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Bijoux Bijoux! Modeschmuck deluxe

„Bijoux Bijoux!“ heißt es seit diesem Wochenende im Kunstgewerbemuseum Berlin. Das Museum zeigt Modeschmuck von Chanel bis Dior. Ganz richtig gelesen, Chanel bis Dior. Denn Modeschmuck muss nicht immer günstig sein.

Wurde Modeschmuck in seinen Anfangsjahren aus eher unedlen oder maximal halbedlen Materialien für die serielle und daher preisgünstige Produktion hergestellt, konnte er sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem unverzichtbaren Accessoire etablieren.

Modeschmuck – Mittags bitte keine Diamanten

Zu verdanken haben wir die neue Ausstellung einer der bedeutendsten Modeschmuck-Sammlerinnen Deutschlands: Giesela Wiegert. Die studierte Grundschulpädagogin, die früher die Fächer Textiles Gestalten und Kunst unterrichtete, stellt dem Kunstgewerbemuseum nicht nur ihre schönsten sondern auch bedeutendsten Stücke zur Verfügung. Präsentiert werden fast 500 Schmuckstücke von 27 Künstler*innen aus den USA und Europa. Darunter Entwürfe für die großen Modehäuser Yves Saint Laurent, Moschino oder Elsa Schiaparelli. Diese Stücke bilden jedoch nur einen Bruchteil der Gesamtsammlung Weigerts, schätzungsweise, so verrät sie uns, sind es um die 1000. Längst passen nicht mehr alle Schmuckstücke in ein paar Kästchen. Wo genau die Teile aufbewahrt werden, ist natürlich geheim und sie sind gut verschlossen. Was hat das Ganze für einen Wert? Die Dame genießt ihren Schmuck und schweigt. Während wir eifrig beginnen zu rechnen, legt die Ausstellung ihren Hauptaugenmerk auf den Couture-Schmuck des Hauses Dior aus den Jahren 1955 bis 2007.

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Der Katalog zur Ausstellung wurde von der Sammlerin Gisela Wiegert herausgegeben und von Conzentrat Düsseldorf gestaltet.

Warum nur bis 2007? Ab da habe sich die Zielgruppe der Marke so stark verändert, dass nicht nur die Sammlerin aus dem Raster fiel. Aus imposanten Werken wurden kleine zierliche, aneinander gegliederte Kettchen und Halsketten. Es bleiben historisch wertvolle und magisch anziehende Glanzstücke jener Jahrzehnte, in denen die Modeschmuck-Werke nicht nur von außerordentlicher Qualität waren. Sie waren für den großen Auftritt geschaffen. Vom Auftritt auf dem roten Teppich Hollywoods im Zeitalter der glamourösen Diven, bis hin zum Modeschmuck als Accessoire, das jeden Stil jeder Frau am Abend unterstreichen sollte – denn wie schon Dior sagte, werden mittags keine Diamanten getragen. Kleiner Fun-Fact am Rande: Dior Modeschmuck ist mit Swarovski Kirstallsteinen besetzt. Wegen der Farbauswahl, denn die besteht aus 67 verschiedene Farbuancen.

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Danke, Coco – mal wieder…

Allen Designern voran war es jedoch nicht Christian Dior, der das Potential von Modeschmuck erkannte. Es war eine Frau und zwar keine geringere als Coco Chanel. Bereits in den 1930er Jahren setzte sie den Schmuck unterstützend zu ihren Modeentwürfen ein. Der Unterschied zum „echten“ Schmuck? Abgesehen von seinen Materialien sei es der künstlerische Anspruch, den er entwickelte. Hauptsächlich ist es das, was sein Name schon mit den ersten beiden Silben verrät: Mode! Und die ist und bleibt nicht nur Wechselhaft sondern auch inspirierend.

Wer Lust auf eine Reise durch die schillernde Geschichte des Modeschmucks bekommen hat, der kann noch bis zum 27. Januar 2019 im Kunstgewerbemuseum die glanzvollen Werke bestaunen. In der Ausstellung mitinbegriffen: Ein Rundgang durch die Modegalerie des Museums. Hier erwarten euch zusätzlich Kostüme und Mode des 19.-21. Jahrhunderts. Vom französischen Korsett, über historische Kimonos, bis zu den frühen Werke Cristobal Balenciagas.

Let’s go!

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Stefan ist tapferes Schreiberlein, Stylist und Schöngeist. Seine Vorliebe für die Farbe Schwarz reicht von seinem Kater Jasper über Mode bis hin zum Schwerpunkt seines Kunstgeschichtsstudiums. Er sammelt Docs, hat ein Faible für Bundfaltenhosen, trägt jedoch trotz seines Nachnamens nie eine Uhr.