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10 Fragen, 10 Antworten zum Female Future Force Day 2018

Ich habe mich vor wenigen Tagen kritisch mit dem Female Future Force Day 2018 auseinandergesetzt. Dazu habe ich unglaublich viel Resonanz von euch erhalten. Heute antworten die Veranstalterinnen auf eure Fragen.

Der FFF Day hat mich sehr aufgewühlt und nachdenklich gemacht. Vielen von euch ging es auch so. Ich habe unzählige Nachrichten und Kommentare von euch bekommen, die ich bis heute beantworte. Viel wichtiger als meine Gedanken sind nun aber die Fragen, die uns die Veranstalterinnen und Gründerinnen von Edition F, Nora-Vanessa Wohlert und Susann Hoffmann, beantworten. Euch alle hatte ich auf Instagram um Fragen für die Beiden gebeten und habe am Ende die zehn am häufigsten gestellten Fragen ungefiltert weitergeleitet. Und hier kommen ungefiltert die Antworten von Edition F. Danke, liebe Susann, dass du dir die Zeit genommen hast und ihr alles so ausführlich beantwortet!

10 Fragen, 10 Antworten zum Female Future Force Day 2018
1. Wie habt ihr selbst das Event empfunden?
In erster Linie sind wir stolz: auf unser Team, auf die Speaker*innen, auf all die Monate harter Arbeit und das, was wir am Samstag haben entstehen lassen. Denn ich glaube, wer von außen verstehen will, was so ein Tag bedeutet, muss verstehen, wie so ein Tag entsteht. Wenn man das erste Mal ein so großes Event macht, tappt man in ganz vielen Bereichen im Dunkeln: von der Teilnehmer*innenzahl über die Programminhalte bis hin zu Technik, Essen, Logistik, Teilnehmerflüssen, Barrierefreiheit etc. Und bis zu letzt haben wir nicht gewusst, ob wir das Event finanziell so auf die Beine gestellt bekommen, dass am Ende eine schwarze Null steht. In ganz vielen Bereichen haben wir aus unserer Sicht wirklich sehr viel richtig gemacht, aber natürlich sind wir nicht überall unserem eigenen Anspruch gerecht geworden. Neben diesem ist aber vor allem auch der Anspruch derer für uns wichtig, für die wir das Event gemacht haben: Deshalb ging drei Tage nach dem FFF Day eine Umfrage an alle unsere Gäste raus. Binnen 12 Stunden (aktueller Stand) haben knapp 1.000 Teilnehmer*innen mitgemacht. Über 60 Prozent davon fanden den FFF Day sehr gut bis gut, über 55 Prozent sagen bereits jetzt, dass sie definitiv wieder dabei sind, nur 8 Prozent schließen das aus. Insgesamt also ein positives Ergebnis – was nicht heißt, dass wir nicht weiter wachsen und besser werden wollen. Ich glaube, wer Edition F kennt weiß, stehen bleiben ist nicht unser Ding.
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2. Warum war das Event so elitär/weiß/nicht inklusiv?
Die Frage nimmt einen Eindruck vorweg, den wir so gar nicht stehen lassen können. Und die Frage ist, ob wir nur über das Kriterium Herkunft reden, wenn wir Diversity meinen. Wir denken nein. Es geht um Alter, um Herkunft auf sozialer Ebene, um den aktuellem Lebensstand, es geht um Menschen mit anderen Hautfarben, mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Behinderung. Was wir erlebt haben, ist eine Mischung allen Alters – die Kernzielgruppe war mit etwas unter 50 Prozent zwischen 30 und 40 Jahren alt, 20 Prozent waren älter als diese Zielgruppe – und dies bis über 60 Jahre, 30 Prozent waren unter 30 Jahre alt, fünf Prozent davon unter 20 Jahren. Wir haben Frauen gesehen mit anderer Hautfarbe, mit Kopftüchern sowie Menschen mit Behinderungen – und dies auf und vor der Bühne. Wir haben 79-Euro-Tickets für Alleinerziehende, Eltern in Elternzeit, Menschen in Arbeitslosigkeit, Studierende, Auszubildende und Menschen mit Behinderung angeboten – und in vielen Einzelfällen auch kostenfreie Tickets rausgegeben. Gerade auch über Vereine oder Frauenverbände, mit denen wir immer wieder zusammenarbeiten.
