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menstruationstasse ruby cup

Cheers – Über mein erstes Mal mit Menstruationstasse

Habt ihr sie schon getestet, die Menstruationstasse? Ich habe mich lange Zeit nicht herangewagt, aber schlussendlich haben mich der Gesundheitsaspekt und die Müllvermeidung überzeugt. Dennoch war der erste Anlauf erst frustrierend, dann augenöffnend.

Seit über zwanzig Jahren nutze ich für meine Periode nichts anderes als Tampons – eine saubere, einfache Angelegenheit. Binden finde ich schrecklich unbequem. Seit geraumer Zeit nun spricht das menstruierende Volk aber über einen neuen, heiligen Silikongral, den ich für euch unter die Lupe genommen habe.

Die Menstruationstasse (auch Menstruationskappe oder -becher genannt) ist kelchförmig und meist aus medizinischem Silikon gefertigt. Sie ist in verschiedenen Größen erhältlich, wird gefaltet und dann wie ein Tampon in die Scheide eingeführt. Durch ein kurzes Ziehen an der Tasse entsteht ein Unterdruck, sie ist dicht und fängt das Blut auf. Ist sie voll, leert ihr die Tasse aus, wascht sie und führt sie wieder ein. Wenn ihr eure Tasse richtig pflegt, hält sie bis zu 15 Jahre. Kaufen könnt ihr die Tasse in der Drogerie oder (so wie ich) im Bioladen.

Menstruationstasse von Ruby Cup

Menstruationstasse von Ruby Cup (Bildquellen: Instagram @rubycup)

Mein erstes Mal mit Menstruationstasse

In einer Ruckzuck-Aktion begab ich mich kurz vor Start meiner Periode in den Bioladen um die Ecke und kaufte mir die Ruby Cup. Mit dem Kauf dieser Tasse unterstütze ich ein Mädchen, das keinen Zugang zu Menstruationsartikeln hat – buy one give one. Zuhause packe ich das Ding aus und taste mich im wahrsten Sinne des Wortes heran. Ein biegsamer Trichter mit einem Schniepel unten dran. Ich koche die Tasse zwei Minuten lang aus und dann kommt der Moment der Wahrheit. Ich biege das Ding wie in der Anleitung und stopfe (ja, es war wirklich mehr ein Stopfen) es mir rein. Geht mehr schlecht als recht, der Schniepel nervt und zwei Minuten später hole ich die Tasse wieder raus. Danach habe ich kurz ein Gefühl wie bei einer Blasenentzündung und es brennt ein wenig. Ich bin frustriert.

Zum Glück meldet sich eine Freundin mit den wichtigsten Tipps zur Menstruationstasse: Schniepel ein Stück abschneiden. Gesagt, getan. Folgendes Youtube Video gucken (gleich die erste Methode war für mich die beste) und dann sofort wieder rauf auf’s Pferd.

Beim zweiten Mal funktioniert es schon besser. Am besten fahrt ihr mit dem Finger entlang der Tasse, um zu fühlen, ob sie aufgegangen ist. Wenn ihr den Schniepel zu fassen bekommt, einmal kurz dran ziehen, um Unterdruck zu erzeugen (wenn nicht, egal, mit der Zeit verbessern sich eure Fingerskills). Zu Beginn musste ich beim rein- und rausholen noch ganz runter auf den Boden hocken, mittlerweile bekomme ich das schon so hin wie bei den OBs (halb im Stehen). Nach einer versauten Hose (ja, es heißt nicht umsonst Tasse), Panik, weil das Ding nicht rauskommt und ein paar undichten Momenten bin ich vollkommen überzeugt.

Die Menstruationstasse ist viel angenehmer als ein OB, sie trocknet nicht aus (das war mein Problem mit Tampons bei jeder Periode) und verursacht keinen monatlichen Müll. Wenn ihr unterwegs seid, könnt ihr die Tasse einfach in die Toilette leeren und gegebenenfalls mit Papier auswischen. Wieder Zuhause wird sie dann ausgespült und vor der nächsten Menstruation ausgekocht.

Vorteile der Menstruationstasse

Der Preisaspekt ist mir persönlich nicht so wichtig, wenn auch die Tasse (über mehrere Jahre verwendet) natürlich günstiger ist als Binden oder Tampons. Was ich viel wichtiger finde, ist der gesundheitliche Aspekt. Ich schrieb ja gerade bereits, dass ich das Gefühl habe, meine Scheide sei mit der Tasse nicht so trocken wie mit Tampons. Das scheint zu stimmen. Auch Infektionen könnten weniger auftreten, da die Scheidenhaut nicht so stark gereizt wird. Dadurch verändert sich folglich die Scheidenflora auch weniger.

Das Toxische Schocksyndrom (TSS) kennen wir von Tampons, ausgelöst durch zu langes tragen. Die Tasse kann laut Hersteller 8-12 Stunden getragen werden. Ein Fall von TSS ist bei der Tasse bisher bekannt, beschrieben im Canadian Journal of Infectious Diseases and Medical Microbiology (Sommer 2015).

Menstruationstasse von Organicup

Menstruationstasse von Organicup (Bildquellen: Instagram @organicup)

Die richtige Anwendung

1. Sterilisieren: Vor der ersten Anwendung und nach jedem Zyklus müsst ihr die Tasse auskochen. Dazu einfach gut mit Wasser bedecken und kochen lassen – der Hersteller gibt euch die optimale Zeit an.

2. Reinlich sein: Bitte wascht vor dem Einführen und Herausnehmen eure Hände.

3. Rein und raus: Mit der favorisierten Falttechnik einführen, prüfen, ob sich die Menstruationstasse entfaltet hat. Nach 8-12 Stunden leeren. Heraus bekommt ihr den Becher, indem ihr ihn am Ende leicht zusammendrückt und am Schniepel zieht (erfordert anfangs Übung und kann wegen des Unterdrucks leicht unangenehm sein).

4. Aufbewahren: Bis zum nächsten Zyklus ruht eure Tasse am besten in einem sauberen, atmungsaktiven Behälter oder Säckchen (wird meist vom Hersteller mitgeliefert).

5. Unterwegs: Wenn euch das nix ist mit Auswischen auf öffentlichen Toiletten, dann legt euch eine Reservetasse zu, die ihr für solche Fälle parat habt.

6. Keep bleeding: Anders als bei Tampons kommt ihr hier eher mit eurem Blut in Kontakt (siehe meine versaute Jogginghose). Das sollte euch bewusst sein und euch nicht ekeln. Im Gegenteil, ihr lernt dadurch eure Periode und euren Körper noch besser kennen.

Happy Period!

Vreni ist Maître d'Internet, Sinnfluencer und trägt ihr Herz auf der Zunge. Seit fast einem Jahrzehnt bloggt sie sich durchs WWW und widmet sich mit Herzblut auch kritischen Themen in ihrer Branche.