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70 Jahre Menschenrechte

70 Jahre Menschenrechte – was hat das mit mir zu tun?!

Seit 70 Jahren besteht die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Interessiert dich nicht?! Sollte es aber, denn wenn dieser Luxus, in dem wir hier in Deutschland leben, wegfällt, wird’s schnell zappenduster.

Wir müssen momentan mit ansehen, wie Regierungen zunehmend grundlegende Rechte beschneiden. Weltweit werden Menschen ungerecht be- und misshandelt. Nur weil es uns hier gut geht, dürfen wir nicht die Augen vor dem Weltgeschehen verschließen.

70 Jahre Menschenrechte

Nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs entstand 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Jenseits von Religion, Ländern und Gesellschaften wurde ein Konsens geschaffen, der die Rechte aller Menschen schützt. Die Vereinten Nationen legten damit den Grundstein für ein friedliches und faires Zusammenleben. Doch nicht alle Nationen halten sich an diese Grundrechte. Sie deuten die Rechte um und versuchen, diese für sich zu vereinnahmen. Oder sie werden ganz bewusst gebrochen, wie beispielsweise von oberster Regierungsstelle Saudi Arabiens, die eine grausame Ermordung eines Journalisten in der saudischen Botschaft in der Türkei anordneten. 

Aber was hat das alles mit uns zu tun? Wir leben tagtäglich die Menschenrechte aus, ohne dass es uns oftmals bewusst ist. Diesen Luxus genießen bei Weitem nicht alle Menschen. Amnesty International führt anlässlich der 70 Jahre Menschenrechte zehn Gründe auf, warum uns die Menschenrechte nicht egal sein dürfen. Auch uns hat das zum Nachdenken gebracht, weshalb wir diese heute auch mit euch teilen wollen.

70 Jahre Menschenrechte

Bildquelle: Amnesty International

1. In meinem Alltag sind die Menschenrechte nicht von Relevanz.

Falsch gedacht, denn wir nutzen unsere Menschenrechte so selbstverständlich, dass es uns schon gar nicht mehr auffällt. Ohne die Menschenrechte gäbe es keine Vielfalt an Medien (Bücher, Computerspiele, Filme, Zeitungen), es gäbe kein Recht auf die eigene Meinung, keine Religionsfreiheit, keine Reisefreiheit und wen du heiratest, dürftest du auch nicht bestimmen. 

2. 70 Jahre Menschenrechte – na und? Da hält sich doch eh niemand dran.

Das Dokument von 1948 war ein wichtiger Schritt für die Rechte aller Menschen. Viele Nationen orientierten sich anschließend an den Allgemeinen Menschenrechten um weitere verbindliche Menschenrechtspakete zu schüren. In Europa gibt es sogar ein eigenes Gericht – der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Hier könnt ihr euer Recht einfordern.

3. Meine Daten sind mir egal, denn ich habe nichts Falsches getan.

Der Schutz der Privatsphäre wurde schon vor 70 Jahren in den Menschenrechten verankert. Dazu gehören heutzutage auch alle Metadaten, die wir produzieren. Ob im Internet, mittels Apps wie Whatsapp oder durch Fitnesstracker, all diese Daten sind persönlich und gehören geschützt. Neue Polizeigesetze weichen dieses Grundrecht auf, deshalb ist es umso wichtiger für die eigene Privatsphäre einzustehen.

4. Deutschland, schön und gut, aber was gehen uns andere Länder an?

Wir sind ein globales Dorf. Wie wir handeln, hat Auswirkungen am anderen Ende der Welt. Wenn wir ein Produkt kaufen, wird es in den meisten Fällen günstig im Ausland unter schwierigen Bedingungen produziert: Kinderarbeit, Umweltverschmutzung, Ausbeutung von Menschen. Deshalb entscheidest du mit deinem Konsumverhalten mit, wie Menschen behandelt werden. Außerdem wäre es fatal, wenn Länder die Menschenrechte ignorieren, denn dadurch verliert das Dokument an Wert und irgendwann wäre es auch in Deutschland nur noch eine leere Hülle, an die sich niemand mehr hält.

5. Jedes Land kann doch handeln, wie es will.

Die Allgemeinen Menschenrechte wurde damals gemeinsam von allen Regionen der Welt erarbeitet. Die USA und andere europäische Länder waren sogar zögerlich. Hingegen sich Abgesandte aus Saudi Arabien und Chile stark für das Dokument einsetzten. Die Menschenrechte beruhen auf einem gemeinsamen Konsens und sind kein Entwurf des „Westens“. Das gemeinsame Ziel der Arbeitsgruppe war es, jedem Menschen auf der Erde gleiche Rechte zu geben. Schließlich nahm die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Entwurf 1948 ohne Gegenstimme an.

