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Gewohnheiten

Gewohnheiten – Wie wir uns selbst neu programmieren können

Wir alle haben einen Autopiloten, der uns durch den Alltag navigiert und unser Handeln maßgeblich beeinflusst. Diese Gewohnheiten, egal ob negativ oder positiv, lassen sich jedoch bewusst ändern. Wir können uns quasi selbst neu programmieren.

Gewohnheiten – das Gerüst für den Alltag

Unser tägliches Handeln wird durch Gewohnheiten bestimmt. Anders würden wir es gar nicht durch den Tag schaffen, denn unser Gehirn wäre mit all den Informationen schlichtweg überfordert. Zum Beispiel die Morgenroutine. Was passiert als Erstes, wenn du aufstehst? Kaffee, Duschen oder doch der Griff zu den Laufschuhen? Die Routine will unsere Freundin sein, entpuppt sich manchmal aber eher als Feindin. Auch Süßigkeiten, Rauchen, Fast Food oder Nägel kauen sind Gewohnheiten, die wir uns antrainieren und nur schwer wieder loswerden. Dabei unterscheidet unser Gehirn nicht zwischen schlechten und guten Gewohnheiten, sondern ist nur auf die Belohnung aus, die einsetzt, sobald wir der Gewohnheit nachgeben.

Gewohnheit

Jeden Tag ein Stück Schokolade essen oder tägliche eine Runde Joggen? Unser Gehirn bewertet die Gewohnheit nicht. Bildquelle: Charisse Kenion/ unsplash.com

Was ist eigentlich eine Gewohnheit?

Eine Gewohnheit ist eine Verhaltensweise, die automatisiert in einem stabilen Kontext abläuft. Die Zigarette zum Kaffee, die Schokolade am Abend auf dem Sofa liegend oder die morgendliche Yoga-Stunde – all das sind Dinge, die automatisiert ablaufen. Eine Gewohnheit ist also wie ein Trampelpfad. Am Anfang haben wir uns bewusst dazu entschieden, je öfter wir die Gewohnheit wiederholen, umso tiefer wird der Trampelpfad, den wir immer wieder begehen. Diese Routinen helfen uns Energie zu sparen. Müssten wir immer wieder neue Entscheidungen treffen, würde uns das ziemlich überfordern. Die guten Gewohnheiten sind hilfreich, um unsere Ziele und Wünsche zu erreichen. Die schlechten schädigen uns, indem sie unsere Zeit und Energie rauben und unsere Gesundheit belasten. Sie beflügeln oder sabotieren unser Leben.

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Je öfter wir etwas wiederholen, desto mehr prägt sich die Gewohnheit ein. Bildquelle: Simon Matzinger/ unsplash.com

Gewohnheiten ablegen

Zuerst müssen die automatisierten Handlungen erkannt werden, bevor wir sie verändern können. Was sind deine Gewohnheiten – die guten und die schlechten? Welche möchtest du gerne ändern? In der ersten Phase ist es wichtig zu erkennen, welche Reize bei dir die Gewohnheit auslösen. Der Kaffee, der dich immer wieder zur Zigarette greifen lässt oder Menschen in deinem Umfeld, die dich beispielsweise zum Trinken von Alkohol animieren. Um eine Gewohnheit zu ändern, hilft es den Kontext zu ändern. So ist es leichter im Urlaub mit dem Rauchen aufzuhören als im Alltag. Manche Umwelteinflüsse können oder wollen wir jedoch nicht ändern (wie den Freundeskreis). In dem Fall sollte die alte, negative Gewohnheit durch eine neue, positive Gewohnheit ersetzt werden. Unserem Gehirn ist die Art der Gewohnheit egal, Hauptsache es wird anschließend belohnt.

Sich selbst umprogrammieren

Mehrere Dinge können wir tun, damit das Umprogrammieren gelingt. Beginne mit dem Mindset, indem du der alten, schlechten Gewohnheit negative Assoziationen und Gefühle zuordnest. Warum möchtest du damit aufhören? Wie beeinträchtigt die Gewohnheit dein Leben heute und in Zukunft, würdest du nicht aufhören? Auch die persönliche Einstellung (‚Ich schaffe das‘) ist wichtig für den Erfolg. Setze dir dann ein persönliches Ziel. ‚Ich rauche nie wieder!‘ ist für Raucher*innen sehr beängstigend und nimmt direkt zu Beginn den Wind aus den Segeln. Aber ‚Ich rauche heute nicht‘ scheint machbar zu sein.

