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Ethisches Gold? Über Nachhaltigkeit in der Schmuck Industrie

Gold. Für viele Menschen der Inbegriff von wahrem Luxus und der profitabelsten Investition. Wie nachhaltig das Edelmetall produziert wird, schien bisher keine große Rolle zu spielen. Wir waren bei Chopard und haben nachgefragt: Gibt es ethisches Gold?

Frühstück bei Tiffany’s, ach nein, heute gibt es kein Croissant mit Kaffee vor dem Schaufenster. Wo wir heute sind? Bei Chopard. Die 1860 gegründete Schweizer Manufaktur zählt heute zu einen der weltweit erfolgreichsten Produzenten von Schmuck und Uhren. Grund dafür sind sowohl die zum Teil in hochwertiger Handarbeit gefertigten Schmuckkollektionen, als auch die einzigartigen Uhren aus der firmeneigenen Uhrenmanufaktur. In diesem Jahr verpflichtete sich der Hersteller zu der Verwendung von Gold aus 100% ethischen Quellen. Letzte Woche hat Chopard für uns den grünen Teppich ausgerollt und zum Gespräch mit Co-Präsidentin Caroline Scheufele und Creative Direktorin Livia Firth von Eco-Age geladen. Thema? Nachhaltiger Luxus!

ethisches Gold

(v.l.n.r.) Caroline Scheufele, Co-Präsidentin von Chopard und Livia Firth, Creative Direktorin von Eco-Age haben zum Gespräch in der Berliner Chopard Boutique geladen. Bildquelle: Chopard Press

Geht es um erstklassigen Schmuck, sprechen wir über hochwertige Materialien und kommen kurzerhand zum Thema Gold. Mit gutem Gewissen – vielleicht sogar mit ein wenig Stolz auf unsere Klunker – tragen wir Goldketten, goldene Armbänder oder einen Goldring an unserem Finger. Egal ob selbst gekauft, geerbt oder geschenkt bekommen, wir tragen unsere Schmuckstücke viele Jahre – wahrscheinlich ohne uns je die Frage gestellt zu haben, ob es ethisches Gold ist, das wir da tragen.

Das Kapitel Nachhaltigkeit

Wann ist Gold ethisch? Der Goldpreis boomt und hat die Welt in einen regelrechten Goldrausch versetzt. In all der Ekstase haben wir vergessen zu fragen, woher unser Gold kommt. Wo wird es abgebaut? Wer baut es eigentlich ab? Geht es diesen Menschen gut? Geht es um Mode, ist die Problematik um eine nachhaltige Herstellung bereits in den großen Fragenkatalog aufgenommen. Nun ist es an der Zeit, dass auch bei der Schmuckproduktion genauer hingeschaut und nachgefragt wird. Denn was viele nicht wissen: für die Gewinnung von Gold werden häufig giftige Schadstoffe eingesetzt und die Abbaubedingungen sind oftmals menschenunwürdig. Wir fragen uns also, ob es so etwas wie Gold mit einem gutem Gewissen gibt?

Es ist nicht alles (ethisches) Gold, was glänzt

Nehmen wir unseren Goldring doch einmal genauer unter die Lupe. Wer stand am Beginn dieses Schmuckstückes? Wie nachhaltig mag unser Gold wohl sein? Es fallen rund 20 Tonnen Rückstände für den Abbau von Gold an. Einen Großteil davon bilden giftige Chemikalien wie Quecksilber, Blei, Arsen oder Zyanid. Alles andere als nachhaltiges Gold. Warum die Schadstoffe eingesetzt werden? Der Goldmarkt hat Hochkonjunktur. Aus diesem Grund finden sich immer mehr Menschen, die im Goldabbau das große Los sehen. Vor allem Einzelpersonen aus dem meist ärmlichen Umland. Kleinen Firmen folgen große Konzerne in die Abbaugebiete. Die Anzahl der Goldminen wächst und mit ihnen auch die illegale Goldindsutrie. Bergarbeiter*innen vieler Goldminen vermischen die Chemikalien (meist Quecksilber) mit dem Gestein aus dem Boden zu einer Legierung, auch bekannt als Amalgam. Um das Gold herauslösen zu können, wird diese Masse nun erhitzt. Hierbei entstehen die giftigen Gase und ein Großteil der Chemikalien landet in den Wasserläufen. Ganz nebenbei bemerkt: Amalgam muss in Deutschland als Sondermüll entfernt werden.

ethisches Gold

Arbeiter einer als Fairmined zertifizierten Goldmine. Bildquelle: Chopard Press

Die dunkle Seite des goldenen Glanzes

Die Folge? Nicht nur die Umwelt erleidet folgenschwere Schäden. Die Bergarbeiter*innen der Goldminen tragen zu viel Quecksilber in ihrem Körper. 78% der Bevölkerung, die an die Wasserversorgung angeschlossen ist, leidet unter starken gesundheitlichen Folgeschäden. Doch damit nicht genug. Die illegale Goldindustrie bringt weitere schwerwiegende Folgen mit sich. Schockierend ist der Anstieg von Gewaltverbrechen, Kinderarbeit und Prostitution.

