Tonnenweise Wegwerfmode

Als ich einer Freundin erzählte, dass ich mich zunehmend mit fairer Mode beschäftige, war die erste Antwort: „Ja, H&M produziert ja auch mit Biobaumwolle.“ Das meinte ich nicht ganz…

Diese Reaktion spiegelt aber ganz gut wieder, was in vielen Köpfen falsch verankert ist. Nachhaltigkeit ist nicht automatisch gleichzusetzen mit Fairness. H&M gehört zwar zu den größten Abnehmern von Biobaumwolle, die einschlägigen Zertifikate für Fairtrade suche ich auf ihren Etiketten aber vergeblich. Bei Nachhaltigkeit geht es um die Wiederverwertung von Rohstoffen, bei Fairness um die Beziehung zu den Angestellten.

vreni frost

Laut Duden ist Fairness ein anständiges Verhalten, sowie eine gerechte, ehrliche Haltung anderen gegenüber. Das beschreibt Fair Fashion auch ganz gut. Denn hier geht es in erster Linie um eine Transparenz in der Produktionskette, die aufzeigt, dass die Arbeiter gut behandelt und entsprechend entlohnt werden. Unser Markt überschwemmt uns mit Trends, die spottbillig angeboten werden.

vreni frost

Aus dem Primark am Alexanderplatz strömen die Menschenmassen mit tütenweise Wegwerfmode. Der Schuhladen an der Ecke stapelt glitzernde High Heels für zehn Euro, das T-Shirt bei Kik kostet gerade mal zwei. Irgendwo bricht eine Fabrik zusammen, hunderte Menschen sterben, die Welt schreit auf.

Dann steht die Welt vielleicht einen Tag lang ein bisschen still, bis sich die Billigketten wieder mit Konsumenten füllen. Das ist leider mittlerweile der lauf der Dinge. Unser Gehirn ist ziemlich gut darin, Negatives auszublenden. Aber wir sollten von nun an etwas Gedächtnistraining betreiben, uns beim nächsten Griff zum Billigteil besinnen und es wieder zurück an die Stange hängen. Und das üben wir jetzt immer wieder. Es wird nicht jedes Mal klappen, aber immer, wenn es funktioniert, machst du die Welt vielleicht ein klitzekleines bisschen besser.

Pulli von Maiami
Tasche, pinkes Armband und Ring von Abury
Ohrringe von Inlace Jewelry
Nägel von Impress Manicure
Schuhe von MSGM (über Zalando)
Socken von Coucou Suzette
Makeup von Charlotte Tilbury

Fotos von der großartigen Suzana Holtgrave

msgm zalando

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4 comments on “Tonnenweise Wegwerfmode

  1. Hi Vreni,

    Das über mir habe ich mal kurz überlesen und mich dazu entschieden, mich nicht darüber aufzuregen. Ignorieren kann ich es vermutlich mit meiner Antwort trotzdem nicht, weil mir das dort geschriebene permanent in den Ohren summt. Ob man mit teuren Optionen und hochpreisigen Klamotten jetzt wirklich da hilft, wo so dringend Hilfe benötigt wird, ist fraglich. Jeder von uns war schon bei H&M und Co – das wird auch keiner bestreiten können! Zudem hast du ja auch gesagt, dass – du dich “zunehmend mit fairer Mode beschäftigst” – ich würde “zunehmend” jetzt gerne DICK UND FETT markieren. Und das ist super!

    Noch besser finde ich wenn jemand, der einen Einfluss auf andere hat, diesen nutzen will und informieren möchte. Denn wie du schon sagst, “unser Gehirn, ist ziemlich gut darin Negatives auszublenden”. Manch ein Leser hat eventuell den Anspruch auf das Extreme. Fraglich ist, ob man sich nur für das Richtige entscheiden darf, wenn man es permanent tut und sein ganzen Leben von heute auf morgen danach richtet, oder ob es auch ok ist, wenn man generell mehr und mehr darüber nachdenkt, ein Bewusstsein dafür entwickelt und sein Kaufverhalten step by step verändert.

