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10 Tipps für mehr Motivation zur Nachhaltigkeit

Aktuell gibt es kaum ein anderes Thema als die Klimakrise und wie wir etwas als Menschheit dagegen unternehmen können oder was es bräuchte, damit wir das Ruder noch rumreißen können. Bei all den Nachrichten kommt es mitunter vor, dass wir uns ziemlich klein und hilflos fühlen, wird man doch von Informationen und Möglichkeiten erschlagen.

Dabei geht es gar nicht darum, dass du von heute auf morgen die perfekte Nachhaltigkeitsperson wirst. Im Gegenteil, jede*r sollte schauen, dass sie*er im eigenen Tempo die Dinge verändert, die ihr*ihm möglich sind. Denn schauen wir uns das große Ganze an, wird klar, dass vor allem das System dahinter geändert werden muss, damit wir, in der uns verbleibenden Zeit noch möglichst viele, erfolgreiche Klimaschutzmaßnahmen erreichen.

Das ist natürlich keine Ausrede dafür, selbst gar nichts zu tun. Aber das Wissen darüber gibt uns auch die Freiheit mit den Dingen anzufangen, die wir wirklich verändern können. Und ja, dafür müssen wir durchaus auch mal aus unserer Komfortzone treten. Wenn du aber bis heute dachtest, dass du alleine sowieso nichts ausrichten kannst, möchte ich dir gerne Mut machen, Schritte zu wagen, die du bis dato vielleicht für unmöglich hieltest. Hier kommen zehn Motivationsschübe für dich und deine individuellen Schritte zu mehr Nachhaltigkeit.

1.Zählt meine Stimme wirklich?

Es stimmt, deine Stimme ist wichtig und relevant. Und doch bekommen wir im politischen Geschehen oftmals das Gefühl, dass unsere Stimme nichts wert ist oder wir, trotz vieler Menschen, die dahinter stehen, einfach nicht gehört werden. Aber es ist wichtig dranzubleiben. Es gibt nämlich mindestens genauso viele Beispiele, die beweisen, dass deine Stimme oder deine Unterschrift sehr wohl sehr viel bewirken kann:

  • In Kanada rettete eine Bürgerinitiative einen ganzen Fjord und dessen Bewaldung vor der Holzindustrie, die gewaltige Eingriffe in die Natur vornehmen wollte.
  • Selina Juul fing an, sich in Dänemark aktiv gegen Lebensmittelverschwendung einzusetzen, wurde Frau des Jahres 2014, hält mittlerweile TED-Talks und spricht vor dem Europäischen Parlament. Dänemark hat seine Lebensmittelverschwendung bereits um 25 Prozent senken können.
  • Melanie Weigel startete eine Petition für FairTrade-Kaffee bei der Deutschen Bahn. Einige Zeit später führt die DB fair gehandelten Kaffee ein. Aktuell ist die FairTrade-Aktivistin an Ikea dran. Gerne unterzeichnen!
  • Eine Unterschriften-Aktion unterstützte das Verhindern von bedrohlichem Minenbau im Naturpark von Tansania.
  • Die Bürger-Initiative Right2Water schaffte es, dass die Wasserprivatisierungspläne innerhalb der EU-Kommission fallen gelassen wurden.

2. Bäume pflanzen – Bringt das was?

Erst kürzlich haben Forscher*innen herausgefunden, dass bei einer Bepflanzung aller ungenutzten Flächen weltweit zwei Drittel des CO2 aus der Luft gefiltert werden könnte. Die Aufforstung ist damit ein großer Hebel in Sachen Klimaschutz. Und es tut sich was. Viele Länder, darunter Irland, Äthiopien, Island oder auch Indien, wollen die Kraft der Bäume nutzen, um unsere Erde zu schätzen. Sie haben sich dafür ambitionierte Ziele gesetzt, um in möglichst kurzer Zeit viel aufzuforsten.

Irland möchte bis 2040 unglaubliche 440 Millionen Bäume gepflanzt haben. 2017 hat Indien einen Weltrekord aufgestellt, bei dem in nur zwölf Stunden 1,5 Millionen Freiwillige 66 Millionen Bäume pflanzten. Doch dies war erst der Anfang. Zwei Jahre später, also dieses Jahr, pflanzte die indische Bevölkerung an einem Tag 220 Millionen Bäume. Diese Maßnahmen tragen auch dazu bei, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Sich um Bäume zu sorgen, Aufforstungsprojekte zu unterstützen oder die Bundesregierung dazu aufzufordern entsprechende Maßnahmen zu fördern, ist also ein richtig sinnvoller Einsatz deiner Energie für den Umweltschutz.

