step by step: so entsteht königliches porzellan

die königliche porzellanmanufaktur in berlin gibt es seit 1763. der herstellungsprozess des weißen goldes ist mehr als spannend. deshalb nehme ich euch mit hinter die kulissen.

einen tag lang habe ich mich in der manufaktur herumgetrieben und mir die handwerkskunst angesehen. bis ihr ein kpm design in der hand haltet, gibt es so einige schritte, die durchlaufen werden.

1. rohstoff herstellung
porzellanmasse besteht etwa zur hälfte aus kaolin und zu je einem viertel aus feldspat und quarz. mit wasser vermischt, werden die ausgangsstoffe gesiebt und von fremdstoffen befreit. nach der entwässerung wird die verdichtete masse, der so genannte filterkuchen, in feuchthaltekellern bei fast hundertprozentiger luftfeuchtigkeit gelagert. man spricht hier vom mauken.

2. modellwerkstatt
hier erstellt der modelleur ein erstes gipsmodell im maßstab 1:1, maquette genannt. nach dieser maquette wird nun ein zweites modell hergestellt, das um circa 16% größer ist. warum? weil das modell beim trocknen und brennen schrumpft, die schwindung der porzellanmasse wird also somit ausgeglichen. hierbei ist höchstes handwerkliches können gefragt.

3. gießerei
für hohlteile wie zum beispiel vasen, die gegossen werden, werden die filterkuchen in einem großen rührwerk zu gießmasse verarbeitet. diese masse wird in rotierende arbeitsformen aus gips gegossen (= gießling). gips kann viel wasser aufnehmen und entzieht der masse somit die feuchtigkeit. jetzt wird’s tricky: die masse wird fest (scherbenstärke erreicht) und der noch flüssige teil muss weggekippt werden. der gießling trocknet nun zunächst in der arbeitsform, bevor diese im genau richtigen moment geöffnet und der gießling entformt wird.
ein teller muss eine festere konsistenz haben, als ein hohlteil. dafür wird der filterkuchen in einem aggregat gemischt, entlüftet und verdichtet. es braucht auch hier einiges an fingerspitzengefühl, um genau den richtigen feuchtigkeitsgehalt der masse zu erreichen. anders als beim töpfern, werden die teller nicht frei auf der drehscheibe geformt. vielmehr wird die masse in eine speziell rotierende produkt-hohlform eingedreht.

4. garnieren
wenn ihr glaubt, porzellan entsteht hier an einem stück, dann liegt ihr falsch. für eine kpm kaffeekanne werden zum beispiel körper, ausgussrohr henkel, deckel und knopf einzeln produziert und erst später zusammengesetzt (garniert). leicht können so 11 bis 15 formenteile zusammenkommen. unsere kaffeekanne muss zügig produziert und noch im feuchten zustand zusammengesetzt werden. dabei werden die nahtstellen sauber verputzt, damit sie später nicht mehr zu sehen sind. jetzt noch alles sauber mit pinseln und schwämmen verputzen, so dass auch die letzten unregelmäßgkeiten ausgemerzt werden. die feuchte masse kann nun noch geschnitten werden, um verzierungen hinzuzufügen. für einige kpm stücke sind teilweise mehrere tausend schnitte nötig – geschicklichkeit und geduld ist hier mehr als erforderlich.

5. erster brand
nach einer ersten qualitätskontrolle kommt nun der so genannte verglühbrand. bei 980° celsius wird der masse das restliche wasser entzogen. so erhält die masse eine wesentlich höhere festigkeit.

6. blautauche
die blautauche ist eine wanne voll mit organisch blauer farbe, die beim zweiten brand komplett verbrennt und durch die jedes einzelne teil muss. diese blaue farbe macht jeden noch so kleinen fehler sichtbar, wie etwa einen riss. was perfekt aus der blautauche kommt, erhält jetzt endlich das kobaldblaue zepter, das zeichen der königlichen porzellan manufaktur berlins.

7. glasieren
alle porzellanteile (außer die flachen modelle) werden von hand in eine mit glasur gefüllte wanne getaucht. wenn das design unglasierte stellen erfordert, so werden diese zuvor sorgfältig von hand mit wachs oder einem speziallack abgedeckt. wie bei der blautauche verbrennt auch diese schicht im ofen und die unglasierten stellen treten wieder hervor.

8. zweiter brand
beim gut- oder glattbrand verbindet sich die glasur fest und dauerhaft mit dem scherben. bei etwa 1420° celsius schrumpft nun das porzellan auf das maß der maquette – dem ursprünglichen gipsmodell im maßstab 1:1. das dauert rund 19 stunden. sehr empfindliche, für rissbildung anfällige porzellanteile müssen sogar für 55 stunden in den ofen.

9. schleiferei
damit jedes teil haptisch perfekt ist, werden nach dem brennen die unterseiten aller porzellane auf einem diamantschleifstein noch einmal final geglättet.

10. qualitätskontrolle
das weiße porzellan ist fertig. es darf aber noch lange nicht in den verkauf, sondern muss geprüft werden. bei der qualitätskontrolle nehmen die mitarbeiter jedes einzelne teil in die hand, um auch eventuelle letzte makel auszuschließen. was nicht perfekt ist, wird rigoros aussortiert.

11. malerei und vergoldung
meine absolute lieblingsabteilung in der kpm ist die malerei. das ist ein ort voller kreativität und inspiration. jedes teil, das hier gefertigt wird, ist ein unikat. ob blumenmalerei, landschaft oder dekor – jeder künstler hat seinen eigenen stil. so kreativ wie die maler, sind auch ihre arbeitsplätze. hier wollte ich gar nicht mehr weg… auch die vergoldung erfogt hier. vergoldet wird mit 24-karätigem poliergold, bestehend aus feinst gepulvertem, echtem gold. dieses wird entweder mit einem achatstift millimeter für millimeter auf hochglanz poliert und bei aufwendigen dekoren oftmals noch kunstvoll graviert oder aber mit glasfaserbürste zu mattem glanz poliert.

ihr merkt, ein stück aus der kpm hat warhaft royale eigenschaften, erfüllt höchste qualitätsansprüche und bringt den zauber einer langen tradition mit sich. für mich war das bestimmt nicht der letzte besuch der manufaktur. auch ihr könnt am 15. und 16. juli mal selbst vorbeischnuppern, da veranstaltet die kpm nämlich ihr hoffest und ihr alle seid eingeladen (mehr infos hier)!

ein design in planung.

auch einige mitarbeiter wurde in form von edlem porzellan geehrt.

diese figur besteht aus rund 90 einzelteilen.

bis ins gut gehütete archiv durften wir vordringen, wo etliche kpm stücke gelagert werden.

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