    Ich zum Beispiel bin vegan und wurde vor Kurzem von einem Fleischesser (no offense, please!) verurteilt, wie es mir denn bitte einfallen könnte als “Weltverbesserer” bei einer Airline zu arbeiten obwohl ja jeder weiß, dass das Fliegen nicht gut für die Umwelt ist. Ich musste mir eine halbe Stunde anhören, was für ein schlimmer Mensch ich bin! Und das nur, weil ich nach dem Service eine Banane gegessen habe, anstatt mich in die Schlange der Kollegen zu stellen um noch eine Portion Fisch, oder Fleisch zu bekommen. Ich hab das mit Humor gesehen, weil mich sowas nicht aus der Ruhe bringt. Aber auch hier war fraglich, wer denn jetzt der verrückte ist. 😀

    Also bitte mach weiter so! Denk weiterhin darüber nach – lass dich weiterhin davon begeistern und versuche auch in der Zukunft davon zu schreiben ohne dich von negativem Input beeinflussen zu lassen. Ich schicke der lieben Ines ein imaginäres Paket voll Empathie für dich – vielleicht hilfts!

    Liebste Grüße
    Nora

    • Hey liebe Nora,

      danke für deinen tollen Kommentar! Ich verstehe auch nicht, dass Leute immer diejenigen kritisieren müssen, die im Kleinen versuchen, etwas zu ändern. Oftmals ist es glaube ich eine Spiegelung des eigenen Empfindens, das auf andere (also dich und mich in dem Falle) übertragen wird. Ich finde es toll, dass du vegan lebst (ich tue es nicht, achte aber bei meinem Einkauf auf Produktionsbedingungen, soweit es geht eben…) und ich finde es auch toll, dass in mir ein Bewusstsein geweckt wird.
      Wie viel schöner ist dein Kommentar, der mich motiviert, als einer, der mich angreift und wieder runterziehen will.
      Ich danke dir sehr dafür.

      Hab einen tollen Tag,
      deine Vreni

  2. Hallo Vreni,
    glaubst Du wirklich, dass Du die Richtige bist, die sich über Nahhaltigkeit auslassen darf? Dein ganzes Konzept schreit nach Konsum!
    Sorry, aber bei Dir wirkt der Versuch für Nachhaltigkeit zu plädieren unglaubwürdig.

    Ich glaube, dass du auf einer Welle mitreiten möchtest, von der Du Dir persönliche Vorteile versprichst.

    Es ist übrigens egal, ob eine Jeans bei KIK 10 Euro kostet oder bei Levis 80 Euro, die Arbeiter bekommen immer den gleichen Lohn. Vielleicht solltest Du Dich mit dem Thema wirklich auseinandersetzen bevor Du darüber schreibst.

    • Liebe Inés,
      ich habe lange über deinen Kommentar nachgedacht und ja, ich finde, dass genau Leute wie ich, die viel komsumieren, sich dazu äußern dürfen. Sowieso darf ich mich zu allem äußern, denn es ist meine Meinung und mein Blog 🙂
      Die Produktionsbedingungen von Kik und Levi’s sind mir bewusst. In meinem Artikel gebe ich klar zu, Komsumopfer zu sein. Ich setze mich damit auseinander und beanspruche nicht den Titel des Nachhaltigkeitsengels für mich – ganz im Gegenteil.
      Jetzt meine Frage an dich: Warum greifst du mich an, anstatt dich zu freuen, dass ich versuche, einen positiven Appell an meine Leser auszusprechen? Warum müssen Leute, die etwas bewegen wollen, sich grundsätzlich mit solchen negativen Kommentaren auseinandersetzen? Viel schöner wäre es doch, jemandem Zuspruch zu geben, der etwas verbessern möchte.
      Liebe Grüße,
      deine Vreni

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