TOP
Helden

Helden – wer sind sie und was macht sie aus?

Held*innen – immer wieder retten sie Menschen aus brenzlichen Situationen oder gleich die ganze Welt vor ihrem Untergang. Aber wer steckt hinter ihnen? Wir haben euch gefragt, wer eure Helden & Heldinnen sind und was es ausmacht eine/r zu sein.    

Machen wir uns auf die Suche nach Held*innen, landen wir meist unvermeidlich in der Vergangenheit. Dort angekommen, wirken die Held*innen aus alten Tagen auf uns eigentlich eher wie Märtyrer. Zumindest wenn es nach Joachim Bessing geht, Schriftsteller und Redakteur des Magazins Numero Homme Berlin, das sich in einer gesamten Ausgabe dem Thema Helden widmet.

Davon inspiriert, kommen wir nicht drumherum uns zu fragen, was wahres Held*innentum ist? Schließlich sind Held*innen „[…] mittlerweile vor allem aus Fantasyfilmen bekannt und werden deshalb nur dann erkannt, wenn sie Häuser und Berge besteigen. Im Kino retten Helden die ganze Welt, die allein deshalb unterzugehen droht, damit ein Held sie davor bewahren kann.“  Recht hat er, der Herr Bessing! Würden wir sie also vielleicht gar nicht erkennen, wenn sie eines Tages einfach so auf der Straße oder im Späti vor uns stehen? Schließlich steckt nicht jeder von ihnen in einem Spider Man oder Wonder Woman Kostüm.

Helden

I need a SHEROOOOOO! Illustration von Maria Brandenburg für neverever.me

Antike Helden – Mythologie der Muskelprotze

Irgendwie müssen wir Held*innen doch erkennen können, schließlich gab es auch eine Zeit ohne eine Welt voll mit Marvel-Helden und DC-Heldinnen. Wo genau kommen sie also her, unsere Vorstellungen von Held*innen? Wieder einmal begeben wir uns auf eine äußerst lange Zeitreise und treffen dabei auf antike Heroen und Heroinen. Gewissermaßen die ersten Held*innen der Geschichte. Sie köpfen Drachen, besiegen Riesen oder töten andere Ungeheuer. Was man eben so  macht, um immer wieder Menschen aus ihren Notlagen zu retten. Hierbei gibt es sogar eine klare Favoritin: die Jungfrau. Ja, wer hätte es gedacht, die griechische und römische Mythologie strotzt nur so vor halbgöttlicher Männlichkeit, die Frauen rettet. Keine Sorge, das antike Griechenland hat auch seine Heldinnen. Schon mal etwas von Iphigenie gehört?

Dramen und andere tragische Fälle

Sie ist so etwas wie ein kleiner Star unter ihren heroischen Kolleginnen. Kein Wunder also, dass ihre Geschichte seit der Antike immer wieder eine Neuauflage findet.  Man muss sie nicht kennen, um zu befürchten, dass ihr Leben einem dramatischen Schicksal ausgesetzt ist. Ja, das Drama. Beliebt unter den Schriftsteller*innen, nicht unbedingt bei jungen Leser*innen (wir alle kennen das). Gern hätten wir damals besser aufgepasst im Deutschunterricht, aber wir waren alle zu sehr mit unseren eigenen Dramen beschäftigt. Unser Leben war schon ohne die Lektüre das reinste Trauerspiel. Die Pubertät lange hinter uns gelassen, schauen wir heute einmal genauer hin und stellen fest, dass im Mittelpunkt einer jeden Tragödie ein aussichtsloser Konflikt steht, der uns den unvermeidbaren Untergang des/der tragischen Held*in vor Augen führt. Dominierten hier einst Auseinandersetzungen zwischen (Halb-)Gött*innen und Menschen, verschiebt sich (eine Jahrhunderte später wohlgemerkt) der Konflikt mit dem bürgerlichen Trauerspiel in einen Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft. Ein/e Held*in ist nun nicht mehr nur, wer göttliche Wurzeln hat.