Können wir hier noch besser werden? Ja. Und das wollen wir. Schon weit vor dem FFF Day haben wir aus verschiedenen Communities Menschen dazu geholt, die uns auf dem Weg zu noch mehr Diversity begleiten. Und natürlich wollen wir dies auch für den FFF DAY noch stärker in den Fokus nehmen.
Können alle dabei mithelfen: Auch hier ein klares ja. Ermutigt Freundinnen, die anders sind und ticken, zu solchen Events zu kommen, redet mit ihnen über Feminsimus, über Karriere, über Selbstverwirklichung. Und bezieht sie ein.
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3. Wer sollte die Zielgruppe des Events sein?
Die Female Future Force ist vor inzwischen über einem Jahr ins Leben gerufen worden. Im Crowdfunding haben wir im März 2017 Geld dafür gesammelt, damit das Digitale Coaching überhaupt entstehen und Edition F gleichzeitig überhaupt überleben kann. Inzwischen sind über 10.000 Frauen und Männer Teil des Coachings und tatsächlich ist daraus eine Bewegung geworden, die in über 45 Städten in Deutschland und darüber hinaus regelmäßig Member und Interessierte zusammenbringt. Zum Netzwerken. Zum Erfahrungsaustausch. Zum gegenseitigen Support. Die Member sind dabei zwar zu knapp 90 Prozent weiblich, aber es finden sich Menschen darunter, die Akademiker*innen sind, die eine Ausbildung gemacht haben, die in Führungspositionen tätig sind oder dahin streben. Menschen, die alleinerziehend sind oder in Patchwork-Modellen leben, die sich selbstständig machen wollen oder beruflich zu neuen Ufern aufbrechen. Diese Menschen sind Studierende, Mamas und Papas, Omas und Opas. Viele kommen aus Deutschland. Und etliche haben einen Migrationshintergrund oder haben Eltern und Großeltern, die nicht aus Deutschland kommen. Eine Sache eint sie alle: Sie wollen wachsen, sie wollen ihre Zukunft und ihr Glück, beruflich und persönlich, in die Hand nehmen und diesen Weg nicht alleine, sondern mit dem Support von Coaches und der Community gehen. Diese Zielgruppe und darüber hinaus Menschen, die neugierig auf das sind, was die Female Future Force ist, haben wir angesprochen. Und diese Zielgruppe war da. Beim FFF Day.
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4. Warum wurden die meisten Speaker*innen nicht bezahlt, obwohl ihr euch Empowerment auf die Fahne schreibt?
So klar muss man sein: „Die meisten“ trifft es schlicht nicht. Richtig ist: Kein*e Speaker*in wurde bezahlt. Alle waren gleich. Das Thema ist streitbar, ohne Frage. Jeder Veranstalter muss sich die Frage stellen: Was wollen wir machen und was können wir machen? Gerade, wenn ein Event zum ersten Mal stattfindet, dass habe ich oben bereits erwähnt, gibt es wahnsinnig viele Unsicherheiten. Die meisten davon betreffen das Budget. Denn so ein Event schluckt auch ohne Speaker*innen-Honorare bereits fast eine Million Euro. Unglaublich, aber wahr. Und wir reden hier von den essentiellen Eventbestandteilen wie Location, Technik, Sicherheit und Personal. Mit dem Streichen von Dekokosten von Ballons lassen sich Speaker*innen nicht bezahlen. Hätten wir die 132 Speaker*innen in einem für sie üblichen Umfang bezahlen wollen, hätten wir deutlich über 250.000 Euro zusätzlich investieren müssen. Das ist schlicht nicht vorstellbar. Auf der anderen Seite hoffen wir natürlich, dass alle Speaker*innen sich dennoch wertgeschätzt fühlen – weil wir auch fern des FFF Days immer wieder bei ihren Projekten und Themen unterstützen und medialen Rückenwind bieten. Außerdem gehe ich auch von mir aus: Kriege ich kein Geld für einen Auftritt – und das passiert schon an diesem Wochenende wieder – frage ich mich, was hat das Event sonst zu bieten? Erreiche ich eine für mich relevante Zielgruppe, kann ich meine Themen platzieren oder möchte ich einfach die Sache unterstützen. Kann ich keine dieser Fragen mit ‚ja‘ beantworten sage ich ab. Ich kann nur hoffen, dass unsere Speaker*innen mindestens eine der Fragen positiv für sich bestätigen. Wenn ich auf das persönliche Feedback schaue, habe ich daran keinen Zweifel.
