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Gut schaust du aus!  – Alltagssexismus und seine Grenzen

Sexismus begegnet uns jeden Tag. Wir (Frauen) sind umgeben von diskriminierenden Aussagen und merken es nicht mal, denn wir sind damit aufgewachsen. Alltagssexismus wurde uns als Norm der Gesellschaft anerzogen. Umso wichtiger ist es, ihn jetzt zu durchschauen.

Ich hatte als Kind (und junge Frau) das Gefühl gleichberechtigt behandelt zu werden und auch die gleichen Chancen wie die Jungs zu haben. Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, wie oft ich doch auf mein Geschlecht reduziert wurde. Das häufige Ansprechen auf mein  Äußeres, „Gut schaust du heute aus!“, während mein Bruder gefragt wurde, wie es in der Schule läuft, ist nur ein banaler Punkt, der im Nachhinein aber gar nicht so banal ist. Es ist verrückt, wie sehr wir schon als Kinder auf Äußerlichkeiten achten, und bei Mädchen deutlich mehr als bei Jungs. Wir streben nach Schönheit, weil uns eingetrichtert wird, dass Mädchen (und Frauen) vor allem für ihre Schönheit bewundert werden. Dabei sollte das Äußere doch total belanglos sein.

alltagssexismus

Als Teenager habe ich gekellnert, um mein Taschengeld aufzubessern. Wie oft ich von den männlichen Gästen einen unangebrachten Spruch ins Ohr gesäuselt bekommen habe, kann ich gar nicht mehr aufzählen. Wenn ich mich darüber ausgelassen habe (und das kam sehr selten vor, denn als Frau will man ja nicht anstrengend sein) kamen Antworten wie „Ist halt so, die sind betrunken.“ oder „Nimm es doch als Kompliment.“.

Geschlechterrollen – Wünsche und Bedürfnisse

Es ist schon komisch, zum einen werden uns Gechlechterrollen von Beginn an vorgelebt, oftmals ohne dass wir sie hinterfragen und zum anderen füllen wir diese Rollen dann aus und denken, das seien unsere Wünsche und Bedürfnisse. Vermutlich ist das Hinterfragen der eigenen Wünsche und den daraus resultierenden Handlungen der Schlüssel, um sich von äußeren Erwartungen und auferlegten Rollen freizumachen.

Alltagssexismus begegnet uns überall

Im Alltag gelingt mir das mal mehr und weniger, denn es geht nicht nur um die großen Fragen wie Lebensmodelle, sondern auch um Kleinigkeiten, die ein Denken in Geschlechterstereotypen fördern. Frauen machen das, Männer dies – was für eine doofe Kategorisierung. Beim Einkaufen ist es das rosafarbene Shirt für Mädchen auf dem cute girl steht und das blaue Shirt für Jungs mit der Aufschrift Abenteurer, da ist der doofe Spruch beautiful girl, der einem hinterhergerufen wird (#catcalling), da ist das angeblich gut gemeinte „Lächle doch mal“, das mich jedes mal zur Weißglut bringt. Die Scheuklappen, die wir tragen, abzulegen und zu versuchen all die Kleinigkeiten wahrzunehmen, ist so wichtig! Wie können wir sonst erkennen, dass wir aufgrund unseres Geschlechts benachteiligt werden? Wie können wir sonst darüber wütend werden, wenn er uns gar nicht auffällt, der Alltagssexismus?

Alltagssexismus

Ich habe in meinem weiblichen Freundeskreis gefragt, ob ihnen in der letzten Woche eine Situation aufgestoßen ist. Innerhalb von wenigen Minuten wurden mir folgende drei Begegnungen geschildert:

  • Der Chef, als es darum ging, ob wir Balkonplfanzen haben wollen, „..dann können sich Sofie, Brigitte und Anna darum kümmern.“ Und ich so: „Warum nicht Anton?“
  • „Ich bin Architektin“ – „Ach so, Innenarchitektin?“
  • Habe mich auf einem Uni-Event länger mit einem älteren Professor unterhalten und zum Abschied folgenden Spruch gedrückt bekommen: „Die Haare hast du heute aber besonders schön.“

Die Grenzen des Sexismus sind da, wo wir unsere Grenzen ziehen. Wenn wir nicht aufmerksam durchs Leben gehen und unsere Augen schulen, dann wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Um den Alltagssexismus in die Schranken zu verweisen, müssen wir unsere Grenzen ziehen und Menschen darauf hinweisen, indem wir sagen, „So geht das nicht!“.

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.