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Berlin Fashion Week für Grünschnäbel

Diese Woche durfte ich für neverever.me die Berlin Fashion Week besuchen. Vier Tage vollgestopft mit aufregenden Shows, tollen Talks und so manch skurrilen Side-Events. Hier kommen meine Eindrücke des Modezirkus.

Es ist das erste Mal, dass ich alle vier Tage der Fashion Week so erlebt habe. Letztes Jahr im Sommer hatte ich bereits das Vergnügen ein, zwei Shows zu sehen, doch diese Woche glich es eher einem Show-Marathon. Ein pures Vergnügen!

mbfw

Bildquelle: instagram/richertbeil und fashionweekberlin.com

Was zieht man nur zur Berlin Fashion Week an?

Eins vorweg: Ich liebe Mode, aber so richtig stilsicher bin ich nicht immer. Das macht mir normalerweise gar nichts aus. Ein bisschen daneben liegend, machen mir die meisten Outfits erst so richtig Spaß, aber zu Fashion Week war ich mir dann doch unsicher – was zieht man zu Shows an, wenn nicht den/die jeweilige*n Designer*in? Macht es einen Unterschied, ob ich tagsüber oder abends unterwegs bin? Fragen, die ich Neuling mir bangend stellte und die Vreni lachend abschüttelte. Ich soll anziehen wonach mir ist und ich darf mich gerne an ihrem Kleiderschrank bedienen. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und durchforstete letztes Wochenende Vrenis Kleiderschrank mit großen Augen. Eigentlich wollte ich danach noch zur Demo am Ostkreuz – Gegen den Ausverkauf der Stadt – kam mir aber falsch gekleidet vor in einem riesigen XL-Teddy-Coat mit vier Designertaschen umhängend. Nach den vier Tagen Berlin Fashion Week würde ich das Outfit sofort zur Demo tragen, denn obwohl es unpassend ist, kommt es doch nur darauf an, ob man sich wohl fühlt. Dass nehme ich definitiv mit von der Fashion Week: trag worauf du Lust hast!

Tag 1 – Warm-Up

Der Montag gilt als kleines Warm-Up für die anstehenden, chaotischen Tage. Dawid Tomaszewski lud gemeinsam mit anderen Designer*innen, u.a. Marina Hoermanseder, zu einem feinen kleinen Get-Together in der Torstraße. Alleine macht es immer weniger Spaß, deshalb war ich heilfroh, dass mein Kollege Stefan mit von der Partie war. Ich weiß nicht wie euch das ergeht, aber ich fühle mich allein auf solchen Events immer total fehl am Platz, als ob ich dort nichts zu suchen hätte und jeden Moment auffliegen könnte. Dieses Gefühl begleitete mich die ganzen Tage der Berlin Fashion Week und manchmal wollte ich auch nicht dazugehören (mehr dazu später).

 

Boosurfwear

Bildquelle: boosurfwear.com

Denn zuerst möchte ich euch meinen Highlight-Fund offenbaren. Im Fashion Exchange Showroom gab es am Montagabend 14 Fairfashion-Labels zu bewundern, eines davon ist die boo surfwear. Alle Designs der Sport- und Swimwear-Kollektion sind fair produziert und hergestellt aus Nylon-Waste. Die Stoffe haben sich super soft angefühlt und geben trotzdem genügend Halt für einen wilden Wellenritt oder eine ausgiebige Yoga-Session.

Tag 2 – Fair Fashion at it’s best

Ich gehe nie ohne Frühstück aus dem Haus. Wirklich nie. Für Mia von heylilahey und Janine von Jyoti machte ich gerne eine Ausnahme, denn die beiden luden während der Berlin Fashion Week zum veganen Brunch nach Neukölln ins Atelier von Jyoti ein. Zu feiern gab es den Launch von zwei Fair Fashion und Zero Waste Blusen, die in den letzten 12 Monaten konzipiert und umgesetzt wurden. Jyoti produzieren unter fairen Bedingungen in Indien, wo sie 16 Frauen in Vollzeit an zwei Standorten beschäftigen. Das Tolle: Das gemeinnützige Label produziert die Kleidung nicht nur ökologisch nachhaltig, sondern weiß auch um seine sozialen Pflichten und fördert gemeinsam mit der NGO Jyothi Seva Kendra sozial benachteiligte Frauen, indem sie Ihnen eine dauerhafte Anstellung als Näherinnen, diverse Weiterbildungen, regelmäßige Krankheitsvorsorgeuntersuchungen sowie ein faires Gehalt bieten. We Love!

heylilahey und Jyoti

Bildquelle: heylilahey.com

Ein weiteres Highlight der Berlin Fashion Week war die Gruppenausstellung Der Berliner Salon, die zum ersten Mal in der Villa Elisabeth stattfand. Durch den Umzug in das neue Gebäude rückten alle Designs etwas mehr zusammen und auch die Besucher*innen mussten etwas näher rücken. Gemeinsam mit dem gesamten neverever.me-Team drängelten wir uns durch die Ausstellung rund um deutsche Modedesigner*innen u.a. Steinrohner, Talbot Runhof, William Fan und Marina Hoermanseder. Eine wirklich tolle Möglichkeit die neuen Designs von etablierten Labels zu sehen.

Berlin Fashion Week

Die Gruppenausstellung Der Berliner Salon.

