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Darf man heute noch eine Daunenjacke tragen?

Seit mehreren Saisons suche ich nach der perfekten Winterjacke. Eine, die mich über Jahre begleitet und nicht nur für einen Winter. Eine, die zeitlos ist und sauwarm fürs sibirische Berlin. Eine Daunenjacke fällt mir da als erstes ein. Aber ist das heute noch okay?

Eines vorneweg: Ich habe mir eine Jacke mit Daunenfüllung zugelegt – und nicht nur das. Das perfekte Modell, welches ich über die letzten Jahre vergeblich suchte, fand ich diesen Winter gleich zweimal. Tatsächlich habe ich mir zwei Jacken angeschafft, die farblich anders, aber vom Schnitt her überaus ähnlich sind. Einen großen Unterschied gibt es aber: Erstere ist einen Daunenjacke, die zweite ist vegan und komplett fair produziert. Die Jacke aus Daunen in Puderrosa ist von Peak Performance, gefüllt mit Entendaunen und kostet 650€. Die vegane Alternative von Embassy of Bricks and Logs in schwarz habe ich für 350€ gekauft.

Lange habe ich überlegt, ob es okay ist, heute noch eine Daunenjacke zu tragen. Daunen werden teilweise immernoch unter schlimmsten Bedingungen produziert, deshalb ist es wichtig, sich hier ausreichend zu informieren. Ich esse Fleisch, nehme also die Tötung von Tieren für mein persönliches Leben in Kauf und so hart das auch klingt, dann kann ich auch Daunen tragen. Denn ja länger ich mich mit dem Thema beschäftigte, so viel habe ich gelernt. Tierfrei bedeutet nämlich keinesfalls nachhaltiger. Dazu kommen wir aber später.

Ich fragte euch auf Instagram nach eurer Meinung. 59% von euch finden es okay, eine Daunenjacke zu tragen. Das ist nur knapp über der Hälfte, was zeigt, dass hier Diskussionsbedarf besteht. Auseinandersetzen mit dem Thema wollte ich mich außerdem mit dem Hersteller direkt, also habe ich mich an Peak Performance gewandt und gefragt, ob ich ein paar Fragen stellen darf. Durfte ich.

daunenjacke

Das Daunen-Modell von Peak Performance bekam ich von der Marke für meinen Test zugeschickt.

Warum eine Daunenjacke? Es gibt doch Alternativen.

Die Alternativen, die es heute auf dem Markt gibt, bestehen aus Polyester. Dieses wiederum besteht aus Erdöl und zählt somit nicht zu den erneuerbaren Rohstoffen. 95% aller Daunen auf dem Markt sind Nebenprodukt der Fleischindustrie, etwa 5% stammen aus dem so genannten, sehr grausamen Lebendrupf. Von allen in der Fleischindustrie verarbeiteten Vögeln fallen 10% Daunen als Nebenprodukt ab, sprich, es gibt gar kein Business zur reinen Erzeugung von Daunen. Falls die Textilindustrie die Daune als Nebenprodukt nicht verwenden würde, wäre das also eine große Ressourcenverschwendung und nicht nachhaltig.

Ist die Gewinnung von Daunen moralisch betrachtet besser als Pelz? 

Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen der Daunen- und der Pelzindustrie. Bei Pelz ist es erst einmal ganz wichtig zu betrachten, ob das Tier für den Verzehr gezüchtet wird oder rein für die Fellgewinnung. Peak Performance hat viele Jahre lang keinen Pelz verwendet, der nicht aus der Tiermast stammte. Jetzt hat sich die Marke gänzlich von Pelz verabschiedet, weil es einfach zu schwer ist, die Lieferkette bei Pelz komplett transparent nachzuvollziehen. Außerdem gibt es für Pelztiere keine ausreichend definierten ethischen Standards.

Bei Daunen gibt es für die Farmen den so genannten RDS (Responsible Down Standard), der den Tieren ein gutes Leben ermöglicht, mit genügend Auslauf, Teichen zum Schwimmen oder der Möglichkeit zum Nestbau.

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Eure Meinung ist mir wichtig. Das sind die Ergebnisse der beiden Fragen, die ich euch auf Instagram stellte.

Wie werden die Daunen bei Peak Performance gewonnen? 

Alle Daunenprodukte entsprechen dem RDS. Die Materialien können von Kunden mittels „Track my Down“ (funktioniert per QR Code) bis zum jeweiligen Tier zurückverfolgt werden. Daunen und Federn die von Lebendtieren gerupft werden, sind inakzeptabel.

Ich habe mir den QR Code an meiner Jacke geschnappt und eingegeben. Die Daunen in meinem Modell stammen aus China von der White Duck. Das ist tatsächlich die gute, alte Pekingente, die wir beim Chinesen unseren Vertrauens bestellen. Darüber hinaus sehe ich, dass die Daunen das Bluesign Approved Siegel haben: Produkte, die hiermit ausgezeichnet sind, entsprechen strikten Sicherheits- und Umweltanforderungen. Sie wurden auf eine ressourcenschonende Art und Weise produziert mit minimalen Auswirkungen auf Mensch und die Umwelt.

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Das Modell in schwarz von Embassy of Bricks and Logs ist vegan und fair produziert.

Welche Jacke ist nun besser?!

Gute Frage, nächste Frage. Ich liebe tatsächlich beide. Sie sind qualitativ hochwertig und werden mich sicherlich jahrelang begleiten. Die Jacke von Peak Performance ist für mich noch einen Tick besser verarbeitet, scheint robuster und hochwertiger in den Materialien, was nicht verwundert, bei einem fast doppelt so teuren Preis. Auch ist sie noch etwas ausgefeilter in den Details. Dazu kommt, dass ich beide Jacken dem Kälte- und Wärmetest unterzogen habe. Hier schneidet auch die Daunenjacke besser ab. Die Federn isolieren besser und gleichen Temperaturen optimal aus. Ist es wärmer, schwitze ich nicht so schnell, ist es klirrend kalt, bleibt es schön warm. Das schafft die schwarze Jacke von Embassy of Bricks and Logs nicht ganz so gut.

Was aber bei der nachhaltigen Jacke toll ist: Das Label bemüht sich konstant, nicht nur fair zu produzieren, sondern komplett nachhaltig zu werden. Problematisch ist ja momentan noch, dass die Fake Daune kein erneuerbarer Rohstoff ist. Besonders kritisch: beim Waschen gelangen Mikroplastik-Partikel ins Abwasser und somit indirekt wieder in unsere Nahrungsmittel. Selbst effiziente Abwasseranlagen schaffen es nicht, die winzigen Plastikfasern herauszufiltern. Deshalb ist es Ziel der Marke, die Herbst-/Winterkollektion diesen Jahres zu 60% aus recycelten Materialien oder Bio-Textilien zu fertigen. Bis 2023 sollen 100% der Produkte diesem Standard entsprechen.

Bis dahin freue ich mich über zwei großartige Jacken, die mich puffig knuffig durch den Winter begleiten.

Vreni ist Maître d'Internet, Sinnfluencer und trägt ihr Herz auf der Zunge. Seit fast einem Jahrzehnt bloggt sie sich durchs WWW und widmet sich mit Herzblut auch kritischen Themen in ihrer Branche.