Berlinalegate? Mehr als ein Kleid

Am Freitag postete der Berlinale Instagram Account ein Bild von Helen Mirren und Elle Fanning und hat nichts Besseres zu sagen als „best dressed“. Ein NEVER, das wir kommentieren müssen.

Die Berlinale bietet neben grandiosen Filmen eine Plattform für öffentliche Diskussionen. Im Mittelpunkt steht die #metoo Debatte, die sich gegen sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch stellt. Festivalleiter Dieter Kosslick begrüßt die Debatte und möchte auf der diesjährigen Berlinale diesem wichtigen Thema Raum geben. Man müsste meinen, dass durch so eine Ankündigung alle Beteiligten des Festivals sensibilisiert seien.

Die Situation

Als eines der ersten Bilder erschien also am Freitag das besagte Bild mit der Bildunterschrift: „What a fabulous #berlinale Opening yesterday night! Helen Mirren @ellefanning are certainly in for the best dress.“

Berlinale

Das Problem

Es wäre völlig in Ordnung, „best dress“ zu schreiben, wenn man besagte Kleider sehen würde. Das ist aber nicht der Fall. Das Bild zeigt die beiden Schauspielerinnen ab Brusthöhe. Das Kleid von Elle Fanning war ein absoluter Knaller, es ist also dazu noch eine Schande, es nicht zu zeigen. Das Fatale daran ist, dass dieses Bild ausdrückt, wie Frauen wahrgenommen werden. Nämlich als hübsches Beiwerk. Es fällt dem Betreuer des Berlinale Instagram Accounts nicht einmal auf, was hier passiert. Man sieht KEIN Kleid, aber man sagt, es sei best dressed.

Die Reaktion der Berlinale

Helen Mirren und Elle Fanning sind zwei sehr erfolgreiche Schauspielerinnen. Die Bildunterschrift degradiert diese zwei tollen Frauen nur auf ihr Äußeres. Wir haben uns an die Berlinale gewandt und bekamen folgende Aussage per Email:

„Es steht völlig außer Frage, dass es sich bei Helen Mirren und Elle Fanning um zwei großartige, talentierte Schauspielerinnen handelt. Zwei tolle Frauen, die sich am gestrigen Abend auf unserem Roten Teppich in ihren Abendroben sehr schön und vor allem mit viel Vergnügen inszeniert haben.“

Ja, liebe Berlinale, der letzte Satz stammt dann auch aus den 50er Jahren oder?! In einer Email könnt ihr mir also sagen, wie toll die Ladies sind. In eurem Post sind sie nur best dressed. Weiter schreibt ihr:

„Die Berlinale lädt jeden Menschen ein sich so zu präsentieren wie er/sie sich präsentieren möchte und wohlfühlt. Einen Dresscode gibt es bei uns ganz sicher nicht – gab es auch noch nie und wird es auch nicht geben.“

Das zweifelt auch Keiner an. Vor allem mit der Aktion von Schauspielerin Anna Brüggemann wäre es dumm, etwas anderes zu behaupten. Brüggemanns Initiative #nobodysdoll, die letztes Jahr im November gestartet ist, beschäftigt sich mit dem Druck, der auf Frauen lastet, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen. Dafür sei der rote Teppich prädestiniert. So schreibt Anna: „Wir Schauspielerinnen empfinden uns zwar als moderne, feministisch gesonnene Frauen, sobald es aber auf den roten Teppich geht, scheinen wir das vergessen zu müssen.“

Als offizieller Partner des Filmfestivals hat L’Oréal Paris Helen Mirren und Elle Fanning nach Berlin eingeladen. Das eine Kosmetikfirma hinter dem Auftritt der beiden Frauen steht, rechtfertigt nicht den degradierenden Post. Denn das Unternehmen hat Mirren und Fanning ausgewählt, weil sie eben keine unbekannten Gesichter sind, sondern für etwas stehen. Sie sind erfolgreiche, selbstbestimmte Schauspielerinnen, die eine Vorbildfunktion für viele Frauen einnehmen. In dem Zusammenhang wirkt die Beschreibung best dress wie ein trauriger Witz.

Die Lösung

Wenn es um Red Carpet Looks geht, verlasse ich mich auf Gala, Vogue, Grazia und co. Der offizielle Berlinale Instagram Account sollte sich auf filmische Leistungen und Themen beziehen und die Person hinter dem hübschen Kleid wahrnehmen.

Wie wäre es mit folgender Caption: Oscar winner Helen Mirren and her talented colleague Elle Fanning at the premiere of Isle of Dog. Both looking stunning! #actresses #berlinale2018 #bestdressed

Ihr seht, es geht immer um den Kontext, WIE wurde WAS WO gesagt.

Gleichberechtigung ist ein Thema das uns alle betrifft. Dazu gehört eben auch, dass Frauen nicht als Erstes auf ihr Erscheinungsbild reduziert werden. Egal, ob dies auf dem roten Teppich oder im Montagmorgen-Meeting im Büro stattfindet.

Wir müssen uns davon befreien! #nobodysdoll

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