Aufforstung und Renaturierung sind tatsächlich zwei große Hebel in Sachen Klimaschutz. © John Price/unsplash.com

3. Teilen statt neu kaufen

Klimaschutz darf Spaß machen! Wie wäre es, wenn du anfängst in deinem Freundes- oder Bekanntenkreis einen kleinen Sharing-Bereich einzurichten. Jede*r von uns hat Dinge zu Hause, die selten genutzt werden. Dinge, die eigentlich nicht jeder Haushalt braucht, wie zum Beispiel eine Leiter, eine Bohrmaschine, ein Waffeleisen, selbst eine PlayStation oder bei manchen Fahrräder stehen manchmal nur rum anstatt genutzt zu werden. Wenn wir anfangen, Dinge wieder mehr zu teilen und gemeinsam zu nutzen, können wir unsere CO2-Emissionen deutlich reduzieren. Richte doch zum Beispiel eine WhatsApp-Gruppe ein, in die jede*r schreiben kann, wenn etwas zu Hause benötigt wird, dass man nicht unbedingt neu kaufen muss. Oder hänge eine Liste im Treppenhaus aus. Und der soziale Kontakt fördert sogar noch das Miteinander. Win-Win also!

4. Ach, diese eine Plastiktüte…

Der Verzicht auf Plastiktüten oder Plastikstrohhalme mag sich im Alltag manchmal lächerlich klein anfühlen. Dabei kann das bewusste Verneinen von Plastik-Einweg-Produkten echte Strahlkraft haben. Nicht selten wirst du schnell Nachahmer*innen finden, die auch auf den Plastikstrohhalm verzichten oder von heute an, immer einen Jutebeutel in der Tasche haben. In Bali hat das Engagement von zwei jungen Mädchen sogar dazu geführt, dass die Regierung das komplette Verbot von Plastiktüten ausgesprochen hat. Also, jede*r kann etwas bewegen!

5. Mobilität neu denken

Du hast einen super stressigen Alltag und schaffst es nicht so oft, wie du gerne würdest, zum Sport zu gehen? Hast du schon einmal darüber nachgedacht, einfach häufiger aufs Rad zu steigen? Das spart nicht nur richtig gut CO2, sondern hilft dir auch im Alltag fit zu bleiben. Eine einfache, aber wirkungsvolle Methode, um ein Zeichen für die Zukunft der Mobilität zu setzen. Und auch das Nutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln statt dem eigenen Auto spart bis zu 2,5 Tonnen CO2 pro Jahr!

6. Easypeasy unter Strom

Du hast einfach keine Zeit, dich mit aufwändigen Veränderungen in deinem Alltag auseinandersetzen? Na gut, dann gibt es hier einen wirklich einfachen Tipp, um Emissionen einzusparen: der Wechsel zum Ökostromanbieter. Viele Anbieter übernehmen den Wechsel auch für dich. Du musst nichts anderes tun, als dir lediglich einen auszusuchen. So lassen sich pro Person pro Jahr um die 0,6 Tonnen CO2 einsparen. Und wenn du noch einen weiteren Motivationsschub bekommst, kannst du auch noch alle deine Glühbirnen austauschen. Der Wechsel zu Energiesparlampen bringt ganze 0,4 Tonnen CO2-Ersparnis pro Jahr.

Gerade die Auseinandersetzung mit dem eigenen Stromverbrauch zu Hause kann große Veränderungen bringen. © Vera Cho/unsplash.com

7. Hm, lecker, Fleisch

Unser Fleischkonsum ist gerade in aller Munde (schwacher Wortwitz, I know). Und das auch völlig zurecht. Die immer weiter steigende Produktion von Fleisch ist in den letzten Jahren maßgeblich mitverantwortlich für einen großen Teil der Treibhausgase. Der Umstieg zu pflanzlicher Ernährung kann deswegen im Jahr bis zu 0,5 Tonnen CO2 pro Person einsparen. Das hochgerechnet, ist ein irrsinnig großer Hebel. Und dennoch: Nicht alle können oder wollen so einfach auf Fleisch verzichten. Und es stimmt, Gewohnheiten zu ändern, ist nicht leicht. Dabei versuchen es viele von uns noch nicht einmal.

Mein Tipp: Nimm dir zunächst einen fleischfreien Tag die Woche vor. Fleischfrei bedeutet auch: kein Wurstbrötchen (das wird nämlich gerne mal vergessen. „Sooo viel Fleisch esse ich ja gar nicht.“). Um dran zu bleiben, suche dir tolle pflanzliche Restaurants und Cafés in deiner Stadt, um dich durch die bunte Gemüseküche zu schlemmen. Kauf dir ein tolles Kochbuch und versuche dich selbst an neuen Lieblingsspeisen. Wenn der eine Tag gut klappt, erweitere ihn gerne immer ein bisschen mehr. Zwei, drei, vier Tage – eine ganze Woche?

Apropos Fleisch: Auch der juristische Weg kann Erfolg haben. Erst kürzlich berichtete der WWF, dass ein Angeklagter in Cham zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, weil er illegal Luchse schoss. Mit der Rückkehr des Wolfes und des Luchses in deutsche Gebiete, ist auch die Wilderei zurückgekehrt. Dies nachhaltig positiv zu beeinflussen bedarf einer juristischen Auseinandersetzung, die anscheinend zu Erfolg führt.

