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Die kleine Alltagssexismus Rundschau

Alltagssexismus begegnet uns täglich in Form von persönlichen Gesprächen, Werbung oder sonstiger Kommunikation. Ich hab euch auf Instagram um eure Geschichten gebeten – hier kommen die traurigen Ergebnisse.

Ihr Frauen könnt das ja gut…

Ausschlaggebend für diesen Post war eine Taxifahrt, die ich letztens hatte. Ich war unterwegs in ein Hotel in Bergisch Gladbach, wo ich einen Vortrag für den Bankers Club halten sollte. Als der Fahrer mich fragte, was ich dort tue, habe ich genau das geantwortet: „Ich halte einen Vortrag.“ Seine Reaktion: „Das könnt ihr Frauen ja gut.“ Ich sagte ihm ganz freundlich, dass ich das tatsächlich gut könne, auch aufgrund meiner früheren Arbeit als Rhetorik- und Kommunikationstrainerin. Dadurch, dass ich seinen „Witz“ nicht aufgegriffen hatte, sondern die Situation objektiv und trotzdem nett bewertet habe, verunsicherte ich ihn total und er ruderte sofort zurück.

Fast täglich geraten wir also in Situationen, in denen wir Alltagssexismus ausgesetzt sind. Den meisten Menschen fällt das gar nicht auf, weil sie dieses Verhalten von klein auf „gelernt“ haben. Ich hatte auf Instagram eine Umfrage gestartet, 69% von euch sagten mir, dass sie in den letzten Tagen mit Sexismus konfrontiert waren.

Alltagssexismus begegnet uns täglich

Ich habe euch um konkrete Situationen aus eurer vergangenen Woche gebeten und die Antworten kamen zahlreich. Zehn Beispiele für Alltagssexismus habe ich herausgegriffen und möchte diese mit euch teilen:

Lena: Ich habe einen Job beim Fernsehen nicht bekommen, weil mir unterstellt wurde, dass ich nur so weit gekommen sei, weil ich aussähe wie ich aussehe.

Marina: Im Restaurant. Wir wollen wissen, wie groß der Salat ist. Der Kellner erklärt uns, dass der Salat für Frauen wäre und der Burger für Männer.

Passend dazu schickt mir Kim ein Foto vom Mädchensalat aus einem Restaurant in Regensburg, außerdem seht ihr die dümmste Werbung eines Elektrofachmarkts an meiner Bushaltestelle sowie Toilettentüren, die Followerin Jana kürzlich entdeckt hat.

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Anika: Wir müssen öfter Kisten transportieren. Von den Fahrern wird wirklich jedes einzelne Mal so getan, als ob ich gleich zerbrechen würde. Ich darf als Frau bloß nichts tragen, weil mein Mann und der Fahrer natürlich viel stärker sind als ich. Ich bin nun wirklich keine zierliche Frau. Bei uns ist es schon zum Running Gag geworden, ob ich wohl beim nächsten Mal tragen darf.

Juli: Als ich meinen Wagen durch unseren Getränkeladen schob, hörte ich, wie der Chef seine Mitarbeiterin belustigt mit „Ey, Dicke“ ansprach. Ihre Kollegin sagte zu ihr: „Und du reagierst auch noch darauf?!“ War natürlich nur Spaß… „Wissta ja, Mädels…“

Johanna: Ein Vater sagt an der Kasse zu seinem (noch echt kleinen) Sohn: „Nee, da sind nur pinke Überraschungseier. Die sind nur für Mädchen, die kannst du nicht mitnehmen.“

Susi: Meine Kollegen sagten, ich werde bevorzugt, weil ich eine Frau bin, die in einer Männerbranche arbeitet. Ich bin die Ranghöchste, weil ich die Bessere bin – das muss ich mir in solchen Situationen immer vor Augen halten.

Vivien: Morgens hatte ich es sehr eilig beim Umsteigen am Bahnhof. Wie immer trug ich Kopfhörer. Auf der Treppe sprach mich ein junger Mann mehrfach an, wie es mir gehe. Ich wollte ihn ignorieren, Kopfhörer sind für mich auch immer Zeichen genug, nicht angesprochen werden zu wollen. Der Mann ließ sich nicht beirren und lief mir nach, er fasste mich an die Schulter. Ich sagte ihm, dass ich nicht angefasst werden möchte. Er daraufhin: „Sei doch froh, dass sich überhaupt mal einer anspricht.“ – Eine Situation, in der ich gefühlt in verschiedenen Variationen schon 1000x war.

Xenia: Mir applaudierte eine Gruppe von Männern beim Einparken, weil ich mit einem Zug in die Lücke kam.

Es ist noch viel zu tun…

Als Frau kennt wahrscheinlich jede von uns die Situationen oben. Besonders die Erfahrung von Vivien kann ich bestätigen. Wenn man dumme Annäherungsversuche nicht ignoriert und weiterläuft, sondern verbal abblockt, dann kommt es eigentlich immer zu einem beleidigenden Spruch seitens des Mannes, gerne auch ein „Du bist eh hässlich“.

Wie begegnet man nun Alltagssexismus? Da er in vielen Fällen unterschwellig auftritt und von deinem Gegenüber nicht bewusst eingesetzt wird, hilft es, ruhig und freundlich zu bleiben. Eine objektive Antwort in Bezug auf die Situation hilft. Viele von euch schrieben mir, dass sie sich so hilflos fühlen und nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Hier hilft es, im Kopf einige Situationen durchzuspielen, gern auch mit Freund*innen und sich gemeinsam Antworten zu überlegen. Das hilft beim nächsten Mal garantiert.

Schreibt mir gern eure Erfahrungen, vielleicht mache ich hieraus eine monatliche Rubrik.

Vreni ist Maître d'Internet, Sinnfluencer und trägt ihr Herz auf der Zunge. Seit fast einem Jahrzehnt bloggt sie sich durchs WWW und widmet sich mit Herzblut auch kritischen Themen in ihrer Branche.