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5. Warum war der Ticketpreis so hoch?
Wenn man eine Konferenz plant, kalkuliert man erst einmal, was das Ganze so kosten wird. Man macht sich Gedanken dazu, wieviele Sponsoren und Partner man gewinnen kann und wie hoch der Ticketpreis sein darf. Schaut man auf viele andere Konferenzen, so liegen wir absolut im unteren Viertel. Wir haben an ganz vielen Stellen versucht, auch all jene zu berücksichtigen, die sich kein Ticket leisten können. Wen dies genau betrifft und wie wir damit umgegangen sind, habe ich schon ganz genau bei der Frage nach der elitären Zielgruppe beantwortet. Der gezahlte Durchschnittspreis über alle Teilnehmer*innen hinweg lag bei unter 150 Euro brutto, ein Preis der für die Inhalte, das Rahmenprogramm, das Essen und all die Mühe durchaus gerechtfertigt ist.
Dass es viele Sponsoren gab ist immer eine Frage der Perspektive: Ich habe oben schon erwähnt, dass wir gerade einmal eine schwarze Null erreicht haben. Das bedeutet, es gab keinen Gewinn. Das ist ok für uns, denn viele Konferenzen fahren gerade im ersten Jahr ein Defizit ein. Für einen Gewinn hätten es entsprechend sogar mehr Sponsoren sein müssen. Mit jedem weiteren Sponsor haben wir die Ticketrabatte größer werden lassen und so versucht, das Event für immer mehr Teilnehmer*innen möglich zu machen.
Oftmals lässt man sich von außen täuschen: große Markennamen, großes Budget. Aber so ist das nicht bei einer Konferenz, die erstmals stattfindet. Viele Partner, die auf den Sponsorenwänden zu sehen waren, haben auch Produkte wie Snacks oder Getränke oder ähnliches gegeben und kein Geld. Ich glaube, wenn man hinter die Kulissen blickt und versteht, welche Kosten auflaufen, welche Gelder tatsächlich fließen und welche Arbeit dahinter steckt, versteht man auch den Ticketpreis.
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6. Warum war niemand aus dem Plus Size Bereich vertreten, obwohl es doch auch viel um Mode ging?
Tatsächlich waren durchaus einige Speaker*innen aus dem Plus Size-Bereich vertreten: beispielsweise Melodie Michelberger, Paula Lambert oder unsere Künstlerin Alina. Allerdings war keine der Frauen, auch über die genannten hinaus, eingeladen, um über dieses Thema zu sprechen. Sie waren für ganz andere Themen da, was wir ehrlich gesagt sehr positiv finden. Denn Plus Size darf und muss selbstverständlich werden. Und nicht nur Thema sein. Sie sind Teil von Panels oder geben Master Classes und haben dabei die Figur, die sie eben haben. Tatsächlich gab es auch ’nur‘ drei Modethemen. Hier ging es um Karriere in der Mode, darum ob Mode die Welt verändern kann und um Fair Fashion.
7. Warum so unglaublich viele Programmpunkte?
Da bleiben einem nur drei Dinge zu sagen: Viele Gäste, viele Programmpunkte. Denn nur so kann man tatsächlich überhaupt sicher stellen, dass jeder die Möglichkeit hat, ganz viele unterschiedliche Eindrücke, Themen, Speaker*innen und Perspektiven kennenzulernen. Außerdem finden wir alle Themen hatten ihre Berechtigung. Und wenn wir an die Speaker*innen denken, dann hätten wir noch viel mehr Programmpunkte hinzufügen müssen: Denn alle Speaker*innen von 2018 und viele Frauen mehr, sollten auf den Bühnen dieser Welt stattfinden.