Auch noch lange Zeit nach unseren griechischen Heroen, ist es also eher den Männern vorbehalten, lediglich durch ihr Geschlecht und die damit verbundenen Attribute, heroische Taten vollbringen zu können. Es sind literarische Werke wie „Kabale & Liebe“, die das Bild einer jungen Frau als Heldin zeichnen. Eine Heldin, hin und hergerissen zwischen ihren ethischen Werten und den ihr von der Gesellschaft auferlegten Geboten. Private Konflikte und Familienprobleme führen zum inneren Kampf zwischen den Wünschen anderer und ihren eigenen. Situationen, die wir allen in unserem Leben schon einmal erlebt haben. Sie sind der Schlüssel zur Antwort auf unsere Frage: Wer sind Held*innen und was macht sie dazu?

„I can be your shero, baby!“ – Mütter als die wahren Superheldinnen

Wir wollten von euch wissen, was für euch eine/n Held*in ausmacht. Haben euch gefragt, wer euer/eure ganz persönliche/r Held*in ist. Es sind Menschen, die immer da sind, wenn andere sie brauchen. Menschen, die anderen Mut machen, ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen und ihre Kräfte teilen. Jene, die ihre Mitmenschen zum Nachdenken anregen. Andere, die – ohne großes Aufsehen erregen zu wollen – im Hintergrund alles zusammen halten. Und jene, die andere pflegen und durch schwere Zeiten begleiten. Wieder andere sind ihr ganz eigene/r Held*in, weil sie sich in ihrem Leben trotz vieler Schicksalsschläge von nichts und niemandem unterkriegen lassen. Unerschrocken und liebevoll zu sich selbst stehen, ohne sich dabei über andere erheben zu müssen.

Beim Lesen bemerkten wir schon nach nur wenigen Antworten eine starke Tendenz. Am Ende gab es eine große Übereinstimmung. Mütter. Sie sind eure wahren Heldinnen. Sie sind immer da, auch ohne anwesend zu sein. Geben uns Sicherheit und Geborgenheit. Wissen Dinge meist bevor wir es selbst überhaupt erahnen können. Geben uns Mut und unsere Kraft zurück, wenn wir sie verloren haben. Andere kämpfen sich alleinerziehend für ihre Kinder durch ihr Leben. Frauen, die durch ihre Liebe und Hingabe zum Vorbild der eigenen Kinder werden. Mütter, Großmütter, Urgroßmütter, alle Frauen sind Heldinnen. Und wer ist die Heldin vom Mama? Der heldenhafte Nachwuchs.

Helden

Eure Antworten auf Vrenis Instagram-Umfrage: Wer sind eure Held*innen? Und was macht sie dazu?

Heute schon die Welt gerettet?

„Echte Helden haben es heute nicht schwerer als vor 2000 Jahren, Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen.“  Wir alle können Spider Man und Wonder Woman sein und müssen dafür nicht einmal die ganze Welt vor ihrem Untergang retten. Dies hat auch Mamoudou Gassama beweisen. Der 22-jährige, der im letzten Jahr zum Held von Paris wird. Als er sieht wie ein kleines Kind von einem Balkon im 4. Stock zu stürzen droht, überlegt er nicht lang. In einer „waghalsigen Kletteraktion“ hangelt er sich von Balkon zu Balkon und kann den vierjährigen Jungen in Sicherheit bringen. Ein Held wurde erkannt. Ganz ohne Kostüm. Er selbst wird für seine Heldentat belohnt: der illegal nach Frankreich eingewanderte Malier ist heute offiziell eingebürgert und unterstützt die Pariser Feuerwehr.

Wenn ihr es noch nicht seid, macht es Mamoudou nach und werdet der Held oder die Heldin eurer ganz eigenen Geschichte. Denn wir wissen jetzt, dass wir keine Halbgötter oder Göttinnen sein müssen, um heldenhafte Taten vollbringen zu können. Heute schon die Welt gerettet?

Stefan ist tapferes Schreiberlein, Stylist und Schöngeist. Seine Vorliebe für die Farbe Schwarz reicht von seinem Kater Karl über Mode bis hin zum Schwerpunkt seines Kunstgeschichtsstudiums. Er sammelt Docs, hat ein Faible für Bundfaltenhosen, trägt jedoch trotz seines Nachnamens nie eine Uhr.