TOP

10 Tipps für einen nachhaltigen Kleiderschrank

Kleidung begleitet uns schon unser ganzes Leben. Wir lieben Mode und wollen uns gerne gut kleiden. Doch während in nahezu allen Lebensbereichen über Nachhaltigkeit diskutiert wird, wird unser Kleiderschrank immer wieder ausgeklammert. Dabei könnte man gerade hier echt etwas verändern. Denn unsere Kleidung wird nicht einfach maschinell produziert und steht dann für uns in den Geschäften zur Verfügung. Nein, jedes einzelne Teil, das du trägst, hat ein Mensch gemacht. Und das oftmals unter Bedingungen, die wir uns kaum vorstellen können. Wie du deinen Kleiderschrank dennoch fair und nachhaltig gestalten kannst, verraten dir diese 10 Tipps.

1.Verschaffe dir einen Überblick

Nur wenn wir wissen, was wir tatsächlich besitzen, können wir daran etwas ändern oder optimieren. Deswegen ist es gut, einen Gesamtüberblick über den eigenen Kleiderschrank zu bekommen. Räume alle Kleidungsstücke, die du besitzt aus deinen Schränken. Sammle sie zum Beispiel auf dem Bett oder der Couch. Nimm nun jedes Teil einmal in die Hand und überprüfe ehrlich, ob du diesen Teil wirklich trägst. Lautet die Antwort Nein, kannst du es aussortieren. Lautet die Antwort Vielleicht, behalte es noch und gehe mit Tipp 2 in die Tiefe.

2. #30wears

Eines der größten Probleme der Modebranche ist die maßlose Überproduktion von Kleidung, die kaum jemand trägt. Greenpeace hat herausgefunden, dass lediglich 60 Prozent unseres Kleiderschranks wirklich getragen wird. Um nachhaltiger zu werden, sollten wir nur noch die Dinge kaufen, die wir wirklich auch tragen. Als Faustregel gilt: Ein Kleidungsstück sollte mindestens 30 Mal getragen werden. Wir können von dem Gedanken wegkommen, dass man sich immer wieder neu erfinden muss. Wir dürfen Kleidung tragen, die andere bereits an uns gesehen haben. Wenn wir uns in ihnen wohlfühlen, gibt es doch eigentlich nichts Besseres, oder? Wenn aus einem Vielleicht von Tipp 1 also kein Ja wird, darfst du es ganz unbekümmert aussortieren.

3. Finde deinen eigenen Stil

Um ein Teil wirklich 30 Mal tragen zu wollen, ist es wichtig, dass du dich in diesem wirklich wohl fühlst und es ganz dich widerspiegelt. Um dies zu können, ist es entscheidend, dass du weißt, was du wirklich gerne trägst. Kennst du bereits deinen eigenen Stil? Bleib ihm treu! Du musst nicht jeden Trend mitnehmen. Genau diese Teile sind es nämlich, die am Ende nach einmal Tragen im Schrank hängen bleiben. Versuche auf zeitlose Mode zu setzen, die dich immer wieder aufs Neue gut kleidet.

4. Aber ich liebe Trends!

Kein Problem! Denn selbst wenn du deine Garderobe öfter mal umkrempeln willst und nicht immer nur das Gleiche tragen möchtest, gibt es dafür nachhaltigere Alternativen als nur immer wieder shoppen zu gehen. Das Gute: Fast jeder Trend war schon einmal da. Deswegen findest du vieles von dem, was gerade in den Fast Fashion-Ketten hängt, in jedem gut sortieren Secondhandladen. Rüschen, Denim allover, asymmetrische Schnitte, Leinenkleider? Alles schon mal da gewesen! Schau dich also nach guten Vintage- und Secondhandläden in deiner Stadt um und genieße den Trip durch die Modegeschichte.

In gut sortierten Vintage- und Secondhandläden findet man viele trendige Teile, die sich perfekt zur heutigen Mode kombinieren lassen. © Becca McHaffie/unsplash.com

5. Shopping-Alternativen

Apropos Secondhand! Die Kleidung aus zweiter Hand gibt es längst nicht mehr nur muffig und schlecht sortiert in der Secondhand-Bude von nebenan. In jeder Stadt gibt es mittlerweile Läden, die selbst toll kuratieren und dich exzellent beraten können, wenn du etwas Bestimmtes suchst. Und wenn du dort einmal nicht fündig wirst, veranstalte doch mal eine Kleidertauschparty mit deinen Freund*innen, die selbst die Schränke gut gefüllt haben. Das macht nicht nur irre Spaß, sondern lässt auch ganz neue Ansätze von dem Umgang mit Mode entstehen.