Förderung von fairem Gold

Was heißt es also, wenn ein Unternehmen sich dazu verpflichtet, zu 100% ethisches Gold zu verwenden? Gibt es demnächst auch Gold aus regionalem Abbau? Das nicht, aber aus fairem Abbau und schon jetzt. Chopard unterstützt mit „Journey to Responsible Luxury“ eine Initiative, die Goldminen in Lateinamerika auf ihrem Weg zu einer sogenannten Fairmined-Zertifizierung fördert. Faire Goldminen? Dabei handelt es sich um eine Zertifizierung, die nur erhält, wer strenge Arbeitsvorschriften – wie das Verbot von Kinderarbeit – einhält, soziale Entwicklungskriterien erfüllt und der Umweltschutz beim Abbau des Goldes nachgewiesen werden kann. Haben Minenarbeiter*innen bisher nur Geld bekommen, wenn sie Gold gefunden haben, bedeutet Fairmined ein monatliches festes Einkommen. Wie hoch dieses ist, das wissen wir jedoch nicht. Mit Hilfe von Chopard konnten einige kleine Goldminen dieses Status bereits erlangen. Die Manufaktur unterstützt sie bei sozialen Themen, Umweltangelegenheiten und dem Bau neuer Aufbereitungsanlagen.

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Nachhaltig – seit 2018 verwendet Chopard ausschließlich faires Gold für die Schmuck- und Uhrenproduktion. Bildquelle: Chopard Press.

Chopards Gold mit gutem Gewissen

Diese geförderte Goldschöpfung macht es Chopard möglich, ethisches Gold zu verwenden und verantwortungsbewusste Schmuckkollektionen und Uhren herzustellen. Erklärte man 2013, dass man in Zukunft auf Nachhaltigkeit setzen werde, war Chopard bereits 2017 der größte Einkäufer von Fairmined Gold. Seit Juli 2018 wird das für Schmuck und Uhren von Chopard verwendete Gold nur noch aus zwei zu 100% ethisch vertretbaren Quellen bezogen. Zum einen aus kleinen Minen, die Teil der Swiss Better Gold Association (SBGA), der Fairmined und Fairtrade Initiativen sind, und RJC Chain of Custody Gold durch Partnerschaften mit RJC-zertifizierten Affinerien. Innerhalb von 5 Jahren konnte die gesamte Lieferkette erneuert werden. Vision für die Zukunft: Ästhetik muss zu 100% mit Ethik einhergehen.

Der lange Weg zu 100% Nachhaltigkeit

Doch ist die Reise der Nachhaltigkeit hier noch lange nicht vorbei. Was ist mit dem Kristallstein an meinem Goldarmband? Anderen Edelmetallen? Auch andere Materialien für die Schmuck- und Uhrenherstellung müssen unter die Lupe genommen werden. Es ist ein langer Weg zu 100% Nachhaltigkeit. Eine Reise, die nie zu enden scheint. Chopard nutzt seine erfolgreiche Stellung in der Branche und ist als erstes Unternehmen einen großen Schritt nach vorne gegangen.

Nachdem Modefirmen schon seit einigen Jahren auf Nachhaltigkeit setzen, ist Chopard weltweit eines der ersten Unternehmen, die sich für ethisches Gold einsetzen. Momentan noch ein Einzelkämpfer, bleibt nur die Hoffnung, dass das faire Gold die gesamte Branche bald in noch mehr im Glanz erstrahlen lässt. Selbst wenn nachthaltiger Luxus irgendwann flächendeckend zur neuen Verkaufsstrategie wird, ist den Menschen, die in dieser Industrie arbeiten und unserer Erde sehr geholfen.

Stefan ist tapferes Schreiberlein, Stylist und Schöngeist. Seine Vorliebe für die Farbe Schwarz reicht von seinem Kater Jasper über Mode bis hin zum Schwerpunkt seines Kunstgeschichtsstudiums. Er sammelt Docs, hat ein Faible für Bundfaltenhosen, trägt jedoch trotz seines Nachnamens nie eine Uhr.