Die Tribute von Laos – Tree Top Explorer

Tree Top Explorer verspricht ein einmaliges Erlebnis. Hätte ich vorher gewusst, wie sehr ich dafür an meine Grenzen gehen muss, ich wäre nicht zu deinem Abenteuer aufgebrochen.

Wer durch Laos reist und die Dschungeltour bucht, dem steht ein echtes Abenteuer bevor. Wie sehr wir uns an das RTL Format Dschungelcamp erinnern würden, das war keinem klar. Zu zehnt brachen wir also von Pakse auf gen Wildnis. Zwei Stunden Busfahrt führten uns zum Dorf Ban Nongluang am Rande des Dschungels, wo das Abenteuer beginnt.

tree top explorer laos

Eingegurtet und mit Helmen ausgestattet, stapften wir los. Gleich hier fiel uns ein entscheidender Fehler auf – das Schuhwerk. Ich hatte als einzige Wanderstiefel an, der Rest rutschte auf seinen Sportschuhen ganz schön. Dass wir am Anfang auch noch versuchten, die Schuhe schmutzfrei zu lassen, erscheint mit jetzt im Nachhinein der Tree Top Explorer Tour mehr als lachhaft.

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Immer tiefer ging es in den Dschungel, dann hieß es von unserem Guide irgendwann “Helme aufsetzen!”. Was dann kam waren zwei Stunden Abstieg über rutschige Steine. Von einem Weg kann man hier nicht wirklich sprechen, mehr ein Trampelpfad, der steil bergab führte. Schließlich erreichten wir einen Wasserfall und einen einfachen Unterstand – gerade noch rechtzeitig, denn jetzt kam der Wolkenguss. Regenjacken an und beim Mittagessen stärken. Als Tischdecken dienten große Bananenblätter, die unser Guide unterwegs mitgenommen hatte. Sticky Rice, salzige Pancakes, Gemüse und Minibananen. Alle satt? Dann weiter.

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Tree Top Explorer – Ziplines und Zipperlein

Wir erreichten die erste Zipline und rauschten, nach einer kurzen Einführung, über die erste Schlucht. Zwölf weitere Ziplines sollten folgen. Was sich jetzt wie ein schnelles Vergnügen anhört, dauerte auch nochmals drei Stunden. Bei zehn Leuten ist oft Warten angesagt, außerdem mussten wir uns zwischendurch immer wieder von hohen Bäumen abseilen und ein Stück Weg bis zur nächsten Zipline zurücklegen.

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Irgendwann erreichten wir das Camp, mein linkes Bein konnte ich kaum noch bewegen, eine andere Teilnehmerin war umgeknickt und humpelte nur noch unter starken Schmerzen. Von der Basishütte aus bot sich uns jedoch ein Blick, der alle Schmerzen (erst einmal…) vergessen ließ. Ein atemberaubend schöner Wasserfall rauschte vor uns in die Tiefe, drum herum nur sattes Grün. Im Camp waren bereits einige Mitarbeiter von Tree Top Explorer, die vor uns mit den Lebensmitteln aufgebrochen waren. So gab es ein leckeres Abendessen und Lao Beer. Ein Träumchen.

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Um halb 9 hieß es, ab ins Baumhaus und fertig machen, pünktlich um 21 Uhr schaltete sich der Generator aus. Wir stiefelten also hoch in unser Häuschen. Die offenen Seiten waren mit Planen verkleidet und sollten vor dem Regen schützen, dennoch war alles klamm. Wir waren fünf Mädels, jede hatte ihre eigene kleine Matte, einen Schlafsack und ein Moskitonetz. Als schließlich der Generator und auch das Licht ausging, kicherten wir etwas irre. Ich hatte ja in meiner Dschungelnacht erwartet, dass ich den Geräuschen der Natur lauschen würde. Leider war alles, was ich vernahm, der rauschende Wasserfall. Wohl fühlte ich mich nicht wirklich, das Haus schwankte leicht und auch meine Panik vor irgendwelchen Viechern tat ihr übriges (ich habe nicht ein ekliges Tier gesehen btw… – Learning: sich nicht immer vorher verrückt machen). irgendwann schlief ich doch ein und hatte eine sehr unruhige Nacht.

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Ich bin ein Blogger – Holt mich hier raus!

Der nächste Tag begann bei uns allen mit dem selben Szenario: Schmerzen. Muskelkater ohne Ende, die Treppen zur Gemeinschaftshütte eine echte Herausforderung. Wie zum Henker sollte ich da den Weg zurück schaffen. Was ihr unbdingt wissen müsst: Es gibt keinen easy Weg heraus aus dem Dschungel, keine Straße zum Camp, keinen Hubschrauber, der euch im Notfall raus holt. Deshalb bestehen die Veranstalter auch vehement auf eine Krankenversicherung im Notfall. Sollte euch etwas wirklich schlimmes passieren, dann werden euch die kleinen Laoten mit ihren 43kg aus dem Dschungel tragen und ihr werdet nach Bangkok geflogen. Das wusste ich zum Glück auch nicht vorher.