6. Bei uns ist doch alles in Ordnung.

Das Grundgesetz entstand kurz nach der Verabschiedung der Menschenrechte und ist von diesen stark beeinflusst. In Deutschland schützt das Grundgesetz die Würde des Menschen, aber auch Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit sowie das Verbot von Diskriminierung sind in der Verfassung verankert. In der Theorie liest sich das prima, in der Praxis sieht es oft anders aus. So erfahren viele Menschen in Deutschland Rassismus und Diskriminierung. Aber auch unangemessene Polizeigewalt, ungleiche Gehälter von Männern und Frauen sowie staatliche Überwachung sind Themen, welche die Menschenrechte verletzen.

7. Es gibt die Menschenrechte, warum muss ich mich weiter engagieren?

Ein Dokument wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist ein großer Meilenstein, aber wir müssen unsere Rechte leben und einfordern, sonst ist es nur ein Dokument ohne Wirkung. Dazu gehört es, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und Verletzungen der Menschenrechte anzukreiden, denn davon gibt es einige: In den USA wurde nach dem 11. September unter Präsident Bush das Foltern von Menschen wieder eingeführt, in der Türkei sitzen Journalist*innen im Gefängnis und die technischen Möglichkeiten der Überwachung stellen uns heute vor neue Herausforderungen. Für eine freie Gesellschaft müssen wir uns einsetzen und die Menschenrechte immer wieder aufs Neue verteidigen.

70 Jahre Menschenrechte

Bildquelle: unsplash.com

8. Wo sollen die ganzen Flüchtlinge denn hin?

Jeder Mensch hat dieselben Rechte und dazu gehört das Recht, an einem sicheren Ort Asyl zu suchen. Menschen fliehen vor Krieg, Hungersnöten oder vor Diktaturen. Sie werden hier in Deutschland niemandem etwas wegnehmen, sie fordern ihr Recht ein, zu leben. Von weltweit 68,5 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind, leben lediglich 2% in Deutschland. Vielleicht musst du irgendwann mit deiner Familie fliehen und in einem fremden Land Asyl einfordern, wie gut, wenn es dann die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte noch gibt.

9. Überwachung vs. Menschenrechte

Ich habe nichts verbrochen und nichts zu verbergen. Warum sollte es mich stören, wenn wir überwacht werden? Ganz einfach, weil die ständige Überwachung nicht zu mehr Sicherheit führt, wie oft versprochen. Vielmehr führt sie die Menschenrechte ad absurdum, denn das Recht auf Privatsphäre ist ein Recht auf ein freies Leben. Missachtet beispielsweise der Staat dieses Recht führt das nicht zu mehr Sicherheit, ganz im Gegenteil es verunsichert unser weltweit gemeinsames Leben. 

10. Ich alleine kann doch nichts verändern.

Es gibt viele Beispiele von mutigen Menschen, die sich für ihr Recht einsetzen und somit für das Recht aller Menschen. Demonstrationen, wie die Unteilbar-Demo kürzlich in Berlin, die sich für eine offene Gesellschaft und gegen Rassismus stellte. Schon immer setzten sich Menschen für ihre Rechte ein, indem sie friedlich auf den Straßen demonstierten. Es ist noch gar nicht so lange her, da haben in der DDR hunderttausende von Menschen mit friedlichen Protesten ihr Recht eingefordert. Dabei müssen es nicht immer viele sein: In den USA weigerte sich Rosa Parks im Bus den Platz für Weiße zu räumen und löste damit eine Protestwelle aus, die zur Abschaffung der so genannten „Rassentrennung“ führte – das war 1955.

Alle 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte könnt ihr hier noch einmal nachlesen.

70 Jahre Menschenrechte, ein Jubiläum, an das wir gerne erinnern, denn die Rechte sind nicht selbstverständlich und wir müssen für die Einhaltung kämpfen, denn

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“

 

Vorschaubild via Amnesty International

 

Eva kam durch Vrenis legendären Flohmarkt zu neverever.me - nach einem Praktikum war klar, hier möchte sie bleiben. Jetzt ist Eva heißgeliebter Bestandteil des Teams. Nachhaltigkeit und Veganismus sind ihre Herzensthemen. Wenn sie nicht bloggt, dann findet ihr sie in der Uni-Bibliothek, wo sie (mal mehr mal weniger fleißig) für ihre Bachelorarbeit recherchiert.