8. Gemeinschaft statt Produkte schenken

Ein wichtiger Hebel in Richtung nachhaltige Gesellschaft ist die Reduktion unseres immer weiterwachsenden Konsums und das Zurückbesinnen auf die Dinge, die wir wirklich brauchen. Doch das ist manchmal gar nicht so leicht. Wir alle kennen die Verlockung, die von unseren Einkaufsstraßen ausgeht. Nur dieses eine Parfum noch, die eine Tasche, dieses eine Teil wollte ich schon immer mal haben. Dabei machen uns all diese Konsumgüter nur für eine sehr kurze Zeit wirklich glücklich. Das Gefühl ebbt schnell wieder ab und wir brauchen neue Dinge, die uns einen vermeintlichen Glückszustand vorgaukeln.

Gleiches gilt für Geschenke an gute Freund*innen und Familie. Wir müssen nicht irgendwelchen Quatsch kaufen, um eine Person glücklich zu machen. Glücksforscher*innen haben herausgefunden, dass vor allem Geselligkeit, Freundschaft und Gesundheit glücklich macht. Und das können wir auch beim Schenken nutzen. Ein selbstgekochtes Abendessen, ein Tag im Lieblingsschwimmbad, eine Massage oder eine Fahrradtour – all das macht Beschenkte sicherlich glücklicher als nur ein weiteres Produkt. Und schont ganz nebenbei auch noch die Umwelt.

9. Die Dinge zuerst umstellen, die wirklich machbar sind

Oftmals wissen wir nicht, wo genau wir anfangen sollen, wenn Veränderungen bevorstehen. Die Möglichkeiten erschlagen uns und am Ende machen wir gar nichts. Dabei ist die beste Methode, um Schritt für Schritt mehr Nachhaltigkeit ins eigene Leben zu bekommen, eine langsame Umstellung – angefangen bei den einfachen Dingen. Bei mir war das zum Beispiel das Badezimmer. Nirgendwo fiel es mir leichter auf Plastik zu verzichten: Feste statt flüssige Seife, Naturkosmetik, eine Feile aus Holz statt aus Plastik, Bio-Baumwoll-Tampons (oder eine Menstruationstasse), Wattestäbchen aus abbaubaren Materialien und so weiter. All das findest du bereits in jeder Drogerie oder in den Bio-Supermärkten. Es ist also nicht schwer zur Alternative zu greifen.

Klar sind manche Umstellungen vielleicht schwieriger als andere: zum Beispiel das Verzichten auf das Lieblingsshampoo der letzten zehn Jahre oder das Aussortieren von Kosmetik, die man schon iiiimmer benutzt hat. Aber auch hier gilt: Es ist alles Gewohnheitssache. So, wie du dich an dein Lieblingsshampoo gewöhnt hast, kannst du dich auch an eine tolle Haarseife oder eine Menstruationstasse gewöhnen. Vielleicht fällt dir auch der Start in der Küche leichter? Weg von Spül- und Putzmitteln, die giftige Chemikalien beinhalten, der Umstieg auf eine Brotdose aus Metall oder das Einführen einer Holzspülbürste? Es mögen nur kleine Schritte sein, aber nach und nach wirst du immer mehr Veränderungen in deinem Alltag spüren.

10. Du bist nicht allein!

Oft haben wir das Gefühl, all diese Last alleine zu tragen. Gerade wenn man kleine Veränderungen im Alltag adaptiert und sich dann im Großen und Ganzen gesamtgesellschaftlich nichts ändert, kommt vielleicht irgendwann die Sinnfrage hinter dem Ganzen. Dabei gibt es viele Tausende andere Menschen, die ebenfalls daran arbeiteten oder sich Gedanken machen, wie eine lebenswerte Zukunft aussehen kann. Das A und O hierfür lautet: Vernetzung. Wir sollten uns mit den Menschen zusammenschließen, die für die gleiche Sache kämpfen. Dann können wir Hoffnung und Veränderung in unserem Alltag wirklich spüren. Und dafür musst du dich nicht unbedingt direkt der nächsten Ortsgruppe anschließen, obwohl das natürlich eine super Sache wäre, am Anfang kann es schon genügen, dir diese Menschen online zu suchen.

In den sozialen Medien gibt es viele Leute, die ihre Stimme für Klimagerechtigkeit einsetzen. Folge diesen Menschen, unterstütze sie in ihrer Arbeit, verbreite ihre Botschaften weiter und werde so selbst zur*zum Multiplikator*in für Nachhaltigkeit. Bleib außerdem informiert! Lies dir die News zu aktuellen Ereignissen durch, hole dir die Nachrichten, die dich auch mit positiven Veränderungen füttern. So wirst du merken, dass nicht alles schlecht ist, sondern sich wirklich etwas tut. Du bist nicht allein – auch, wenn sich das manchmal so anfühlen kann.

 

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© Mert Guller/unsplash.com