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Nach dem Mittagessen ging es direkt los. Steil bergauf im strömenden Regen. Schon nach zehn Minuten war mir klar: Das wird noch übel enden. Mein Bein behinderte mich bei jedem Schritt, der Muskelkater schmerzte. Das Klettern über große Steine machte es natürlich auch nicht besser. Immer stiller wurden wir. Jeder brauchte die Luft zum Atmen und musste sich auf den schwierigen Weg konzentrieren. Ich wurde schwächer, begann zu stolpern. Die erste aus der Gruppe begann, vor Erschöpfung zu weinen. Als ich den Bach sah, den wir hinaufsteigen sollten, war es auch mit meiner Fassung vorbei. Fluchend, heulend und nach Luft ringend ließ ich mich auf einen Stein plumpsen und versank für einen Moment in Selbstmitleid. Das Asthmaspray und der gute Zuspruch meiner Mitleidenden führten dazu, dass ich wieder aufstand und weiterstapfte. Wie ein Rohrspatz keifend, die Tränen über mein heißes Gesicht rinnend, zwang ich mich den Berg hinauf. Es sollte noch schlimmer kommen.

Tränenreicher Aufstieg

Wir konzentrierten uns alle auf unsere Schritte, keiner sah nach oben. Deshalb bemerkten wir die Steilwand auch erst, als wir direkt vor ihr standen. Unser Guide eröffnete uns, dass wir nun 150m Steilwand hinaufklettern würden. Da blieb selbst mir die Träne im Auge stecken, auch bei allen anderen entglitten die Gesichtszüge. Keiner von uns war zuvor geklettert. Als zweite machte ich mich an den Aufstieg, immernoch war mein Gesichtsfeld von Tränen und Regen eingeschränkt. Half ja alles nix. Ich musste da hoch. Bereits nach wenigen Metern spürte ich meine Arme, richtig stehen war nicht. Das Herz pumpte. Nie im Leben würde ich so 150m schaffen. Der Regen lief in Strömen die Felsen hinunter, in mein Gesicht, meinen Nacken. Klatschnass musste ich die erste Kurve um den Fels herum überwinden. Mein Fuß suchte den nächsten Tritt, rutschte ab, ein scharfes Einatmen vor Schreck und dann: fester Stand. Die größe Wohltat überhaupt. Einfach nur fest stehen. Plötzlich hörte ich auf zu weinen, mein Atem beruhigte sich und das Unmögliche trat ein: ich hatte Spaß. Ja, ich fand es super, die Wand hinaufzuklettern. Oben angekommen hatten wir alle ein kleines Endorphin Hoch. Jetzt war es geschafft. Dachten wir…

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Den Berg hatten wir tatsächlich überwunden. Jetzt ging es einen mehr oder weniger festen Pfad entlang, der nur noch eine seichte Steigung hatte. Die ersten fingen schon wieder an, ausgelassen Witze zu reißen. Wir alle waren so glücklich und stolz, dass wir das geschafft hatten. Und plötzlich schrie die Erste auf. Erschrocken blickten wir sie an. Was war passiert? Blutegel. Auch ich spürte im selben Moment ein unangenehmes Stechen. Gleich drei der Viecher hatten sich durch meinen Socken an meine Archillesverse gebissen. Schnell laufen, sagte der Guide, nicht stehen bleiben. Bis zum Tree Top Explorer Ausgangspunkt sei es nicht mehr weit. Also marschierten wir raschen Schrittes, machten nur hin und wieder Halt, um wieder einen Blutegel vom Bein zu zupfen. Und dann erschien es: Das Dorf.

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I’m a survivor

Wir rissen uns die dreckigen Kleider vom Leib und spülten uns die blutenden Beine ab. Dummerweise führen Blutegel dazu, dass dein Blut nicht gerinnt, also stand ich da und mir liefen rote Rinnsale die Beine hinunter. Das Bild wollte ich euch ersparen, aber für diejenigen, die sich den Anblick antun wollen, habe ich hier ein Foto hochgeladen… Wir schlüpften in nasse Wechselklamotten, sofern wir noch welche hatten, kauften uns Cola und Chips. das Größte für uns war, wieder in unseren Bus zu steigen. Es war geschafft. Mein Tough Mudder Run war ein Dreck gegen den Dschungel. Meine größte körperliche Grenzerfahrung. Ich hatte sie gemeistert.

Der Bus fuhr an, wir lehnten uns zurück. Und dann blieben wir im Matsch stecken. Laotische Gelassenheit, sagten wir uns. Es wird schon weitergehen. War auch so. Die 4000 Inseln erwarteten uns. Let’s go!

– Ein dickes Danke an den tollen Carsten Heinke, von dem einige der tollen Bilder hier stammen. Und danke an Dertour sowie Singapore Airlines für diese echt einmalige Pressereise –

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2 comments on “Die Tribute von Laos – Tree Top Explorer

  1. Pingback: NEVEREVER HIT & SHIT PARADE #2

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