darf/muss mode politisch sein?

free the fashion war das motto der zeitmagazin x vogue konferenz während der berlin fashion week. diskutiert wurde über mode und politik, unter anderem mit angela missoni, jeanne de kroon von zazi vintage, marcel ostertag, stella mccartney und jason wu.

im fokus der konferenz standen die fragen, warum mode frei sein muss, ob sie politisch ist und ob mode die welt verändern kann. aktuelle themen wie der woman’s march, nachhaltigkeit, mode im nahen osten und der klimawandel bildeten den kern der konferenz. außerdem wurde über modesoziologische und interkulturelle aspekte gesprochen.

beginnen wir mit einer einfachen frage: kann mode politisch sein? ganz klar: ja, das kann sie. denken wir nur einmal an die etlichen statement-shirts mit schriftzügen. das modehaus dior teilte uns auf diesem weg mit, wir alle sollten feministen sein und stella mccartney wies uns in der frühjahrskollektion darauf hin, dass wir besser auf leder und pelz verzichten sollten. angela missoni mit ihren pinken pussy-mützen und versace mit schriftzügen wie courage und equality sind weitere von unzähligen beispielen.

aus der einen frage ergeben sich jedoch die nächsten: ist mode ein geeignetes medium für politische statemens? darf mode politisch sein oder macht sie ein accessoire aus wichtigen fragen? ist es im gegenzug überhaupt möglich, sich unpolitisch anzuziehen? letzteres verneint tillmann prüfer, der style director des zeit magazins. seiner meinung nach ist mode politisch und zwar bis in die letzte faser.

natürlich, am ende ist es auch entscheidend, unter welchen bedingungen diese letzte faser produziert wurde. tillmann prüfer spricht sich außerdem für eine freie mode aus. mode soll alles dürfen und sie dürfe nichts müssen. sie brauche freiheit ohne kleidungsordung. denn mode bedeute eine sehr starke einmischung. ohne einmischung funktioniere demokratie nicht. und auch damit hat er recht – eine kleiderordnung oder verhaltensregeln für designer würde einen freheitsverlust bedeuten – für uns alle.

angela missoni setzte mit ihren sogenannten pussy-hats letzte saison klare feministische statements. inspiriert vom women’s march, ließ sie die pinken mützen zur herbst/winter-show 2017 anfertigen. sie gelten als symbol gegen trumps frauenfeindliche politik. nach angela missoni, die der kopf eines frauen-geführten unternehmens ist, hat die mode eine starke stimme. diese sollten designer nicht nur für ihre designs nutzen, sondern auch innerhalb der unternehmensstrukturen.

die macht der eigenen stimme ist auch für jeanne de kroon ein wichtiger punkt in ihrer unternehmensführung. missstände in der produktion von kleidung, wie ausbeutung oder das vorantreiben des klimawandels, veranlassten sie zum umdenken. sie gründete ihr eigenes modelabel zazi vintage. die idee hinter zazi vintage ist, nachhaltige stoffe zu verwenden und frauen zu stärken. daher bietet sie vor allem frauen in usbekistan, afghanistan und indien, die möglichkeit unter fairen bedingungen zu arbeiten. mit ihnen zusammen sammelt sie hochwertige vintage-stoffe, die dann weiterverarbeitet werden. auch marcel ostertag legt wert, auf faire arbeitsbedingungen und qualität in der verarbeitung. aus diesem grund hat er sich für eine produktion in deutschland entschieden. dies ermöglicht ihm kurze produktiomswege und einen guten überblick.

zum ethischen aspekt von modekonsum gehört für stella mccartney neben nachhaltigkeit auch vegetarismus. ihre eltern leben vegetarisch und aufgewachsen ist sie auf einem bauernhof. zwischen idylle und rockstartum hat sie designs entwickelt, die von fairness und gegesätzen handeln.

abschließend lässt sich also sagen, dass mode mit vielen entscheidungen verknüpft ist. mit der kleidung, die wir tragen, haftet auch eine geschichte an uns. außerdem vermitteln wir über unsere zweite haut auch eine aussage – wir identifizieren uns mit dingen oder grenzen uns ab. jason wus statement hierzu: alles, was wir tun, ist role play. was wir tragen, formt uns und unsere persönlichkeit. 11 statements von der zeitmagazin x vogue konferenz im überblick könnt ihr auf vogue.de nachlesen.

alle bilder: phil dera für die zeit

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