6. Leihen statt Kaufen

Selbiges gilt für Tipp Nummer 6. Wir müssen unsere Kleidung nicht ständig neu kaufen. Es gibt mittlerweile tolle Konzepte, die unseren Kleiderschrank nachhaltig aufwerten. Sowohl online als auch offline kannst du Kleidung leihen! So kommst du jeden Monat in den Genuss neuer Teile, kurbelst aber nicht die unsägliche Fast Fashion-Industrie weiter an. Online bieten Fairnica und Stay Awhile schöne Möglichkeiten und auch für Kinder gibt es bei Kilenda Kleidung zum Leihen (Was bei Wachstumsschüben natürlich doppelt Sinn macht!). Bei der Kleiderei bekommst du offline in Köln und Freiburg Kleidung geliehen.

7. Mindset-Fragen

Wenn du jetzt schon dabei bist, deine Kaufentscheidungen zu überdenken und dir Alternativen zu überlegen, wo und wie du deine Kleidung kaufen kannst, ist ein guter Zeitpunkt, um allgemein über deine Konsumentscheidungen nachzudenken. Frage dich, warum du etwas kaufst. Willst du dich belohnen? Kaufst du aus emotionalen Gründen? Tätigst du viele Spontankäufe oder lässt du dir Kaufentscheidungen auch mal längere Zeit durch den Kopf gehen?

Wenn du anfängst, dir diese Fragen zu stellen, wirst du merken, dass vieles, was wir mit Konsum verbinden, oft Ausflüchte sind oder emotionale Entscheidungen, die wir auch anders treffen könnten. Wenn wir traurig sind, brauchen wir in der Regel kein neues Kleidungsstück, sondern ein intensives Gespräch mit einer/einem guten/gutem Freund*in. Wenn wir uns belohnen wollen, können wir dies tun, indem wir uns wirklich um uns selbst kümmern und nicht mit materiellen Dingen überschütten. Mit der Zeit wirst du merken, dass das Stellen dieser Fragen dein Leben bereichert anstatt dir Dinge wegzunehmen.

8. Unterstütze nachhaltig produzierende Labels

Wenn sich global etwas an der Modebranche ändern soll, brauchen wir vor allem gute Alternativen. Denn niemand sagt, dass wir komplett auf Mode verzichten müssen. Es macht nur Sinn über die Menge nachzudenken, die wir konsumieren. Solltest du ein Kleidungsstück benötigen, welches du dir auf jeden Fall neu kaufen möchtest, ist dies völlig in Ordnung. Achte dabei darauf, von den Labels zu kaufen, die nachhaltig produzieren und in ihrer Wertschöpfungskette darauf achten faire Bedingungen für alle Beteiligten zu schaffen.

Siegel können dir dabei helfen, diese Labels zu erkennen. Eine Übersicht über die gängigen Textilsiegel findest du hier. Ansonsten frag bei den Marken nach: Wer hat eigentlich meine Kleidung gemacht und wie? Sollten sie dir diese Frage nicht beantworten können oder den Text ihrer eigenen PR-Seite kopiert übersenden, kannst du sicher sein, dass sie nicht wissen, wie und von wem produziert wird. Hier und hier findet ihr tolle Übersichten über faire und nachhaltige Labels.

9. Reparieren statt Konsumieren

Was ist eigentlich aus dem schönen alten Socken stopfen geworden? Früher sind die Dinge kaputt gegangen und man hat sie genäht. Heute geht eine Hose kaputt und wir kaufen uns eine neue. Dabei muss das nicht sein. Selbst wenn man nicht das Talent des Nähens für sich entdeckt, gibt es in der Regel überall kleine Schneidereien, die Löcher flicken, Reißverschlüsse annähen oder auch Kleidungsstücke kürzen (oder verlängern). Gleiches gilt für Schuhe. Der Beruf des Schusters ist zwar aussterbender Natur, aber es gibt ihn noch. Eine neue Sohle oder Löcher in den Schuhen lassen sich oftmals noch beheben.

Oder man macht wirklich mal wieder etwas selbst: DIY scheint aus irgendwelchen Gründen teilweise noch immer einen schlechten Bastelruf zu haben, dabei lassen sich aus vielen Teilen wunderschöne Dinge, Unikate, zaubern.

10. Menschen folgen, die bereits einen nachhaltigen Kleiderschrank haben

Zu guter Letzt ein Tipp, von dem man nicht direkt einen nachhaltigen Kleiderschrank bekommt, der aber durchaus dabei hilft, durchzuhalten. Entfolge den Accounts auf Social Media, die lediglich sinnlosen Konsum promoten und suche dir Menschen, die bereits fair und nachhaltig einkaufen. Dort sammelt man nicht nur richtig gute Tipps, sondern bekommt auch tolle Inspirationen, wie man Mode anders sehen und verstehen kann. Hier findet ihr zum Beispiel solche Menschen. Und wenn du schon einmal dabei bist: Lösch doch endlich diese Shopping-Apps und all die Newsletter, die dich immer wieder zu Konsum verleiten.

In diesem Sinne: Viel Spaß mit deinem nachhaltigen Kleiderschrank!