8. Was sollte das mit den Würstchen?
Vielleicht mal kurz vorab: Tatsächlich wurden alle Würstchen aufgegessen. Aber das scheint Geschmackssache zu sein. Auch unseren hat das nicht unbedingt getroffen, was wir bereits mit unserem Food-Partner hinreichend besprochen haben. Das Essensangebot ging allerdings weit über die Würstchen hinaus. Und hat natürlich auch den vegetarischen und veganen Gaumen bedient. Ich glaube, hier lohnt ein bisschen Humor: Vielleicht sehen wir es als absurde Visualisierung dafür, dass es noch allzu oft noch um die Wurst geht.
9. Wisst ihr, wie viel Müll an dem Tag produziert wurde? / Warum wurde so wenig auf Nachhaltigkeit geachtet?
Wieviel Müll genau kann ich nicht sagen – unser Head of Production sagt allerdings: „Ich habe selten so ein müllfreies Event erlebt.“ Ich kann nur sagen, dass wir durchaus stark darauf geachtet haben, keinen unnötigen Müll zu produzieren: Fast alle Getränke wurden in Glasflaschen angeboten. Wasser wurde in Mehrwegflaschen wieder gesammelt – das Pfand im Wert von 3.500 Euro haben wir an die Berliner Tafel gespendet. Auch das noch verwertbare Essen haben wir an die Berliner Tafel abgegeben. Essen an den Ständen wurde maximal in Papier verpackt, das Besteck war aus Holz. Auch hier können wir sagen: Geht da noch mehr? Ja. Haben wir versucht, einen Sponsor für Reusable Cups oder Wasserflaschen zu bekommen? Ja. Hat nicht geklappt. Ebenso wie die ausreichende Versorgung mit Wasser durch mehrere Brunnen der Berliner Wasserbetriebe. Wir haben alle Produktionen von Stellwänden, Bannern, Rückwände etc. aus Holz produziert oder aus anderen dauerhaft wiederverwendbaren Konstruktionen. Alle diese Dinge haben wir eingelagert – und übrig gebliebenes Holz haben wir Künstlern geschenkt für den Rahmenbau oder neue Projekte. Wir haben fast alle Möbel, Counter etc. geliehen – das ist das Second Hand für Eventmöblierung und damit ein sehr nachhaltiger Weg.
Ein externes Urteil kann nie einbeziehen, welche Mühen im Vorfeld gemacht wurden und wo das Bestreben der Veranstalter in der Planung deutlich über das Ergebnis hinaus ging. Und trotzdem sind wir zufrieden. Aber es schmerzt auch, dieses Feedback zu hören. Da muss man ganz ehrlich sein.
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10. Was wollt ihr für das nächste Mal verändern?
Mehr Diversity. Mehr Barrierefreit. Mehr Teilhabe durch frühzeitig günstigere Tickets. Aber vor allem wollen wir wieder eine schöne Atmosphäre, starke Inhalte und ein Erlebnis kreieren, dass inspiriert und lange nachhallt. Was wir uns wünschen – mehr Nachsicht, mehr Wohlwollen und mehr Respekt. Denn Kritik ist gut, hilft zu wachsen. Aber wie weithin bekannt ist: Der Ton macht die Musik. Und Kritik trifft Menschen. Und wir waren von vielen Worten verletzt. Aber eines ist sicher: Wir haben gegeben, was wir konnten. Und dafür sage ich einfach Danke. Danke Team. Danke an die Produktion. Danke ans Design. Danke an die Speaker*innen. Danke an die Partner. Danke an alle, die unterstützt haben. Ihr habt einen mega Job gemacht. Hut ab.
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Vreni ist Maître d'Internet, Sinnfluencer und trägt ihr Herz auf der Zunge. Seit fast einem Jahrzehnt bloggt sie sich durchs WWW und widmet sich mit Herzblut auch kritischen Themen in ihrer Branche.