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Sterben die Berliner Großstadt-Bienen?

Die Bienen sterben. Besonders betroffen sind die Wildbienen. Die Honigbiene hingegen scheint eine große Lobby zu besitzen. Wir haben mit einem Großstadt-Imker gesprochen.

Lebensraum der Insekten schwindet immer mehr

Das große Bienensterben hat unterschiedliche Gründe, über die Wissenschaftler*innen heute intensiv diskutieren. Als ausschlaggebend wird der Gebrauch von Pestiziden, vor allem Neonicotinoide, genannt. Das Insektizid wirkt wie ein Nervengift, wodurch sich die Insekten nicht mehr orientieren können. Auch die Monokultur in der Landwirtschaft wird als Grund aufgeführt. Zum einen weil dort Pestizide eingesetzt werden, aber auch weil der Lebensraum der Insekten dadurch verschwindet. Die Wildbiene bevorzugt eine Nahrungsvielfalt, die in den wirtschaftsorientierten Monokulturen nicht mehr gegeben ist. Dann gibt es noch die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe, die ganze Bienenvölker befällt und Krankheitserreger überträgt.

Bio-Bienen in Berlin

Letztendlich tragen all diese Faktoren zum Sterben der Hautflügler bei. Wie wichtig diese für unsere Umwelt sind, darüber sind sich die Forscher*innen alle einig. Auch in Berlin gibt es einige Imker-Vereine, die vor allem die Kärntner Biene, eine entstandene Unterart der Westlichen Honigbiene, züchten. neverever.me hat mit Malte Eismann, Bio-Imker aus Neukölln, über seine Leidenschaft die Bienenzucht gesprochen.

Bienen

neverever.me: Hallo Malte, wie bist Du zur Bienenzucht gekommen?

Malte: Vor 13 Jahren habe ich einen Imker getroffen, der mir die Welt dieser Tiere näher gebracht hat. Kurz darauf habe ich von ihm das erste Volk erhalten. Und so wuchs mein Bestand dann von Jahr zu Jahr weiter.

neverever.me: Wie viele Bienen hast du mittlerweile?

Malte: Im Winter circa 10.000 pro Volk und im Sommer ungefähr 60.000, insgesamt 70 Völker.

neverever.me: Was fasziniert dich an den Tieren?

Malte: Jedes Mal, wenn ich die Beute, also die Behausung, öffne, lerne ich etwas dazu. Die Bienen sind meine Lehrer*innen.

Bienen

neverever.me: Was für Bienenarten züchtest du?

Malte: Ich züchte eine Stadtbiene, die mit der eigentlichen Kärntner Biene nichts mehr zu tun hat. Auslesekriterien sind Verteidigungsbereitschaft, Honigertrag sowie Hygieneverhalten. Durch die jahrelange sogenannte Standbegattung (Die Zucht von Königinnen auf dem eigenen Stand) habe ich alle möglichen Einflüsse von in der Stadt gehaltenen Rassen in meinen Königinnen. Ich bezeichne sie gerne als Neuköllner Landrasse (lacht).

neverever.me: Wir haben gelesen, dass die Varroamilbe für große Verluste sorgt. Glaubst du, dass die Milbe für das viele Sterben verantwortlich ist?

Malte: In der Regel ist der Imker schuld, der das Varrora-Problem mit biologischen Verfahren sowie organischen Säuren entschärfen oder gar beseitigen kann.

neverever.me: Das große Bienensterben bezieht auch die Wildbienen mit ein, was sind hierfür die Gründe?

Malte: Das liegt vor allem an der Klimaveränderung, an der Umweltverschmutzung und auch an der Flächenversiegelung, also am Versiegeln von natürlichen, ökologischen Flächen – somit verschwindet der Lebensraum der Wildbiene.

neverever.me: Was sind für dich die Herausforderungen in der Bienenzucht?

Malte: Vor allem das Klima. Klima hat immer großen Einfluss auf die Landwirtschaft. Je nach Klima produziere ich auch unterschiedlichen Honig wie Akazienhonig, Wabenhonig, Sommerblütenhonig oder Lindenhonig.

neverever.me: Dein Honig ist ein Bio-Produkt. Was für Kriterien musst du erfüllen um biologisch zu imkern?

Malte: Da gibt es einige Kriterien. So müssen die Beuten aus natürlichen Materialien gebaut sein, empfohlen wird Holz. Meine Beuten fertige ich selbst aus Kiefer- und Fichtenleimholz. Außerdem darf die Varroamilbe nur mit natürlichen Säuren behandelt werden. Es geht vor allem darum, nicht nur ein ökologisches Endprodukt zu haben, sondern auch eine tier- und umweltschutzgerecht Herstellung zu gewährleisten.

neverever.me: Wo können wir deinen Honig kaufen?

Malte: Da gibt es einige Läden, zum Beispiel die Bio Company in Neukölln und Kreuzberg oder in der Biosphäre Neukölln. Eine Übersicht ist auf meiner Website zu finden.

neverever.me: Vielen lieben Dank Malte für das nette Gespräch!

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.