich ohne ihn gespielt wird. Tatsächlich maunzt er fast nur, wenn jemand sich in dem Zimmer befindet.

Wenn euer Tier also nervt, dann führt doch einmal Protokoll. Was war los an dem Tag? War Besuch da? Gab es anderes Futter? Ein solches Protokoll kann schon viele Lösungen liefern.

Einen Bengalen zu erziehen, ist nicht leicht, aber es hat bisher mit allem funktioniert, bis auf das Herumgeschreie. Willi springt nicht auf den Tisch, nicht auf das Sideboard im Wohnzimmer, nicht auf die Küchenzeile, bettelt nicht, er kratzt nicht an den Möbeln und kann ein absolutes Herzchen sein. Dummerweise steckt die Spielzimmer-Erinnerung in ihm fest und da hilft wirklich nur Geduld und vor allem ein konsequentes Eingreifen meinerseits (hüstel…). Sobald der Kater also vor der Türe sitzt und maunzt, fliegt er raus. Jedes Mal für 5 Minuten. Das hat mit allem anderen funktioniert, das muss doch auch jetzt helfen. Er muss auf sanfte Art lernen, dass das Zimmer nicht mit etwas positivem Verknüpft ist. Ich drücke allen, die hier wohnen, die Daumen.

Miau.

Vreni ist Maître d'Internet, Sinnfluencer und trägt ihr Herz auf der Zunge. Seit fast einem Jahrzehnt bloggt sie sich durchs WWW und widmet sich mit Herzblut auch kritischen Themen in ihrer Branche.