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Nachts im Museum – Erotik macht Kunst

Museum?! Schon allein das Wort zu lesen, bringt euch zum Gähnen?! Dann seid ihr noch in keiner Ausstellung gewesen, die anziehend wirkt. Erotisch anziehend. Das Museum der Dinge zeigt zur langen Nacht der Museen 2018 die Geschichte der Sexualität. 

Erotisches im Museum? Die Kuratoren*innen stellen die Frage „Was macht Dinge erotisch?“ Das Ergebnis kann in der aktuellen Ausstellung „Erotik der Dinge“ vom Werkbundarchiv – Museum der Dinge in Berlin begutachtet werden. Zur diesjährigen langen Nackt – Verzeihung, Nacht der Museen am 25. August, mit ganz besonderem Programm.

David, Replik nach der Skulptur von Michelangelo Hersteller unbekannt, Leihgabe aus Privatbesitz, Foto: Armin Herrmann, Quelle: Werkbundarchiv - Museum der Dinge

Der erotische Körper? Collage aus: David, Replik nach der Skulptur von Michelangelo Hersteller unbekannt, Leihgabe aus Privatbesitz. Foto: Armin Herrmann. Quelle: Presse, Werkbundarchiv – Museum der Dinge.

Welche Dinge haben erotische Qualitäten?

Es sind viel mehr Dinge, denen erotische Qualitäten zugeschrieben werden, als wir denken. Nicht nur der menschliche Körper und seine Darstellung oder Abbildung, wie wir sie aus den bildenden Künsten kennen, stehen für erotische Dinge. In der Geschichte der Malerei und Skulptur finden wir unzählige Versionen sinnlich, anziehender Körperformen. Viele Dinge, wie etwa Gegenstände zur Stimulation oder Masturbation, sind von Beginn an für den erotischen Gebrauch konzipiert. Andere hingegen, werden erst im Verlauf ihrer (Kultur-) Geschichte erotisiert. Doch wie und welche?

Pfirsich und Zitrone - erotisch ?

Pfirsich und Zitrone – erotisch? Collage aus Stephanie Sarley, Shopping (2017 -2018) Standbilder aus Videoarbeit. Quelle: Presse, Werkbundarchiv – Museum der Dinge.

Sinnliche Ebene der Erotik

Sowohl ihre Farben- und Formengebung, Funktion und Verwendung, als auch oft versteckte Anspielungen oder ihre präzise Darstellung machen uns bekannte Dinge zu einem Gegenstand erotischer Fantasien. Ein Pfirsich, eine Zitrone. Formen der Natur, die Partien unseres Körpers ähneln. Viele Objekte aus der Natur üben eine reizvolle Wirkung auf uns aus. Dabei zieht uns nicht allein das Aussehen an, vielmehr ist es das Verlangen nach Berührung. Haptik spielt eine große Rolle. Haut zieht uns an. Pfirsichhaut auch. Setzt das Verlangen frei sie sehen, riechen, fühlen, schmecken zu wollen – all unsere Sinne werden aktiviert. Und somit spielt, wenn es um Oberflächen geht, auch das Thema Material eine große Rolle. Stoffe wie Nylon und Seide oder Leder und Latex, selbst Metall, üben sexuell anziehende Kräfte aus. In der Ausstellung widmet sich das „sensing materials lab“, ein Gemeinschaftsprojekt des Bereiches Experimentelle Materialforschung der Weißensee Kunsthochschule Berlin und der Stiftung Bauhaus Dessau unserer sinnlichen Ebene des Erotischen.

Erotik & Reiz (v.l.n.r.) Liebesmittel: eine Darstellung der geschlechtlichen Reizmittel (Aphrodisiaca) von Magnus Hirschfeld und Richard Linsert Berlin, 1930, Auflegevibrator „Sakura“ und Penisring „JNamo“. Fotos: Armin Herrmann. Quelle: Werkbundarchiv - Museum der Dinge.

Erotik & Reiz (v.l.n.r.) Liebesmittel: eine Darstellung der geschlechtlichen Reizmittel (Aphrodisiaca) von Magnus Hirschfeld und Richard Linsert Berlin, 1930, Auflegevibrator „Sakura“ und Penisring „JNamo“. Fotos: Armin Herrmann. Quelle: Presse, Werkbundarchiv – Museum der Dinge.

Die lange Nacht der Museen 2018

Diesen Samstag öffnen 80 Museen ihre Pforten zu Kunst, Architektur, Geschichte, Naturwissenschaft, Technik und vielen anderen Ausstellungen der Berliner Museumslandschaft. Im Werkbundarchiv – Museum der Dinge habt ihr um 20:30 und 21:30 die Chance an einer Kurator*innenführung teilzunehmen. Ab 23 Uhr wird die Lange Nacht der Museen mit einer ganz besonderen Party gefeiert. Tupper-Party 2.0. Um genau zu sein: eine Toy-Party. Die Party findet in Kooperation mit Kreuzbergs alternativen, umweltfreundlichen, veganen und queerfeministischen Sex-Toy-Shop „other nature“ statt (ja, den gibt’s wirklich).

Auch die Staatlichen Museen zu Berlin mit ihren altbekannten Klassikern wie dem Kulturforum, der alten Nationalgalerie oder dem Bode-Museum werden an diesem Event teilnehmen. Wer es Samstagnacht nicht in die Museen Berlins schafft, der hat trotzdem Glück. Nicht nur, dass die Berliner Museen bereits am Sonntag wieder ihre Schatzkammern öffnen, die Ausstellung „Erotik der Dinge“ wurde verlängert. Noch bis zum 1. Oktober 2018 kann sie im Werkbundarchiv – Museum der Dinge in der Oranienstraße 25 in Berlin mit allen Sinnen genossen werden. Lust?

Stefan ist tapferes Schreiberlein, Stylist und Schöngeist. Seine Vorliebe für die Farbe Schwarz reicht von seinem Kater Jasper über Mode bis hin zum Schwerpunkt seines Kunstgeschichtsstudiums. Er sammelt Docs, hat ein Faible für Bundfaltenhosen, trägt jedoch trotz seines Nachnamens nie eine Uhr.