Der Abend stand wieder ganz im Zeichen von Fair Fashion. Mit der Neonyt-Show, ehemals Greenshow und Ethical Fashion Show, werden ausschließlich Fair Fashion Labels vorgestellt. Unter dem Titel The Art of Assembling gab es tolle Looks von Labels wie Ecoalf, Lanius und Philomena Zanetti zusehen. Und wer jetzt grüne altbacken Looks erwartet, ist falsch gewickelt, denn die Show auf der Berlin Fashion Week zeigte ganz klar, was Fair Fashion kann – und zwar so einiges! Hier findet ihr die komplette Show als Editorial.

mbfw

Mein Outfit am Dienstag: Mantel von AVEC LES FILLES , Bluse von lala Berlin, Jeans Secondhand, klassische Chucks und die Tasche von Shourouk.

Tag 3 – Wo muss ich noch gleich hin?

Von Event zu Event zur nächsten Show – Berlin Fashion Week fühlt sich ein wenig wie ein Musikfestival an. Du machst dir am Anfang einen Plan, wo du überall hin willst und am Ende geht es doch nicht ganz auf, sei es weil du zu spät bist oder, ganz verpeilt, zwei Events zur gleichen Uhrzeit zugesagt hast. Der Mittwoch war so ein Tag, der eigentlich viel zu vollgepackt war. In Erinnerung blieb mir vor allem die Veranstaltung Joint Forces by Tom Taylor. Dort präsentierte das Label seine neuen Star-Kollaborationen mit Franziska Knuppe, Toni Garn sowie Nena und ihre Tochter Larissa. Alle Stars waren anwesend und ich gebe zu, es war toll Nena live zu sehen und ihrer rauchigen Stimme zuzuhören. Ein kleiner Fan-Moment meinerseits.

Eva Lütticke

Mein Outfit von Mittwoch: Vegane Schuhe von DocMartens, Kleid von Zara, die Jacke ist ein Flohmarktfund von Your 6th Sense, Tasche Aigner, Ohrringe von Folkdays.

Gemeinsam mit Stefan hüpfte ich also von Event zu Event, um am Abend beim Launch von den FashionChangers das Tanzbein zu schwingen. Die drei Gründerinnen Jana Braumüller, Vreni Jäckle und Nina Lorenzen möchten mit ihrer Plattform die faire Modeszene verknüpfen und Impulse setzen, damit faire Mode über die Blase weniger Blogger*innen hinaus in den Mainstream wandert. Ein Unterfangen, dass wir vom ganzen Herzen unterstützen. Vielleicht war mein Elan am Abend sogar etwas zu groß, denn der viele Sekt hing mir noch am nächsten Tag nach…Danke für die ausgelassene Party Jana, Vreni und Nina!

Tag 4 – Zwischen Hui und Pfui

Sekt-Kater sind die schlimmsten Kater, ich sag’s euch. Mit leichter Verspätung und leicht torkelnd gelangte ich gerade noch so in die Show von Richert Beil, die mich wirklich vom Hocker gehauen hat. Die Atmosphäre der Show, die kreative Umsetzung der Kollektion auf dem Laufsteg. Ich war hin und weg! Die Models zogen Käfige mit Teddybären hinter sich her, aßen ein Brötchen (oder war es ein Burger?) auf dem Laufsteg und schmissen Geldscheine in die Menge. Zu guter letzt fiel das letzte männliche Plus-Size-Model hin, natürlich mit voller Absicht. Ein wunderbares Spektakel mit eindrucksvoller Mode.

Richert Beil

Bildquelle: instagram.com/richertbeil

Mit dem nächsten Berlin Fashion Week Event war ich total überfordert: Der leckmichamhashtag-Brunch (kurz lmah-Brunch). Die Idee dahinter ist es ein Event zum Networking für Blogger und Influencer zu kreieren. Vielleicht lag es noch an meinem kleinen Sekt-Brumm-Schädel, aber ich habe mich so lost auf dem Brunch gefühlt. Es war super voll, sodass ich gar nicht wusste wohin mit mir, dazu extrem laut und dann gab es noch nicht mal etwas veganes am Buffet. Okay, vielleicht lag es wirklich nur am Essen. Ich habe immer extremen Futterneid und hatte ausnahmsweise nicht gefrühstückt (ich war wirklich spät dran!) und dann sinkt meine Laune in den Keller. Ohne mich also auf dieses Event einzulassen, bin ich nach einer halben Stunde wieder von dannen gezogen. Im Gepäck, jede Menge Erinnerungen einer aufregenden Modewoche und eine Portion Süßkartoffelpommes auf dem Heimweg.

mbfw

Tag 3 – Outfit 3: Blazer und Mütze sind Flohmarktfunde, Tasche von Shourouk, Schuhe von Vans, Kleid Monki.

Was ich sonst noch mitgenommen habe?

Die Tage haben mir gezeigt, dass es mittlerweile eine riesige Auswahl an fair produzierter Mode gibt. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, sich mit Menschen auszutauschen, die durch ihre Arbeit die Welt ein klein wenig besser machen wollen. Außerdem war es schön sich mal wieder aus dem Ei zu pellen und meine Abneigung gegen Posieren auf Fotos konnte ich auch fast ablegen.

Berlin Fashion Week – es war mir ein Fest und ich freue mich auf das nächste Mal!

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.