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Gerade die Gewohnheit des Rauchens aufzugeben, stellt sich für viele als besonders schwierig heraus. Bildquelle: Irina Iriser/unsplash.com

Die anfängliche Motivation ist ein super Motor, um neue Gewohnheiten bewusst auszuüben. Dranbleiben ist die Devise. Je öfter man die neue Gewohnheit ausführt, umso besser prägt man sich diese ein. Ein Zusammenspiel von positiven Gedanken und tatsächlichem Handeln. Beides befruchtet sich gegenseitig und verstärkt die Einprägung der gewünschten Gewohnheit. 

Dabei ist es sinnvoll die neue Gewohnheit in bereits bestehende Routinen einzubauen. Ich stehe jeden Morgen auf und frühstücke, wie die meisten Menschen. Nun nehme ich mir vor, noch vor dem Kaffee eine Runde Joggen zu gehen. Am Anfang hilft die Motivation, danach muss ich mich noch mehrmals überwinden bis es schließlich so automatisiert abläuft, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke und vom Bett direkt in die Laufschuhe steige. Das Überwinden ist die schwierigste Phase. Manchen hilft es, anderen Menschen davon zu erzählen, um einen inneren Druck aufzubauen. Oder ihr verabredet euch mit jemanden, um gemeinsam der neuen Gewohnheit zu frönen. Wie lange es dauert bis eine neue Gewohnheit zur Routine wird, ist sehr unterschiedlich: vier bis acht Wochen, manchmal sogar länger. 

Belohne dich selbst!

Unser Gehirn ist süchtig nach positiven Gefühlen. Gewohnheiten lösen diese aus. Das Gute? Wir können unsere Gewohnheiten mit positiven Gefühlen verbinden, indem wir diese immer wieder miteinander verknüpfen: ‚Ich bin stolz auf mich, dass ich heute Morgen Joggen war. Ich belohne mich mit einem ausgiebigen Frühstück.‘ Oder: ‚Wenn ich einen Monat durchhalte, dann gönne ich mir eine Massage.‘ So assoziiere ich das Joggen mit etwas Positivem.

Never Ending Story

Wie oft ich schon mit dem Rauchen aufgehört und wieder angefangen habe, kann ich nicht mehr an einer Hand abzählen. Das Tückische an alten Gewohnheiten: Sie verschwinden nie ganz. Der Trampelpfad ist vielleicht überwuchert und schon lange nicht mehr begangen worden, aber sobald ich in alte Muster zurückfalle, greift mein Gehirn auf die gelernten Automatismen zurück. Es ist wichtig sich dessen bewusst zu sein. Heute bin ich Nichtraucherin und habe auch vor dies zu bleiben – zumindest für den heutigen Tag.

Gesellschaftliche Gewohnheiten

Manche Gewohnheiten sind in der Gesellschaft tief verwurzelt. So tief, dass wir meinen, es sei gar nicht mehr möglich diese zu ändern. Ein Beispiel aus der Vergangenheit: Früher schnallte man sich beim Autofahren nicht an. Obwohl dies eine Entscheidung um Leben und Tod ist. Auch intensive Sicherheitsaufklärungen des Verkehrsministeriums und Pro-Gurt-Aktionen der Automobilclubs halfen nicht. Die Deutschen wollten den Sicherheitsgurt einfach nicht verwenden. Es gab an den Autobahnen sogar Plakate mit Aufschriften: Erst gurten – dann starten, Blind – weil er keinen Gurt trug oder Oben mit ist besser. Doch erst als auf politischer Ebene am 1. Januar 1967 eine Gurtpflicht beschlossen wurde, änderten sich die Gewohnheiten von Millionen von Menschen.

Gewohnheiten

Flugreisen ohne schlechtes Gewissen – geht das noch? Bildquelle: hal9001/unsplash.com

Heute haben wir ein ähnliches Phänomen, wenn es um Flugreisen geht. Klimaschutz ist aktuell eines der brennendsten Themen in der Gesellschaft. Dabei werden vor allem Flugreisen an den Pranger gestellt. Langsam, so scheint es, hinterfragen Menschen ihre Gewohnheit – vor allem Kurzstreckenflüge lassen das Gewissen zu Wort kommen. Der nächste Schritt, um wirklich eine gesellschaftlich verwurzelte Gewohnheit zu ändern, ist ein ein Gesetz, welches Flugreisen besteuert oder Inlandsflüge ganz verbietet. Hier ist also die Politik gefragt! Außerdem müssten nachhaltigere Fortbewegungsmittel, wie Bahnfahren, subventioniert und verstärkt beworben werden. Ihr seht, ganz so einfach ist es nicht, aber wie beim Anschnallen im Auto – es ist möglich!

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.